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Paare, Katastrophen

Beziehungsdrama mit viel Witz: Das bietet das Theater St.Gallen zum Spielzeitstart mit Moritz Rinkes Komödie «Wir lieben und wissen nichts» in der Lokremise.
Von  Peter Surber , 

Sebastian schwärmt von den Adamiten, Roman versteht Dolomiten: Das gehört zu den billigeren Pointen im rasanten verbalen Schlagabtausch, den das Stück bietet. Kurze Irritation inklusive – ist der vor zwei Jahren uraufgeführte Text des deutschen Autors st.gallisch aktualisiert worden, fragt man sich, als Sebastian in die Runde wirft: Ihr wisst, was «kks» bedeutet? Einige Lacher im Publikum, kurz darauf wird klar: Nicht von «kks», der St.Galler Ständerätin war die Rede, sondern von «kkf». «Kniekehlenfick», triumphiert Oliver Losehand, das ist nicht wahnsinnig lustig, aber es passt zu seiner Figur des abverheiten Kulturhistorikers Sebastian, der die Fäden in dem Stück so zieht, dass es einem zugleich lachend und elend zumute ist.

Das ist die Qualität dieses Stücks: Es stellt ernste Fragen an den Zustand unserer Paarbeziehungen und unserer aus den Fugen geratenen Welt – aber auf eine lockere, komödiantische Art, so dass man am Ende des Abends nicht gleich zur Scheidungsanwältin rennt, sondern sich gut amüsiert hat und einen Rest Nachdenklichkeit mit nach Hause nimmt.

Knatsch im «Bewusstseinszimmer»

Schauspiel "Sie Wissen und Sie Lieben Nichts" nach Moritz Rinke

Kalhammer-Löw, Wiedemer, Dengler und Losehand (von hinten). Bilder: Tine Edel

Die Konstellation ist denkbar einfach: Hannah und Sebastian wollen Wohnung tauschen mit Roman und Magdalena. Beziehungsweise: Hannah will, Sebastian will auf keinen Fall. Vier Personen, zwei Paare, vier ziemlich überzeichnete Gegenwartstypen, zwei unglückliche Ehen – die Katastrophe zeichnet sich von den ersten Sätzen an ab. Hannah, überorganisierte Zen-Lehrerin für gestresste Banker, passt wie die Faust aufs Auge zu Sebastian. Dieser, Büchernarr und Fortschrittshasser, will weder aus seiner Bibliothek (seinem «Bewusstseinszimmer») heraus noch in Zürich das von Hannah minutiös eingeplante Kind zeugen.

Dafür funkt es auf Anhieb mit Tiertherapeutin Magdalena, die mit ihm ein inniges Flair für «russische Melancholie» (und Alkohol) teilt. Hannah blüht ihrerseits mit Roman auf, dem rasenden Informatiker, der an einem revolutionären Satellitenprojekt beteiligt ist – dabei aber selber beruflich auf der Abschussliste steht.

Reichlich Klischees demnach, aber auch dankbares Material für Regisseur Roland Koch und sein versiertes Schauspieler-Quartett. Diana Dengler verleiht ihrer Figur dabei am meisten Doppelbödigkeit. Und hat grosse Szenen, wenn sie den hinkenden Gang der Stute von Starreiter Schockemöhle imitiert oder die Revolution gegen die Kältetherapie ausruft. Showtime auch für Tim Kalhammer-Löw am sternenübersäten Nachthimmel: Alle Welt soll verbunden und vernetzt werden dank seiner ingeniösen Erfindung – aber mit der eigenen Gemahlin connected es ebensowenig wie mit Hannah, als diese ihm an den Hosenladen geht. Eine Schau- und Hörlust sind Oliver Losehands Wutausbrüche und wortreichen Theorien zur «hochherzigen» Befriedung der Menschheit mittels Kopulation. Etwas blutleer wirkt dagegen Monika Wiedemer in der (allerdings undankbaren) Rolle der makel- und humorlosen Hannah.

Kritik am «Projekt Liebe»

Schauspiel "Sie Wissen und Sie Lieben Nichts" nach Moritz Rinke

Showdown im Ehekrieg: Tim Kalhammer-Löw mit Knarre.

Was nimmt man also mit aus diesem Stück? An diesem Mittwoch, bei der dritten Vorstellung, sassen gestandene Paare neben Jugendlichen im halbvollen Saal – mit vermutlich ganz unterschiedlichem Fazit.

Im Programmheft wird der Autor mit dem klugen Satz zitiert, «dass wir heute lieben und gleichzeitig eine Erosion des anderen vornehmen». Jeder seine eigene Ich-AG, in der die Liebe nur noch als Projekt, aber nicht als «Drama und Gefährdung» vorkommen darf: Diese Zeitdiagnose leben die ebenso liebesbedürftigen wie -behinderten Gestalten in der Lokremise vor, auf einer Bühne (von Hugo Gretler), die sinnigerweise halb Laufsteg und halb Rundgefängnis ist.

Eine der gewichtigeren Fragen im leichtgewichtigen Stück heisst: «Kann man zusammenbleiben, wenn man sich die Wahrheit sagt?» Die Antwort fällt desillusionierend aus: Ob gesagt oder verschwiegen – wo die Liebes-Wahrheit so trist ist, gibt es kein Zusammenbleiben. Was die vier Ritter von der traurigen Gestalt am Ende dann auch mit einem Knalleffekt in die Tat umsetzen.

Lokremise St.Gallen, weitere Vorstellungen bis 27. September. theatersg.ch

Kunstausstellung

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Cecileund Pina300dpi

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Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

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Zumthor plant in Wildhaus

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Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

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Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

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In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz