Die Kernthemen des ursprünglichen Ausstellungs-Konzepts waren das Leben der vorwiegend den Lovara-Pferdehändlern zugehörigen Roma im Burgenland vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er-Jahre, die Ermordung von 70 bis 90 Prozent der österreichischen Roma durch die Nationalsozialisten und die burgenländische Roma-Community der Nachkriegsjahre mit international bekannten Gipsy-Musikern.
Ein weiteres Thema sind jene als Arbeitsmigranten aus Jugoslawien nach Österreich gekommenen Roma, die sofort «unsichtbar» geworden sind, weil sie nicht als «Zigeuner» erkannt werden wollten und sich sofort integriert haben. Ihre genaue Zahl kennt man nicht, es waren aber nicht wenige.
Umso auffälliger sind die viel kleineren Gruppen traditionell gekleideter rumänischer Roma, deren Anwesenheit in Vorarlberg zu juristisch umstrittenen Bettelverboten geführt hat – unter anderem auf dem Wochenmarkt auf dem Platz vor dem Museum. Vier dieser Frauen erzählen in Videos, warum sie in Vorarlberg bleiben wollen und werden.
Aber auch eine Frage wie die, ob der Name der Lustenauer Faschingszunft «Rhinzigünar» («RheinZigeuner») mehr als ein Scherz ist, wird – allerdings eher vage – beantwortet, und auch die in der Schweiz (nicht aber in Österreich) als Minderheit anerkannten Jenischen werden berücksichtigt.
Romane Thana: bis 8. Oktober, Vorarlberg Museum Bregenz vorarlbergmuseum.at
Zur Ausstellung kommen Konzerte, Filme und Vorträge hinzu, deren Themen und Termine man auf der Museumswebseite findet. Bereits im Vorfeld der Ausstellung machte sich der in Speicher AR lebende Sozialforscher Mark Riklin in Vorarlberg auf den Weg, dem Thema «Vorurteile» auf die Spur zu kommen und der Bevölkerung mit Seismo, einer «PulsmessStation für gesellschaftliche Fragen», den Puls zu fühlen. Vorurteile sollten nicht auf Roma und Sinti reduziert, sondern als gesellschaftliches Phänomen untersucht werden. Die Ergebnisse sind auf dem SeismoBlog des Museums nachzulesen.
Besonders hingewiesen sei zudem auf das Dotschy Rheinhardt Quintet am 5. Oktober, auf den Film Brüder der Nacht (Regie: Patric Chiha) am 6. September und auf den Vortrag von Norbert MappesNiedick am 19. September, der denselben Titel trägt wie sein ausgezeichnetes Buch: Arme Roma, böse Zigeuner.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
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