, 15. Oktober 2012
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Nils Koppruch wird mir fehlen

Ein persönlicher Nachruf von Marcus Schäfer Der Hamburger Musiker und Maler Nils Koppruch ist tot. Er starb in der Nacht zum 10. Oktober viel zu früh, mit nur 46 Jahren, in seiner Heimatstadt. Koppruch war einer der besten deutschen Singer-Songwriter. Mit seiner Band Fink veröffentlichte er von 1996 bis 2006 sechs CDs und erfand dabei […]

Ein persönlicher Nachruf von Marcus Schäfer

Der Hamburger Musiker und Maler Nils Koppruch ist tot. Er starb in der Nacht zum 10. Oktober viel zu früh, mit nur 46 Jahren, in seiner Heimatstadt. Koppruch war einer der besten deutschen Singer-Songwriter.

Mit seiner Band Fink veröffentlichte er von 1996 bis 2006 sechs CDs und erfand dabei mit seiner unverwechselbaren nasalen Stimme, nichts weniger als den deutschen (alternativen) Country. Es folgten zwei CDs unter eigenem Namen 2007 und 2010. Die Bewunderung der Musikszene für diesen «Grosstadtfolk» (Koppruch über seine Musik) war stets gross,  der kommerzielle Erfolg aber blieben Fink und ihm verwehrt. Als Maler (unter dem Pseudonym SAM) dagegen verkauften sich seine Art Brut Bilder in über hundert Ausstellungen wie von selbst. Koppruch wäre es lieber umgekehrt gewesen.

In den letzen Jahren war er auch immer wieder Gast in St.Gallen, gab Konzerte im Palace, Schwarzen Engel, in der Grabenhalle, einmal davon beim «Saiten»-Geburtstagsfest vor drei Jahren.

Wer am Rande dieser Auftritte mit ihm ins Gespräch kam, lernte einen offenen, charmanten und norddeutsch trockenen Menschen kennen, stets ein bisschen verschmitzt und etwas abgekämpft von seiner Künstlerexistenz.

Als ich mal beim Abschied noch zu einer  Lobeshymne über ihn ansetzen wollte, sagte er lakonisch: «Am besten du gehst jetzt einfach nach Hause». Irgendwie typisch Koppruch, der einem schnell nahe und vertraut schien, ohne zu kumpeln oder sich anzubiedern.

Sein Tod riss ihn jetzt mitten aus dem Leben. Eine Tour gemeinsam mit Gysbert zu Knyphausen stand an, mit dem er im August eine grossartige Duoplatte unter dem Namen «Kid Kopphausen» rausgebracht hatte, ein Konzerttermin im Palace nächsten Februar war bereits angedacht.

Befragt nach seinem Lieblingsort in einem der letzten Interviews nannte er den Fänerenspitz im Appenzell, wo er manchmal im Haus eines befreundeten Musikers zu Gast war. Er hinterlässt eine Frau und einen kleinen Sohn.

Nils Koppruch wird mir fehlen.

Über Vergängliches wusste er in seinen Liedern zu singen. Sie bleiben als Trost und sind jede Wieder- und Neuentdeckung wert.

«irgendwann wird’s regen geben
das ist sicher, soweit ich weiss
irgendwann wird’s regen geben
nur mir wär’s lieber es wär nicht gleich»

(Irgendwann Regen, Fink, CD «Fink»)

Fink – Ich kümmere mich darum

Kidd Koppenhausen – Nils Koppruch – Mein einziges Lied

 

1 Kommentar zu Nils Koppruch wird mir fehlen

  • Gabriela Baumann sagt:

    Danke Marcus, für deine Worte.
    Ich bin geschockt. So früh schon?
    Es war der beste Whisky, damals vor drei Jahren in der Grabenhalle, der einzige wohl, der mir je geschmeckt hat, mit Nils auf diesem Sofasessel. Mit ihm konnte man ohne viele Worte unsäglich viel reden.
    Gut, zu wissen, dass auch in unserer Stadt diesem wunderbaren Menschen gedacht wird.
    Ich werd mir nun also einen Whisky genehmigen – zum Gedenken – und mir von Nils die Stille erzählen lassen.

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