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«Nichts über uns ohne uns!»

Das Team Segel in Aktion. (Bilder: pd)

Das Team Segel in Aktion. (Bilder: pd)

Das Team Segel forscht und berät gemeinsam mit Menschen mit und ohne kognitive Beeinträchtigung. In seiner Arbeit stehen Selbstbestimmung, Partizipation und Gleichberechtigung im Fokus. Am 12. und 13. Juni lädt es zur Tagung «Achtung, Mitbestimmung!» nach St.Gallen.

«For­schun­gen, wie man sie kennt, brin­gen uns nichts. Die sind viel zu kom­pli­ziert. Aber wenn man es auf ein­fa­che Spra­che her­un­ter­bricht – dann kön­nen wir mit­for­schen», er­klärt Ur­ban Han­ny vom Team Se­gel, das der­zeit aus neun Men­schen mit und oh­ne ko­gni­ti­ver Be­ein­träch­ti­gung be­steht. Han­ny ist Co-For­scher der ers­ten Stun­de und sieht sich selbst be­reits als Ur­ge­stein des Teams, das seit 2017 an der Fach­hoch­schu­le Ost forscht und sich für Selbst- und Mit­be­stim­mung ein­setzt.

Auch Pe­ter Lad­ner ist seit An­fang an da­bei. Er en­ga­giert sich für In­klu­si­on und ist bei Pro In­fir­mis und der In­klu­si­ons-In­itia­ti­ve ak­tiv. Aus­ser­dem ist Si­byl­la Strolz, die wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin, die das Pro­jekt me­tho­disch und or­ga­ni­sa­to­risch un­ter­stützt, am Ge­spräch mit Sai­ten be­tei­ligt. 

Die drei er­läu­tern, wie ihr Team auf­ge­stellt ist. Ur­ban Han­ny lobt die Di­ver­si­tät: «Wir sind to­tal ver­schie­de­ne Per­so­nen – und das ist auch gut so. Wenn al­le gleich wä­ren, wä­re das nicht gut.» Be­reits beim ers­ten Pro­jekt er­ar­bei­te­ten sie als Grup­pe ei­nen Ge­sprächs­leit­fa­den, mit dem Fach­per­so­nen zu­sam­men mit Men­schen mit Be­ein­träch­ti­gun­gen schwie­ri­ge Fra­gen zur Selbst­be­stim­mung an­ge­hen kön­nen. Ganz nach dem Leit­satz der UNO-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on: «Nichts über uns oh­ne uns!»

Ar­beit auf Au­gen­hö­he

«Se­gel» steht für «Schwie­ri­ge Ent­schei­de – Ge­mein­sa­me Lö­sun­gen». Nach die­sem Mot­to rich­ten sich die Ak­ti­vi­tä­ten des Teams. In­iti­iert wur­de das Pro­jekt von Co­rin­ne Wohl­ge­n­sin­ger der Fach­hoch­schu­le OST und Ju­dith Ad­ler von der Hoch­schu­le Lu­zern, die bei­de be­reits seit Jah­ren zu Fra­gen der Selbst­be­stim­mung, Ethik und Teil­ha­be im Kon­text von Be­hin­de­rung for­schen. Das Team Se­gel geht ei­nen Schritt Rich­tung Mit­be­stim­mung und ver­än­dert For­schung über Men­schen mit Be­ein­träch­ti­gung zu ei­ner For­schung mit den Be­trof­fe­nen. Nur durch Ar­beit auf Au­gen­hö­he kön­ne das stell­ver­tre­ten­de Spre­chen über Men­schen über­wun­den wer­den, sind sich die Han­ny, Lad­ner und Strolz ei­nig. 

Der Ge­winn der Jah­res­aus­schrei­bung «BREF – Brü­cken­schlä­ge mit Er­folg» der Ge­bert Rüf Stif­tung und Swiss­uni­ver­si­ties 2017 war der Start­schuss für das Team Se­gel. Ein ers­tes Pro­jekt war mit dem Ge­winn fi­nan­zi­ell ge­si­chert. Ei­nen For­schungs­all­tag zu eta­blie­ren war kein Leich­tes: Es galt an­fangs ei­ni­ge bü­ro­kra­ti­sche Hür­den zu über­win­den. Mitt­ler­wei­le sind sie je­doch an der Fach­hoch­schu­le an­ge­se­he­ne und ge­schätz­te Mit­ar­bei­ten­de.

Urban Hanny

Urban Hanny

Peter Ladner

Peter Ladner

Die Co-For­schen­den ha­ben die Rol­le als «Ex­pert:in­nen in ei­ge­ner Sa­che» in­ne. Der aka­de­misch-rou­ti­nier­te For­schungs­pro­zess wur­de ge­mein­sam auf­ge­bro­chen. Für vie­le war die­ses Set­ting neu, aber wie Pe­ter Lad­ner es for­mu­liert: «Nur weil du et­was noch nie ge­macht hast, heisst das nicht, dass du es nicht kannst. Wenn man nicht aus­pro­bie­ren kann, kann man nicht schei­tern. Aber das Schei­tern ge­hört da­zu.» Schliess­lich ist auch Schei­tern lern­bar.

Das Team hat die Me­tho­de des so­ge­nann­ten so­kra­ti­schen Ge­sprächs ad­ap­tiert, um zu­sam­men am Be­griff der Selbst­be­stim­mung zu ar­bei­ten und ei­ne ei­ge­ne De­fi­ni­ti­on zu fin­den. In der ge­mein­sa­men Ar­beit wur­de stets dar­auf ge­ach­tet, an­ge­pass­te Spra­che zu ver­wen­den, viel mit Bil­dern zu ar­bei­ten und kom­ple­xe In­hal­te ein­fach zu­gäng­lich zu ma­chen. 

Aus der ge­mein­sa­men Ar­beit ent­stand ein Ge­sprächs­leit­fa­den, den sich im­mer mehr In­sti­tu­tio­nen, die mit Men­schen mit Be­ein­träch­ti­gun­gen ar­bei­ten, an­wen­den, um den­sel­ben Weg wie das Team Se­gel zu be­schrei­ten: Mit den Be­woh­nen­den und An­ge­stell­ten ge­mein­sam zu ar­bei­ten und nicht ein­fach über sie zu ent­schei­den. Da­zu kann man auch Mo­de­ra­tio­nen oder Work­shops von den Ex­pert:in­nen in An­spruch neh­men, um so die «Fra­gen, die pla­gen» zu be­ant­wor­ten.

Sibylla Strolz

Sibylla Strolz

Was als ein­zel­nes Vor­ha­ben be­gann, lebt heu­te wei­ter. Der Leit­fa­den steht, und das Team Se­gel forscht wei­ter. Es nimmt sich neu­en The­men an und be­stärkt da­bei sei­ne Hal­tung: Par­ti­zi­pa­ti­on ist mög­lich – wenn man be­reit ist, zu­zu­hö­ren, zu über­set­zen, zu ler­nen und sich die not­wen­di­ge Zeit zu neh­men. «Par­ti­zi­pa­ti­on braucht Zeit», be­tont Si­byl­la Strolz.

Das Team lädt zur Ta­gung

Ak­tu­ell or­ga­ni­siert das Team Se­gel die im Ju­ni an­ste­hen­de Ta­gung «Ach­tung, Mit­be­stim­mung!». An ei­nem Kon­gress vor zwei Jah­ren in Hei­del­berg liess sich Pe­ter Lad­ner da­zu in­spi­rie­ren. Er wünsch­te sich ei­nen ähn­li­chen An­lass auch für die Schweiz.

Ge­sagt, ge­tan: Am 12. und 13. Ju­ni fin­det die Ta­gung an der Fach­hoch­schu­le OST in St.Gal­len statt. Sie rich­tet sich an Men­schen mit und oh­ne ko­gni­ti­ve Be­ein­träch­ti­gung, an Fach­per­so­nen und an die in­ter­es­sier­te Öf­fent­lich­keit. Un­ter dem Ti­tel «Zu­sam­men­ar­beit mit Ex­pert:in­nen in ei­ge­ner Sa­che: Ach­tung, Mit­be­stim­mung!» bie­tet das Pro­gramm zwei Ta­ge, um sich mit The­men wie Me­tho­dik, Ethik und Fi­nan­zie­rung von ge­leb­ter Par­ti­zi­pa­ti­on aus­ein­an­der­zu­set­zen.

Die Ta­gung soll ein Ort der Be­geg­nung wer­den. Sie schafft Ge­le­gen­hei­ten für Dis­kus­sio­nen auf Au­gen­hö­he. Und es geht um Fra­gen wie: Wer be­stimmt? Wer wird ge­hört? Und wie kön­nen Struk­tu­ren so ver­än­dert und ge­stal­tet wer­den, dass nie­mand aus­sen vor bleibt?

Ur­ban Han­ny, der ge­mein­sam mit Pe­ter Lad­ner durch den An­lass mo­de­riert, lädt al­le ein: «Wenn dich das The­ma wirk­lich in­ter­es­siert, dann komm an die Ta­gung und schau dir das Gan­ze ein­mal eins zu eins an.»

«Ach­tung, Mit­be­stim­mung!»: Ta­gung des Teams Se­gel in Ko­ope­ra­ti­kon mit der Hoch­schu­le Lu­zern, 12. und 13. Ju­ni, OST Cam­pus St.Gal­len

ost.ch

ge­mein­sa­ment­schei­den.ch

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz