Palace St.Gallen ist Poesie, ein Gericht, eine Liebe für sich. Der beste Konzertsaal. Da fühlt man sich wohl, da ist man zuhause.
Donnerstag um zehnuhrdreissig, der Damian nimmt das Telefon nicht ab. Schade, hätte grad gerne mit ihm in einen Kaffee geschaut und über alles Mögliche getratscht. Beides gehört zu meinen leidenschaftlichen und regelmässigen Beschäftigungen. Lästern übers Geschäft und schwärmen über dessen Musik, die uns gefällt. Wir wollen ja hier keine Geheimnisse verraten, aber wir mögen uns. Damian und ich, das Palace und das Bad Bonn. Wir mögen auch unsere Arbeit, unsere gemeinsamen Entdeckungen und den geteilten Schaden. Wir klauen von der Konkurrenz nur die Ideen, die wir gut finden – und geben uns gegenseitig den Segen. Das Palace ist ein wunderbarer Ort. Da fühlt man sich wohl, und daran sind etliche schuld. All denen, die ich kenne und ebenso den anderen, gratuliere ich ganz herzlich und banal zum zehnjährigen Geburtstag des Palace. Zu dem, was sie da geschafft haben! Es ist mehr als ein Saal.
Ich erinnere mich noch genau, oder doch nur schemenhaft. Es war ein nebelgrauer Tag, so wie ich es mag, genau so wie heute, in einem Plattenladen in Zürich (weiter kam ich nicht), mit einem Flyer in der Hand, den ich nicht auf Anhieb verstand. Ist das die Eröffnung eines neuen verrückten Hotels in der Ostschweiz? Eine Galerie oder doch ein Club? Da stand was von Hütten und unerfreulicher Universität. Es ging ums Palace. Eine grossartige Geschichte ging an den Start, mit einer handverlesenen, qualitativ hochstehenden Programmation, unberechenbar, überraschend, genial, auch mal vom anderen Ende der Musik aus gesehen.
Das Palace brachte St.Gallen wieder intensiv ins Gespräch der Musikfans aus der ganzen Schweiz. Was auf der Bühne gezeigt wird, ist aber nur ein Teil des Prozesses in diesem Haus. Das Palace ist ein Arbeitsort, ein Haus der Begegnungen, für Grafiker_ Innen, Künstler_Innen, für Leute aus dem technischen Bereich des Milieus oder einfach Interessierte und freiwillig Aushelfende und engagierte Menschen. Es ist ein Ort, wo Meinungen gebildet werden, wo man sich vernetzt.
Im Palace spielen die besten Bands fernab des Mainstreams vor ihrem Durchbruch für ein paar Euros. Schon ein paar Monate nach den Shows im Palace zählten in letzter Zeit einige davon zu den Grossen. Vor drei Jahren die Sleaford Mods oder die Fat White Family, früher Caribou, The XX, Mac DeMarco oder Grizzly Bear. Früherkennung konnte man immer erkennen. Da werden nie einfach Bands gebucht, einfach so, da wird was überlegt.
Das Palace ist aber nicht nur ein Konzertsaal, sondern ein wichtiger kultureller Ort, wie zum Beispiel fünf Jahre als Gastgeber der Rap History – eine grosse und ernst gemeinte Serie über Hip Hop und Rap. Eine sehr bedeutende, internationale und lehrreiche Geschichte.
Da gab es auch für mich persönlich ein paar ganz besondere Momente, wo ich im Palace auf Besuch war und gerne die Pausentaste gedrückt hätte. Die legendären und teilweise nicht leicht verdaulichen Auftritte von Television Personalities oder Daniel Johnston und den magischen Abend mit Bill Callahan beispielsweise hätte ich nirgendwo anders erleben wollen.
Gastrecht 4 – Der Helsinki Klub lädt ein: 28. Januar, 21 Uhr. Mit Big Zis (ZH), Saalschutz (ZH), Jacques Palminger (DE), Knarf Rellöm mit DJ Patex & Viktor Marek (DE), DJ Chiri Moya (ZH). Infos: palace.sg
Es hat wirklich schon oft Spass gemacht, mit dem Palace im Kopf an Zürich vorbeizufahren. Wir hatten schon zweimal das Glück, gemeinsam mit der grossartigen Palace-Equipe in Form einer Kilbi an die Grenzen zu gehen. Mann und Frau, da haben wir uns geil verirrt und amüsiert. Mit gemeinsam ausgewähltem Musikprogramm, guten Launen aus der ganzen Schweiz, fröhlichem Publikum und überraschendem Essen. Es gab spannende Duelle von kartoffelschnapshaltigen Witzen, alpenbitteren Philosophien und attraktiven Tanzmoves bis früh am Morgen.
CePalaCePalaCe. A sa place, direkt neben der grossen Kulturkreuzung auf dem Weg nach Österreich. Ein Ort von Relevanz und mit Haltung. Ich hoffe, wir und ihr alle und die Jugend der nächsten Generationen gehen da noch lange feiern mit Faganten, Tanten und Freaks. Culture est bien pour la santé. Der Ort bedeutet mir sehr viel.
Noch was anderes. Der Mantel, den du trägst, hat mit Kunst im Fall nichts zu tun, und es ist auch keine Kunst, den Palast zu betreten. Es ist wie im Wald spazieren, entdecken und staunen, nichts verstehen, nichts verlieren, nur was geniessen, vielleicht etwas finden. Und er gibt warm.
Ich wünsche dir noch viele Jahre, Palace. Smell you later, der Rest ist Wurst. Guten Schaden miteinander. Und BRAVO!
Si tout est moll, adore mio. Da gehn wir dur. Palace à Saint Fall. Est un toujours.
Daniel Fontana, 1966, ist künstlerischer Leiter des Bad Bonn und des Kilbi Festivals in Düdingen.Dieser Beitrag erschien im Januarheft von Saiten.
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Kunstausstellung