, 6. April 2018
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Parkieren und Velokurieren

Die Reanimation der Gallus-City zeigt erste Ergebnisse, am Forum «Zukunft St.Galler Innenstadt» wurde am Mittwoch im Einstein über den Stand des ambitiösen Projektes informiert. Dabei standen drei der insgesamt zehn Massnahmenfelder im Fokus.

August 2015: Über 150 Velokuriere aus aller Welt kämpften in den Gassen der Altstadt um den Titel des Schweizer Meisters.

Nach dem Übergang von der einjährigen Analyse- in die Konzeptionsphase des Projektes haben sich die Massnahmenfelder «Parkierungssituation», «Touristische Aktivitäten und Angebote» und «Zwischennutzungen» als zentrale Anliegen herausgestellt.

Es hätten intensive Konzeptarbeiten und viele Gespräche, auch mit externen Fachleuten, stattgefunden, sagt Isabel Schorer, Leiterin der Standortförderung. St.Gallen sei die erste Stadt in der Schweiz, die sich für den strukturellen Wandel ihrer City auf diesen Weg gemacht habe, ergänzt Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Viel Arbeit sei in die einzelnen Massnahmenfelder investiert worden. Nun könne man mit guten Gefühlen das «Work in progress» präsentieren.

Parkieren für pragmatischen Warenumschlag

Die Parkplatzsituation in der Innenstadt wird im entsprechenden Massnahmenfeld unter verschiedenen Gesichtspunkten angegangen: Warenumschlag, Handwerkerparkplätze, Lieferung an Endkunden und Parkiergebühren lauten die Stichworte dazu. Ziel: ein pragmatischer Warenumschlag in der Altstadt und eine neu einzuführende Cateringbewilligung für maximal 60 Minuten. Während der geltenden Sperrzonen soll in Ausnahmefällen die Zufahrt weiterhin erlaubt bleiben.

Die Arbeitsgruppe schlägt vor, verschiedene Orte rund um die Innenstadt als Warenumschlagszonen mit etwa 25 Parkplätzen einzurichten, die maximal 30 Minuten belegt werden können.

Künftig sollen auch den in der Innenstadt arbeitenden Handwerkern entsprechende Parkierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dazu schlägt die Arbeitsgruppe die Einrichtung von rund 58 Parkplätzen vor, die mit einer Handwerkerbewilligung benützt werden können.

Für Einkaufende in der Innenstadt, die in diesem Massnahmenfeld als «Endkunden» fungieren, sind die Wege vom Einkaufsort zum Fahrzeug oder nach Hause manchmal mühsam. Um es bequemer zu haben, sollen sie auf die Dienste von Velokurieren zurückgreifen können. Die Spediteure auf dem Drahtesel strampeln mit zwei bis 20 Kilogramm schweren Einkaufstaschen zum gewünschten Ort, für Übergewicht wird wie bei einer Airline ein Aufpreis bezahlt. Die Stiftung Förderraum und «Die Fliege», der St.Galler Velokurier, wollen diese Diensleistung übernehmen. Noch offen ist die Finanzierung.

Bonussystem für Parkiergebühren

Motorisierte Shoppende in der Innenstadt sollen künftig über ein stadtweites digitales Bonussystem ihre Parkiergebühren auf einer Boncard gutschreiben lassen können. Damit sichern sie sich Gutschriften für ihre nächsten Einkäufe in der St. Galler City.

Die Arbeitsgruppe mit dem Massnahmenfeld «Touristische Aktivitäten und Angebote» befasst sich mit zwei Teilprojekten. Beim einen geht es um die Digitalisierung des Stadtplans. Die bestehende Map soll weiterentwickelt und die Parameter inhaltlich aufgewertet werden. Ausgangspunkt ist eine interaktive Stadtplan-Variante, die beispielsweise für Apps Anwendungen adaptierbar ist. Noch steckt die Arbeitsgruppe mitten in der Konzeptphase. An die Umsetzung soll es im Dezember gehen.

Das andere Teilprojekt nennt sich «Visit». Ausgangslage ist hier eine zentrale Informations- und Buchungsplattform. Wer eine Reise nach St.Gallen tut, soll auf dem Cyberweg aus erster Hand die nötigen Informationen über seine Destination erhalten. Entlang des Kundenkontaktes ergibt sich dann die Individualisierung der Reiseplanung. Noch sind aber die Recherchen für das ambitiöse Projekt nicht abgeschlossen, man steckt auch hier mitten in der Konzeptphase. Die Umsetzung ist für Juni 2019 angesagt.

Zwischennutzung für Leerstände

Ein Massnahmenfeld für eine triste Seite der St. Galler Innenstadt: Fehlende Atmosphäre, wenig Einkaufsmotivation und ergebnislose Suche nach Attraktivität und diversifiziertem Angebot. Wachstum allenthalben bei leerstehenden Ladenflächen und verklebten Schaufenstern. Und kaum ein Anbieter mit Stadt-St.Galler-Identifikation.

Die Arbeitsgruppe hat sich ambitioniert die Zwischennutzung der leerstehenden Gewerberäume zum Ziel gesetzt. Dabei geht es um kulturelle Nutzungen als Belebung der Innenstadt, aber auch um Startups als Chance für junge Unternehmerinnen und Unternehmer sowie um Pop-Up-Shops – Showrooms für mehr oder weniger bekannte Brands. Gesucht sind lokale Anbieter, die eine hohe Indentifikation mit der Stadt schaffen. Der Projektperimeter umfasst die St.Leonhardskirche bis um Platztor und die Rosenbergstrasse bis zur südlichen Altstadt und dem Gallusplatz.

Eine Bedürfnis-Umfrage bei Immobilien-Besitzern und Verwaltungen durch die Standortförderung stiess auf mässigen Rücklauf. Gefragt wurde nach leerstehendem Gewerberaum, der Bereitschaft für Zwischennutzungen, Mietzinsvorstellungen, dem Interesse für die Nutzung kostenpflichtiger Matching-Plattformen und nach dem Intresse an Innosuisse-Projekten. 230 Fragebogen wurden versandt, 106 kamen zurück.

Die Auswertung ergab, dass bei 13 Prozent der Innenstadt-Liegenschaften Leerstände im gewerblichen Bereich vorhanden sind. 11 Prozent der Liegenschaften-Eigentümer wären bereit, aktuell die leerstehenden Räume für Zwischennutzungen zur Verfügung zu stellen. 44 Prozent wären in Zukunft dafür zu haben. 35 Prozent  der Befragten wären bereit, die Räume als Verkaufsfläche einer Zwischennutzung zuzuführen. 24 Prozent würden Büros akzeptieren, 13 Prozent könnten sich Ausstellungen als Zwischennutzung vorstellen und 2 Prozent würden die Gastronomie berücksichtigen. 32 Prozent der Befragten machten keine Angaben. 8 Prozent der Befragten würden ihre Räume auch unentgeltlich einer Zwischennutzung überlassen. 30 Prozent sagten dazu nein und 60 Prozent machten keine Angaben darüber.

Die Liegenschaften-Besitzer sind auch gefragt worden, ob sie die Räume einer Zwischennutzung überlassen würden, wenn sie nur einen Teil der effektiven Miete erhielten. 20 Prozent waren mit der Hälfte des Zinses einverstanden, 4 Prozent mit einem Viertel, 1 Prozent mit einem Drittel und 5 Prozent mit Dreivierteln der effektiven Miete.

Pilotprojekt stösst auf Interesse

Die Standortförderung zieht das Fazit, dass in der St.Galler Innenstadt nur wenige Flächen für eine Zwischennutzung zur Verfügung stehen. Den Immobilien-Besitzern ist zudem nur wenig über das Konzept der Zwischennutzung bekannt. Es bestehen diesbezüglich auch Unsicherheiten im Mietrecht. Pop-Up-Shops sind eine Chance, aber die Bereitschaft der Vermieter, dafür die Flächen kostengünstig zur Verfügung zu stellen, ist zwingend nötig. Ebenso nötig ist die professionelle Vermarktung von Zwischennutzungen.

Das Forum «Zukunft St. Galler Innenstadt» ist ein Pilotprojekt und stösst inzwischen auch bei anderen Städten in der Schweiz auf Interesse. Initianten sind die Stadt St.Gallen, Pro City und St.Galler Wirtschaftsverbände. In Form eines partizipativen Prozesses arbeiten seit Sommer 2016 Immobilien-Besitzer, Gewerbetreibende, Innenstadt-Bewohnerinnen und -bewohner sowie Leute aus der Stadtverwaltung und andere Interessierte an Ideen und Plänen für die Belebung und Attraktivitätssteigerung der Innenstadt.

Aufbauend auf dem ermittelten Zukunftsbild wurde der Massnahmenplan mit den zehn Massnahmenfeldern erstellt. Seit Sommer 2017 sind die Arbeitsgruppen für die einzelnen Massnahmenfelder aktiv.

Am 26. September findet das nächste Forum statt. Dabei werden weitere Umsetzungsvorschläge aus den restlichen Arbeitsgruppen des Projektes präsentiert. Die Foren sind eine Plattform für die Projekt-Teilnehmenden und dienen dem Austausch über die aktuellen Entwicklungen und Bedürfnisse der St.Galler Innenstadt sowie der Vernetzung untereinander.

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