Es ist kalt oben im Turm, und es ist laut: Der Halbstundenschlag an diesem Dienstagmittag lässt Turm und Medienleute erzittern, und Karl Schimke, als Tubaspieler im St.Galler Sinfonieorchester an organisierten Lärm gewöhnt, hält sich die Ohren zu:
Was man sonst noch lernt in schwindelnder Höhe, oben im Glockenturm von St.Laurenzen – zum Beispiel dies: Die grösste der fünf Laurenzenglocken wiegt rund fünf Tonnen, ihr Klöppel allein ist über 200 Kilo schwer. Für die Stundenschläge ist ein Vorschlaghammer zuständig, der seitlich auf die Glocke fällt; für das Läuten hingegen der Klöppel. Moderne Läutwerke sind computergesteuert – aber ein einzelner Schlag lässt sich nicht programmieren.
Und das bedeutet für das Projekt, das Schimke vorstellt, eine doppelte Arbeit: minutiöse Programmierung und manuelle Bedienung. Rund 50 Freiwillige werden am 21. August dieses Jahres in den Türmen der St.Galler Kirchen auf ihren Einsatz warten und die Klöppel und Hämmer «ihrer» Glocken zum Klingen bringen, zum Teil mit ausgeklügelten Mechanismen. Bereits hätten sich Glockenfreunde zum Beispiel aus Belgien als Freiwillige gemeldet, erzählt die Medienfrau des Projekts, Ann Katrin Cooper – offensichtlich existiert eine blendend vernetzte Glocken-Community.
Im Zentrum des «Zusammenklangs» steht eine Komposition der in St.Gallen lebenden russischen Musikerin Natalija Marchenkova Frei. Für die Programmierung der 118 Glocken ist Bernd Jansen von Namics zuständig, für das fachgerechte Handling die Glockenfirma Muff aus Sursee. Vertrackt daran: Die Kirchen liegen bis zu 16 Kilometer auseinander; der Schall legt entsprechend lange Wege zurück und wird dabei beeinflusst vom Wetter, von Luftfeuchtigkeit und Temperatur, aber auch von der Reaktionsschnelligkeit der Leute, die die Glocken betätigen. Damit die Komposition so erklingt, wie sie soll, muss entsprechend viel zusammenpassen. Wer den «Zusammenklang» im Zusammenhang hören will, plaziert sich am 21. August um 14.35 Uhr am besten oben auf Drei Weieren.
Bei aller Technik geht es den Initianten aber um mehr. Ein solcher Zusammenklang aller Glocken einer Stadt sei weltweit einzigartig und verstehe sich als Werk der Spiritualität und der Ökumene über alle konfessionellen Grenzen hinweg. Und: St.Gallen habe «so viele versteckte Schönheiten und Jahrhunderte alte Kulturgüter – die wollen wir ins Bewusstsein rufen und hörbar machen», sagt Schimke.
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