, 30. Juni 2012
keine Kommentare

Openair St.Gallen # 2: Einer für sich, und 18’000 andere

Ein Openair-Festival kann hart sein für Künstler. Sie sind sich bewusst, dass ihre Fans meistens in der Unterzahl sind, es wird nicht nur auf die Musik gehört – die Band muss gleichermassen unterhalten wie der Rest des Festivals. Eine böse Zunge behauptete gestern sogar, das Sittertobel sei der Times Square der Ostschweiz, wo nebenher noch […]

Ein Openair-Festival kann hart sein für Künstler. Sie sind sich bewusst, dass ihre Fans meistens in der Unterzahl sind, es wird nicht nur auf die Musik gehört – die Band muss gleichermassen unterhalten wie der Rest des Festivals. Eine böse Zunge behauptete gestern sogar, das Sittertobel sei der Times Square der Ostschweiz, wo nebenher noch Bands auftreten.

Dies lassen wir mal so stehen. Wo man aber tiefer gehen kann, sind die Fragen, die gestern Nacht nebenan im Shuttlebus von einem jungen Paar besprochen wurden. Achtung: Es geht um Paul Kalkbrenner:

Sie: «Du, ist schon krass, der, so alleine, und da 18’000 Leute.»
Er: «Ja, und dann macht er nicht viel mehr, als die paar Regler drehen.»
Sie: «Was denkt sich der wohl, wenn er dieses Publikum sieht?»

Selbstverständlich, Paul Kalkbrenner hat eines Tages die richtige Treppe erwischt, nämlich die, die nach ganz weit oben führt. Mit seinem Film «Berlin Calling» verbreitete sich seine Musik und das Bild um seine Person noch weiter. Chartsplatzierungen folgten. Das Plätzchen, das früher vor allem Rockbands mit dem entsprechenden Image erlangen konnten, wird frühestens seit Daft Punk und spätestens seit Justice immer wieder auch für DJs freigegeben.

Ein Problem gibt’s dabei aber, und das bemerkten viele am gestrigen Auftritt: Kalkbrenner hatte ungefähr eineinhalb Stunden Zeit. Im Gegensatz zu einer Clubnacht, die eben eine Nacht lang dauert, ist das wenig und zudem die typische Rock-Konzert-Dauer. Entsprechend war auch sein Set getunt: Weniger Liebe, die versprüht wurde, dafür mehr harte Beats und Breaks, manchmal auch etwas minimalistisch, was allerdings im Kontext eines Riesenfestivals leider schnell als monoton interpretiert wird.

Clubliebhaber taten sich teilweise schwer damit, auf Erde und Sand bewegt es sich nicht so gut wie auf Parkett, aber irgendwie meisterte es der Leipziger gut. 18’000 Leute bringt man nicht einfach so auf einen Haufen, auch wenn man das Schlusslicht des Tagesprogramms auf der grossen Bühne ist. Und wenn sie dann noch alle tanzen (auch vor und nach seinen Hits «Sky & Sand» und «Aaron») und auf jede seiner Handbewegung reagieren, kann man das gut finden, oder schlecht, oder beeindruckend, oder beängstigend. Wie auch immer, die interessanteste Frage bleibt unbeantwortet: «Was denkt sich der wohl, wenn er dieses Publikum sieht?»

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Impressum

Herausgeber:

 

Verein Saiten
Frongartenstrasse 9
Postfach 556
9004 St. Gallen

 

Telefon: +41 71 222 30 66

 

Redaktion

Corinne Riedener, Peter Surber, Roman Hertler

redaktion@saiten.ch

 

Verlag/Anzeigen

Marc Jenny, Philip Stuber

verlag@saiten.ch

 

Anzeigentarife

siehe Mediadaten

 

Sekretariat

Irene Brodbeck

sekretariat@saiten.ch

 

Kalender

Michael Felix Grieder

kalender@saiten.ch

 

Gestaltung

Samuel Bänziger, Larissa Kasper, Rosario Florio
grafik@saiten.ch

Saiten unterstützen

 

Saiten steht seit über 25 Jahren für kritischen und unabhängigen Journalismus – unterstütze uns dabei.

 

Spenden auf das Postkonto IBAN:

CH87 0900 0000 9016 8856 1

 

Herzlichen Dank!