«Ich kann es noch nicht glauben.» Das war die Reaktion von Jonas Knecht, noch Stunden nachdem ihn der Verwaltungsrat von Konzert und Theater St.Gallen am Dienstagabend zum Nachfolger von Tim Kramer gewählt hatte. Und der Entscheid ist denn auch eine kleine Sensation: Noch nie hat das Theater einen einheimischen Künstler zum Direktor gemacht – aufgewachsen ist Jonas Knecht in St.Gallen, seit 16 Jahren lebt er in Berlin. Und noch kaum je hat es dermassen entschieden das Signal auf «Veränderung» gestellt.
In wechselnden Konstellationen
Denn Jonas Knecht ist zwar kein Unbekannter – aber er hat sich bisher seinen Namen in erster Linie in der freien Szene gemacht, als Regisseur, als Schauspieler und Puppenspieler. Mit dem «Theater Konstellationen», gegründet schon während des Studiums an der Ernst Busch Hochschule in Berlin, hat er eine Vielzahl von Projekten in wechselnden Besetzungen entwickelt, zuletzt gemeinsam mit der Autorin Beatrice Fleischlin ein szenisches Langzeitprojekt mit dem Titel «Mensch!», das mehrfach auch in St.Gallen zu sehen war. Für Koproduktionen arbeitet er regelmässig mit den Berliner Sophiensaelen, dem Theater Chur, der Gessnerallee in Zürich und dem Schlachthaus Bern. Als Gast inszenierte er u.a. am Theater Aachen, am Maxim Gorki Theater Berlin, am Theater Marburg, und er unterrichtete im Rahmen einer Gastprofessur an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin.
Das Stadttheater ist Jonas Knecht also nicht fremd – aber zugleich hat er sich mehrfach prononciert (unter anderem auch in Saiten) für eine Öffnung der Häuser und für mehr Kooperationen mit den Freien ausgesprochen.
Das will offensichtlich auch der St.Galler Verwaltungsrat, der Knecht am Dienstagabend einstimmig gewählt hat. Die Medienmitteilung von heute vormittag begründet die Wahl so: «Jonas Knecht gilt als ausgewiesener Kenner der deutschsprachigen und speziell der schweizerischen Theaterlandschaft und verfügt über ein breites künstlerisches Netzwerk sowohl in der freien Szene als auch im Staats-, Landes- und Stadttheaterbetrieb.»
«Experimentierfreudig und genreübergreifend»
Theaterdirektor Werner Signer wird in der Medienmitteilung so zitiert: «Mit Jonas Knecht ist es uns gelungen, einen formal experimentierfreudigen und für genreübergeifende Theaterformen offenen Theaterschaffenden zu gewinnen.» Knecht seinerseits äussert sich begeistert über die Möglichkeiten des Dreispartenhauses: «Ich habe vor, zusammen mit Theatermachern aus meinem Netzwerk ein selbstbewusstes, ungewöhnliches, vielfältiges und offenes Theater nach St.Gallen zu bringen, das ich eng mit dieser Stadt und ihren Menschen verbinden möchte. Es soll ein Ort der Auseinandersetzung mit globalen und regionalen Themen sein. Ein Ort, an dem Türen in andere (Denk-)Welten aufgehen können – und dies auf eine sinnliche Art und Weise mit den unterschiedlichsten theatralen Mitteln.»
Jonas Knecht hat für drei Spielzeiten, 2016 bis 2019 unterschrieben. Er übernimmt im Sommer nächsten Jahres die Stelle von Tim Kramer, der St.Gallen nach dannzumal neun Jahren verlässt.
Bild: Iko Freese/drama-berlin.de
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