, 21. Februar 2011
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Parkplatz-Arithmetik (der ultimative Beweis)

Elmar Jud, Verwaltungsratspräsident der Cityparking AG, sagte am 17. Februar in einem «Tagblatt»-Artikel: «Am Samstagnachmittag oder am Donnerstagabend sind unsere Parkhäuser voll ausgelastet. Aber halt nicht die ganze Zeit». Er reagierte damit auf meinen «Saiten»-Artikel, in dem die Zahlen am Donnerstag um 20.30 Uhr und am Samstag um 16.30 erhoben wurden. «Die Auslastung wurde zur […]



Elmar Jud, Verwaltungsratspräsident der Cityparking AG, sagte am 17. Februar in einem «Tagblatt»-Artikel: «Am Samstagnachmittag oder am Donnerstagabend sind unsere Parkhäuser voll ausgelastet. Aber halt nicht die ganze Zeit».

Er reagierte damit auf meinen «Saiten»-Artikel, in dem die Zahlen am Donnerstag um 20.30 Uhr und am Samstag um 16.30 erhoben wurden.

«Die Auslastung wurde zur falschen Zeit überprüft», erklärte Jud und führte aus, dass «am Donnerstag vor 19.30 Uhr und am Samstag bis ungefähr 15.30 die Parkhäuser in der Innenstadt sehr stark belegt sind».

Eigentlich hat es in der Stadt bereits genügend Parkplatzbuchhalter. Und wer sich zu viel mit den Zahlen von Abstellflächen für den motorisierten Individualverkehr beschäftigt, wird mit der Zeit kleinlich, verliert den Blick für die grossen Zusammenhänge und unterschreibt Parkplatz-Kompromisse.
Hier trotzdem, aber zum letzten Mal, und weil es halt so einfach ist: der Beweis, dass es schlicht keinen Bedarf für eine weitere Parkgarage gibt:

Das Parkleitsystem  www.pls-sg.ch meldete zu den strittigen Zeiten folgende Parkplatzzahlen im eng gefassten Stadtzentrum:

Donnerstagabend 19 Uhr:
Klosterviertel (Parkhäuser Oberer Graben, Raiffeisen, Einstein): 135 freie Parkplätze
Marktplatz (Parkhäuser Unterer Graben, Burggraben, Spisertor, Cityparking Brühltor): 386 freie Parkplätze

Hansueli Stettler, umtriebiger Kritiker der Marktplatz-Vorlage, hat die Belegung zufällig zu mehr oder weniger dem gleichen Zeitpunkt und erst noch vor Ort überprüft. Er meldet: «Am Donnerstagabend um 19.15 Parkhaus Brühltor 203 leere Parkplätze, untere Ebene fast leer, aber diesmal mitgezählt. Parkhaus Burggraben 185 leere Abstellflächen.»

Kommen wir zum Samstag, an dem die Parkhäuser angeblich voll ausgelastet sein sollen:

Sa 11.30 Uhr
Klosterviertel: 185 freie Parkplätze
Marktplatz: 249 freie Parkplätze

Sa 12 Uhr
Klosterviertel: 147 freie Parkplätze
Marktplatz: 181 freie Parkplätze

Sa 13 Uhr
Klosterviertel: 135 freie Parkplätze
Marktplatz: 326 freie Parkplätze

Sa 14 Uhr
Klosterviertel: 113 freie Parkplätze
Marktplatz: 227 freie Parkplätze

Sa 14.30
Klosterviertel: 100 freie Parkplätze
Marktplatz: 172 freie Parkplätze

Sa 15 Uhr
Klosterviertel: 92 freie Parkplätze
Marktplatz: 145 freie Parkplätze

Anschliessend hatte ich Besseres zu tun.

Fazit:
Auch zu den Zeiten der nach Jud grössten Nachfrage – Samstag vor 15.30 Uhr – hatte es in den Parkgaragen im Zentrum immer mehr als 200 freie Abstellflächen. (Die Manor-Tiefgarage nicht mal mitgerechnet)

Am Samstag 15 Uhr standen zusätzlich zu denjenigen im Klosterviertel und im Bereich Markplatz in der Stadt St.Gallen viele weitere Abstellflächen frei:
Im Parkraum Bahnhof Nord 293 Plätze
Im Parkraum Bahnhof Süd (mit der Manor-Tiefgarage) 150
Im Parkraum Ost 218.
Zusammengezählt meldete das Parkleitsystem am Samstag um 15 Uhr insgesamt 898 Parkplätze, die nicht genutzt wurden.

Sämtliche 140 Parkplätze, die gemäss dem Parkplatz-Kompromiss auf und um den Marktplatz verschwinden sollen, könnten aufgehoben werden, ohne dass es zu einem Engpass kommen würde. Schliesslich ist die Tiefgarage unter der Fachhochschule mit weiteren 266 öffentlichen Parkplätze bereits in Bau.

Es scheint, dass mit dem Ausbau der Brühltor-Parkgarage und dem Neubau der Tiefgarage unter dem Manor der Bedarf auch zu Spitzenzeiten bereits mehr als gedeckt ist.

In der Tiefgarage unter dem Marktplatz sollen 290 Parkplätze angeboten werden, 140 davon sind öffentlich. Entscheidend für die Rentabilität sind die 150 Plätze, die die Investoren dauervermieten wollen. Sie sind für Berufspendler gedacht, die aus Teufen, Andwil oder Mörschwil mit dem Wagen direkt ins Zentrum fahren, dort auf den für sie reservierten Platz stellen, das Auto den ganzen Tag  stehen lassen, und damit nach Büroschluss durch den Stossverkehr wieder zurück in die Agglomeration fahren.

Was wird Elmar Jud zu all dem sagen? «Man darf natürlich nicht bei schönem Wetter messen. Wenn es regnet, sind unsere Parkhäuser voll ausgelastet.»

2 Kommentare zu Parkplatz-Arithmetik (der ultimative Beweis)

  • rolf bossart sagt:

    Die Parkhäuser in Klosterviertel („Oberer Graben“ und „Einstein“) sind an Samstagen und Donnerstagabenden deswegen fast leer, weil viele Automobilisten „wild“ bzw. unerlaubt parkieren. Die Fahrzeuge werden in jede nur erdenkliche Baustellennische im Klosterviertel und Oberer Graben rein gezwängt (davon hat es zurzeit viele) und auf dem offen gestalteten Gallusplatz abgestellt. Auch die Gratisparkplätze vor der Bank Hypo Vorarlberg werden abends und an Wochenenden fleissig von parkhausmüden Automobilisten aufgesucht. Als Klosterviertelbewohner bin ich stets von neuem darüber erstaunt, mit welchem riesigen Suchaufwand Automobilisten einen Gratisparkplatz im Klosterviertel suchen. Verkehrskontrolle durch die Stapo? Fehl am Platz! Doch dies ist ein anderes Thema. Fazit hier: es hat auch dann ausreichend Parkplätze in den Parkhäusern des Klosterviertels, wenn die „Illegalen“ dort parkieren würden.

  • Adrian Pfeiffer sagt:

    Gebaut wird entweder wo Bedarf da ist oder wo Geld verdient werden kann. (Es ist eine kapitalistische Lüge, dass jeweils immer beides gegeben ist) Fürs Geldverdienen ist die Baulobby zuständig für den Bedarf eine kluge Politik, die sich halt ab und zu gegen das Geldverdienen im Namen des Bedarfs oder eben wie hier gezeigt Nicht-Bedarfs durchsetzen sollte, will sie sich nicht dem Verdacht aussetzen, selber nur aufs Geldverdienen zu setzen. Es lebe der alte Marktplatz mit den schönen und gut ausgelasteten Gratissitzbänken in der Calatravhalle.

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