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NZZ stellt um: Landmark geht beim «Tagblatt»

Die NZZ organisiert ihre Regionalmedien neu: Das «Tagblatt» und die «Neue Luzerner Zeitung» bekommen einen gemeinsamen Chef. «Tagblatt»-Chefredaktor Philipp Landmark tritt zurück und zweifelt an der überregionalen Lösung.
Von  Urs-Peter Zwingli

Dass die NZZ die Zusammenarbeit zwischen der «Neuen Luzerner Zeitung» und dem «St.Galler Tagblatt» verstärken und damit Kosten sparen will, war schon länger klar. Spätestens aber, seit im Oktober 2014 ein gemeinsamer Geschäftsführer für die beiden Blätter eingesetzt wurde. Nun ist bekannt, wie diese Zusammenarbeit publizistisch unter anderem aussehen soll: Die beiden Zeitungen erhalten einen gemeinsamen Chefredaktor, offiziell «Leiter Publizistik Regionalmedien» genannt. Das teilte die Kommunikations-Abteilung der NZZ am Mittwochmorgen mit.

Der «Tages-Anzeiger» hatte bereits am vergangenen Freitag die Gerüchteküche über den «regionalen Super-Chefredaktor» angeheizt.

Für das «Tagblatt» hat die Neuorganisation in einem ersten Schritt einschneidende, personelle Konsequenzen: Philipp Landmark, seit 2009 Chefredaktor in St.Gallen, hat sich laut der offiziellen Mitteilung «im Zuge der Neuorganisation entschieden», zurückzutreten. Sein Kollege Thomas Bornhauser in Luzern tut es ihm gleich. Auch beim Innerschweizer Online-Magazin «Zentral+» ist darum die Rede von einem «grossen Knall». Dort wird zudem – wie auch hier – angezweifelt, dass die beiden Chefredaktoren freiwillig abgetreten sind.

Redaktionen wurden angehört

Zum «Super-Chefredaktor» soll der im Thurgau aufgewachsene Pascal Hollenstein ernannt werden. Der 45-jährige Journalist und studierte Historiker ist derzeit noch Ressortleiter Schweiz und stellvertretender Chefredaktor bei der «NZZ am Sonntag». Er soll im mit 556’000 Lesern grössten Regionalzeitungsverbund «publizistisch die richtigen Akzente zu setzen».

Am Mittwoch wurden in St.Gallen und Luzern vorab die Redaktionen angehört. Auch Hollenstein war vor Ort. Ein definitiver Entscheid über seine Position soll laut Mitteilung erst danach gefällt werden.

Pascal Hollenstein soll neuer Chefredaktor von «Tagblatt» und «NLZ» werden. (Bild: NZZ)

Pascal Hollenstein soll neuer Chefredaktor von «Tagblatt» und «NLZ» werden. (Bild: NZZ)

Wird Hollenstein eingesetzt – dagegen dürften die Redaktionen nichts auszurichten haben –, wird er sich laut Mitteilung in einer ersten Phase um die Leitung der überregionalen Ressorts und Projekte kümmern. Unter anderem werden «Tagblatt» und «Neue Luzerner Zeitung» sowie deren Regionalzeitungen ein einheitliches Layout erhalten.

Die beiden Zeitungen werden jeweils neue, regionale Chefredaktoren erhalten, die Hollenstein unterstellt sind. Dieser wird die schwierige Aufgabe haben, den Spagat zwischen zwei verschiedenen Regionen und Redaktionskulturen zu bewältigen.

Unsicherheit in der Redaktion

Bei der Anhörung in St.Gallen stellte sich Hollenstein dem «Tagblatt»-Team vor, wobei er laut Anwesenden seine Ostschweizer Wurzeln betonte. Die Stimmung in der Redaktion sei nach dem überraschenden Entscheid aus Zürich von «Unsicherheit und auch Unverständnis» geprägt, sagen «Tagblatt»-Mitarbeiter. Viele hätten Angst, dass durch die weiter geplanten Synergien zwischen den beiden Regionalzeitungen Stellen gefährdet sind.

Landmark erfuhr vom anstehenden Systemwechsel wie seine Untergebenen am Freitag aus der Online-Ausgabe des «Tages-Anzeigers». Der Posten des regionalen St.Galler  Chefredaktors wurde ihm zwar angeboten, er habe diesen jedoch abgelehnt, sagt Landmark auf Anfrage von Saiten. «Einerseits ist mein Vertrauen zur Führung in Zürich geschwächt, weil ich in die ganzen Überlegungen nie einbezogen wurde.» Andererseits sei er vom neuen Modell, bei dem er deutlich weniger Einfluss gehabt hätte, nicht überzeugt. Landmark: «Ich glaube, dass eine Ostschweizer Regionalzeitung einen letztlich verantwortlichen Chef vor Ort braucht.»

Sinkende Auflagen und ein Sorgenkind

Landmark blickt auf fast sieben Jahre als Chefredaktor zurück, die von Umbrüchen geprägt waren: Die «Thurgauer Zeitung» sowie verschiedene Lokalzeitungen wurden in den «Tagblatt»-Verbund integriert. Gleichzeitig kämpfte das «Tagblatt» wie alle Bezahlzeitungen in der Schweiz mit stetig sinkenden Auflagen. Auch die 2013 mit grossen Ambitionen lancierte «Ostschweiz am Sonntag» war von Anfang an ein Sorgenkind: Ein Jahr nach dem Start verliessen mehrere prominente Köpfe das Blatt im Streit, die Auflage hat sich 2015 auf knapp 54’000 auf tiefem Niveau eingependelt; dies im krassen Gegensatz zu den 122’000 der «Tagblatt»-Gesamtauflage.

Landmark sagt dazu, dass man die starke Sättigung des Sonntagszeitungen-Marktes unterschätzt habe – 2013, vor der Lancierung der «Ostschweiz am Sonntag», hatten 52 Prozent der Haushalte bereits einen Sonntagstitel abonniert. Die Ostschweizer Sonntagszeitung habe man wohl auch zu spät lanciert.

«Alles in allem lasse ich aber ein gutes und funktionierendes Team in der Tagblatt-Redaktion zurück», sagt Landmark. Den Chefposten wird er noch bis Anfang April bekleiden und danach «bei Bedarf» noch als Autor zur Verfügung stehen. Landmark hat gestern aber klar kommuniziert, das er das Unternehmen in absehbarer Zeit verlassen wird.

Jetzt mitreden: 4 Kommentare
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Marcel Baur,  

Vielleicht ist es ja nur Zufall, vielleicht aber auch schon eine Tendenz.
Innerhalb weniger Tagen bringt die NZZ 2 stadtspezifische Artikel. Einen zur Güterbahnhofabstimmung und heute einen über unseren neuen Födlebürger und ander wichtige St. Galler. Wobei der Kommentar (darum handelt es sich) mit "Die Ostschweiz im Abseits übertitelt wurde.
Wer weiss, vielleicht bekommt die NZZ bald eine Regionalausgabe Ostschweiz und das Tagblatt verschwindet. Wundern würde es mich nicht, evtl. würde es sogar Sinn machen.

Richard Clavadetscher,  

@ Fredi Freistoss. Kommen Sie doch mal hinter Ihrem Pseudonym hervor, Fredi Freistoss! Man möchte doch gerne sehen, welcher in St. Gallen weltberühmte Mensch solch dummdreiste Sprüche absondert.

Fredi Freistoss,  

Das ist also wirklich eine Tragödie. Wer wird denn in Zukunft noch den aktuellen Heizölpreis abdrucken, wenn Landmark weg ist?

Jürg Diggelmann,  

Als St. Galler lässt es mich eigentlich kühl, dass der neue "Super-Chefredaktor" im Thurgau aufgewachsen ist. Ich bin froh, dass mir das nicht passiert ist.

Es wird Zeit, dass der "Tagi" eine Ostschweizer Regionalausgabe lanciert, damit etwas mehr Konkurrenz herrscht. Früher, als wir in der Stadt St. Gallen mit "Tagblatt" und "Ostschweiz" immerhin noch zwei Tageszeitungen kannten (und noch früher mit der "Ostschweizer AZ" sogar drei!), hatte ich den Eindruck, dass die Redaktionen ihren Leserinnen und Lesern etwas bieten wollten. Heute gibt es nur noch Sparprogramme und, damit verbunden, stetig sinkende journalistische Qualität.

Mit der "Ostschweiz am Sonntag" hat das "Tagblatt" lediglich die Abo-Preise hochgedrückt. Darin finden sich jeweils zwei oder drei halbwegs interessante Artikel, die man aber eigentlich bereits unter der Woche hätte erwarten dürfen. Der Rest ist - neben Unfällen, Sport und anderen Verbrechen - der übliche Lifestyle-Mist, den man schon aus andern Sonntagsblättern kennt. Ein Verzicht auf die Sonntagsausgabe bringt auch nichts, da sich der Preis für das Abo bloss um lächerliche 14 Franken im Jahr reduziert. Der Vorteil liegt also praktisch nur in der Verminderung des Altpapiers.

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