Hanspeter Guggenbühl, 23. Januar 2018 um 22:58 Uhr Wenn Stefan Schmid von einer "Partnerschaft auf Augenhöhe spricht", muss ich lachen. Und wenn "Saiten" diese Aussage mit der unjournalistischen Floskel "ist überzeugt" verstärkt, folgt sie einer schlechten Angewohnheit vieler Medienschaffenden (was einer sagt, kann man zitieren, aber niemand kann wissen, ob einer glaubt, was er sagt, geschweige denn, ob er überzeugt davon ist oder sich bloss überzeugt gibt). Klammer geschlossen. Der intelligente Inlandredaktor Stefan Schmid wechselte einst vom St. Galler Tagblatt zur Aargauer AZ, weil er merkte, dass das St. Galler Tagblatt im nationalen Medienkonzert kaum gehört wird, wie er mir - mit andern Worten - mal erzählte, und weil er merkte, dass er als Chef der vereinigten Bundeshaus-Redaktion Aargauer AZ/Südostschweiz mehr Einfluss gewinnt. Nach St. Gallen kehrte er dann zurück, weil ein Aufstieg winkte - zur Nummer 2 unter Pascal Hollenstein. Jetzt aber droht ihm neuer Bedeutungsverlust, weil er unter Regie von Peter Wanners AZ fällt. Aber eben, wie Saiten schreibt: Schmid "ist überzeugt" von einer künftigen "Partnerschaft auf Augenhöhe". Mal sehen. Denn auch auf "Augenhöhe" kann einer den klaren Blick vernebeln.
Pia Ammann, 9. Dezember 2017 um 17:51 Uhr Herren Zuberbühler und Linsmeyer. Selbstverständlich ist auch hier die Frauenfrage relevant. Oder sind wir Frauen nicht Teil der Demokratie, deren Verlust sie hier bedauern? Ich frag mich eher, wie Herr Schmid vom Tagblatt alleine dafür sorgen will, dass die Ostschweiz weiterhin gut vertreten sein wird? Letzte Hoffnung: Weko!
Paul Zuberbühler, 8. Dezember 2017 um 16:08 Uhr Lieber Peter Surber, Ich finde zwar die "Frauenfrage" auch wichtig und einer Erläuterung wert - noch viel gravierender ist m.E. jedoch der drohende Demokratieverlust durch die Konzentration im Zeitungsbusiness. In diesem Sinne teile ich Ch. Linsmayers Befürchtungen eines interregionalen Einheitsbreis und kann nur hoffen, dass nicht in noch weiterer Boulevardisierung eine finanziell tragbare Lösung für die sog "Qualitätspresse" gesucht werden wird. Gott sei Dank gibt es als Alternative immer noch "Saiten"!
Charles Linsmayer, 8. Dezember 2017 um 13:06 Uhr Lieber Peter Surber, wie kannst Du bloss die Frauenfrage aufwerfen, wo es doch um einen absoluten irreversiblen Kahlschlag der ganzen deutschschweizerischen Presselandschaft im Sinne einer Entpersönlichung und Entregionalisierung geht! Bis vor ein paar Tagen konnte man davon ausgehen, dass dem Tamedia-Horror-Szenario mit einer zentralen Textfabrik und lauter Kopfblättern von Bern bis Zürich und Winterthur noch eine mässig personalisierte, d.h. von in den Regionen selbst lebenden, dem Publikum bekannten und geschätzten Journalisten verantwortete, auf eine Region fokussierte und unter den Bedingungen dieser Region und nach den Gebräuchen und Traditionen ebendieser funktionierende vielfältige Presselandschaft gegenüberstehe. Die NZZ, die zwar unter der Hand ebenfalls bereits Kooperationen erzwungen hatte, die beispielsweise einer schweren Kompromittierung des Bereichs Literaturkritik gleichkamen, erschien nach wie vor als der Garant einer Aufrechterhaltung dieser Pressevielfalt, die ein hohes Gut ist und dessen Wert man erst erkennen wird, wenn sie nicht mehr da ist. Jetzt aber, durch diesen Zusammenschluss von 80 Titeln in einem Konglomerat, das keineswegs nur Werbung und Layout, sondern ganz klar die Inhalte der Zeitungen bestimmen und koordinieren und damit entschärfen und generalisieren wird, muss der Glaube an ein Weiterbestehen der vielfältigen Presselandschaft Schweiz endgültig begraben werden. Das, was heute in der Presse steht, ist für alle, die an die Demokratie und die Eigenart und die Unverwechselbarkeit der Schweiz und ihrer Demokratie glauben, eine Hiobsbotschaft, wie sie schlimmer nicht sein könnte und an deren Konsequenzen noch Generationen zu leiden haben werden.