, 22. Februar 2016
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NLZ – Tagblatt 0:1

Die geplante Fusion der überregionalen Ressorts von «St.Galler Tagblatt» und «Neuer Luzerner Zeitung» entscheidet sich möglicherweise auf dem grünen Rasen. Verlierer wäre das Publikum.

40. Minute in der Swissporarena in Luzern: Das 1:0 fällt. Konsternation beim Publikum, das bisher eine überlegene Heimmannschaft gesehen hat. Jubel im Fansektor der St.Galler, die am Ende trotz «biederer» Gesamtleistung den Sieg nach Hause tragen werden. Torschütze ist Danijel Aleksic, ein in Kroatien geborener Serbe, der bisher in Polen, Frankreich, Deutschland, Italien und Serbien gespielt hat und genau so gut bei Luzern wie bei St.Gallen unter Vertrag stehen könnte.

Wer atmet auf, wer runzelt stirn?

«Neuer Lieblingsgegner FC Luzern» titelt das «St.Galler Tagblatt» in der Montagausgabe. «Der Trainer droht den Spielern» titelt die «Neue Luzerner Zeitung» NLZ in der Montagausgabe. Für die Luzerner stellen sich nach dem  Spiel, Zitat: «erste kritische Fragen». Für die St.Galler war es ein Spiel, das, Zitat: erstmal «ein wenig Ruhe bringt und guttut». Einig ist man sich immerhin in einer Hinsicht: Es war ein schlechtes Spiel mit einem Sieger, der noch etwas schlechter spielte als der nachmalige Verlierer.

Luzern – St.Gallen 0:1. Das ist das Resultat vom Sonntag 21. Februar, das die einen aufatmen und die andern stirnrunzeln lässt. Dank dem einen Tor haben der FCSG und der FCL jetzt beide 26 Punkte, tauschen aber die Plätze in der Tabelle: Luzern rutscht zurück auf Platz 5, St.Gallen rutscht dank einem Spiel weniger nach vorn auf Platz 4. «Sprung auf den vierten Platz» schreibt das «Tagblatt» zuoberst auf der Frontseite. «Konsternation beim FC Luzern» steht zuunterst auf der Front der NLZ.

Fussball ist manchmal verkehrt, aber immer einfach: Am Ende zählt nur das Resultat. Für die Fans, für die eigene Mannschaft, für die eigene Zeitung.

Super League auf der Regionalseite?

In Zukunft könnte letzteres allerdings schwierig werden. Nämlich dann, wenn die eigene Zeitung nicht mehr die eigene ist. Die fussballerische Engführung vom vergangenen Sonntag passierte gerade einmal vier Tage nach der publizistischen: «Luzerner Zeitung» und «Tagblatt» rücken redaktionell näher zusammen und erhalten mit Pascal Hollenstein, bisher «NZZ am Sonntag», einen gemeinsamen Cheftrainer. Geplant sind ein einheitliches Redaktionssystem und eine gemeinsame Redaktion für die überregionalen Themen.

Super League, das ist selbstredend überregionaler, nämlich nationaler Sport – aber zugleich von Regionalchauvinismus geprägt wie kaum etwas anderes. Der typische Fussballfan will über seine eigene Mannschaft aus seiner eigenen Optik lesen, was er selber denkt und längstens weiss. Entsprechend vertrackt ist die Aufgabe für die künftige gemeinsame Redaktion – ausser sie handelt Sport grundsätzlich als Regionalsport ab. Über die konkrete Gestaltung der Mantelressorts hüllt sich die NZZ aber bisher in Schweigen.

Sicher ist nur: Die Entscheidung fällt am 21./22. Mai dieses Jahres. Dann ist Hollenstein im Amt. Und dann geht das nächste Derby FCSG-FCL über den Rasen, diesmal in der AFG Arena. Wenn das «Tagblatt» dann mit dem FCL leidet statt mit dem FCSG jubelt – oder noch schlimmer: weder leidet noch jubelt, dann erhält es von seinen Lesern mit Sicherheit die rote Karte.

 

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