, 7. September 2017
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Party statt Parkplatz

Wieviel Platz nimmt ein Parkplatz weg? Das demonstrierten die Jungen Grünen der Stadt St.Gallen und ihre Stadtratskandidatin Ingrid Jacober diese Woche an einem Ort, der quasi das Gegenprogramm ist: im Stadtpark.

Ein riesiges Badetuch, unansehnlich grau und mit dem Logo von «umverkehR», liegt auf dem Rasengrün im Stadtpark. Der Parkplatz. Wenn man den Parkplatz aus seinem «natürlichen Kontext», dem Strassenraum entferne und auf der grünen Wiese plaziere, dann zeige sich eindrücklich, «dass parkierte Autos viel zu viel Platz brauchen», sagt Ingrid Jacober. Platz, den man für anderes nutzen könnte: für mehrere «normale» Badetücher, zehn Velos oder eine Party für 30 Personen.

Das Auto sei die allermeiste Zeit kein Fahrzeug, sondern ein «Stehzeug», zitiert Jacober den österreichischen Verkehrsplaner Hermann Knoflacher und dessen Buch «Zurück zur Mobilität». Die Aktion im Stadtpark solle die Bevölkerung motivieren, die aktuelle Verteilung des öffentlichen Strassenraums zu hinterfragen. Schweizweit gebe es 8 bis 10 Millionen Parkplätze. Diese minderten die Qualität und die Gestaltungsmöglichkeiten des öffentlichen Stadtraumes: «Trottoirs sind zuparkiert, es fehlt der Platz für durchgehende, breite und sichere Velowege, der Aufenthalts- und Spielraum Strasse ist besetzt von stehenden Autos.»

Statt in Parkplätze sei daher in Stadträume für den Langsamverkehr zu investieren. Fussgängerinnen und Velofahrer sollen Vortritt haben, ebenso der öffentliche Verkehr. Dem parkplatzsüchtigen Auto soll dagegen nicht noch mehr als heute der rote Teppich ausgelegt werden.

Am grauen Teppich im Stadtpark forderte die grüne Stadtratskandidatin Konsequenz ein: keine dritte Röhre für die Stadtautobahn und keine «Teilspange» am Güterbahnhof. Das Areal dort sei viel zu wertvoll, um es dem Strassenverkehr zu überlassen. Tempo 30 auch auf Hauptstrassen bewähre sich, auch ökologisch. Und Pförtneranlagen, wie in der Liebegg geplant, seien sinnvoll, aber längerfristig gehe es vielleicht nur mit Mobility Pricing zumindest zu den Stosszeiten. Manchmal müsse man den Menschen «erziehen», sagt Jacober – «schliesslich werden wir auch unablässig zu guten Konsumentinnen erzogen».

St.Gallen liege, was die Zahl von Zweit-Autos pro Haushalt betreffe, statistisch auf einem vorderen Rang. Und der Löwenanteil des motorisierten Verkehrs betreffe Fahrten innerhalb der Stadt: Gipfeliverkehr quasi. Wenn St.Gallen wachsen wolle, an Einwohnern wie an Lebensqualität, dann dürfe nicht noch mehr Stadtraum als heute dem Auto geopfert werden. «Wir müssen bereit sein für neue Modelle.»

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