40. Minute in der Swissporarena in Luzern: Das 1:0 fällt. Konsternation beim Publikum, das bisher eine überlegene Heimmannschaft gesehen hat. Jubel im Fansektor der St.Galler, die am Ende trotz «biederer» Gesamtleistung den Sieg nach Hause tragen werden. Torschütze ist Danijel Aleksic, ein in Kroatien geborener Serbe, der bisher in Polen, Frankreich, Deutschland, Italien und Serbien gespielt hat und genau so gut bei Luzern wie bei St.Gallen unter Vertrag stehen könnte.
Wer atmet auf, wer runzelt stirn?
«Neuer Lieblingsgegner FC Luzern» titelt das «St.Galler Tagblatt» in der Montagausgabe. «Der Trainer droht den Spielern» titelt die «Neue Luzerner Zeitung» NLZ in der Montagausgabe. Für die Luzerner stellen sich nach dem Spiel, Zitat: «erste kritische Fragen». Für die St.Galler war es ein Spiel, das, Zitat: erstmal «ein wenig Ruhe bringt und guttut». Einig ist man sich immerhin in einer Hinsicht: Es war ein schlechtes Spiel mit einem Sieger, der noch etwas schlechter spielte als der nachmalige Verlierer.
Luzern – St.Gallen 0:1. Das ist das Resultat vom Sonntag 21. Februar, das die einen aufatmen und die andern stirnrunzeln lässt. Dank dem einen Tor haben der FCSG und der FCL jetzt beide 26 Punkte, tauschen aber die Plätze in der Tabelle: Luzern rutscht zurück auf Platz 5, St.Gallen rutscht dank einem Spiel weniger nach vorn auf Platz 4. «Sprung auf den vierten Platz» schreibt das «Tagblatt» zuoberst auf der Frontseite. «Konsternation beim FC Luzern» steht zuunterst auf der Front der NLZ.
Fussball ist manchmal verkehrt, aber immer einfach: Am Ende zählt nur das Resultat. Für die Fans, für die eigene Mannschaft, für die eigene Zeitung.
Super League auf der Regionalseite?
In Zukunft könnte letzteres allerdings schwierig werden. Nämlich dann, wenn die eigene Zeitung nicht mehr die eigene ist. Die fussballerische Engführung vom vergangenen Sonntag passierte gerade einmal vier Tage nach der publizistischen: «Luzerner Zeitung» und «Tagblatt» rücken redaktionell näher zusammen und erhalten mit Pascal Hollenstein, bisher «NZZ am Sonntag», einen gemeinsamen Cheftrainer. Geplant sind ein einheitliches Redaktionssystem und eine gemeinsame Redaktion für die überregionalen Themen.
Super League, das ist selbstredend überregionaler, nämlich nationaler Sport – aber zugleich von Regionalchauvinismus geprägt wie kaum etwas anderes. Der typische Fussballfan will über seine eigene Mannschaft aus seiner eigenen Optik lesen, was er selber denkt und längstens weiss. Entsprechend vertrackt ist die Aufgabe für die künftige gemeinsame Redaktion – ausser sie handelt Sport grundsätzlich als Regionalsport ab. Über die konkrete Gestaltung der Mantelressorts hüllt sich die NZZ aber bisher in Schweigen.
Sicher ist nur: Die Entscheidung fällt am 21./22. Mai dieses Jahres. Dann ist Hollenstein im Amt. Und dann geht das nächste Derby FCSG-FCL über den Rasen, diesmal in der AFG Arena. Wenn das «Tagblatt» dann mit dem FCL leidet statt mit dem FCSG jubelt – oder noch schlimmer: weder leidet noch jubelt, dann erhält es von seinen Lesern mit Sicherheit die rote Karte.
Das Naturmuseum St.Gallen eröffnet Mitte November zum zehnjährigen Bestehen seines Neubaus den Ausstellungsbereich «Mensch und Universum». Zwischen Klimakrise und Sternenhimmel geht es um eine ziemlich grosse Frage: Wo stehen wir eigentlich?
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller