Stolperstein für die Bahnhofsabstimmung am 9. Juni? Beim geplanten Umbau des St.Galler Hauptbahnhofs regiert der Kommerz auf Kosten der Reisenden.
Am 9. Juni stimmen wir über die Neugestaltung des Bahnhofplatzes ab. Aber nicht nur. Wer Ja sagt, sagt auch Ja zum Versuch, den Hauptbahnhof in ein Einkaufszentrum zu verwandeln. Die Pläne der SBB erwecken gar den Eindruck, als stünde dieses Ziel im Vordergrund – und nicht die Verbesserung der Situation für die Reisenden.
Laut SBB sollen in der Schalterhalle zusätzliche Verkaufsflächen geschaffen werden. Obwohl die meisten Reisenden vom Bahnhofplatz her ins Gebäude strömen, sollen die Billettschalter weiter nach Westen verlegt werden. Dorthin, wo jetzt der Avec-Shop steht. Dafür rücken die Geschäfte nach vorne zu den Passantenströmen. Wer also ein Ticket vom Schalter braucht, muss einen weiteren Weg zurücklegen, vorbei an allen Läden. Shops als Schikane.
Markus Streckeisen von SBB Immobilien räumt ein, dass man den Bahnhof «kommerziell aufwerten» will. Nach der Logik der Immobilienentwickler, die heute das Sagen haben, sind Reisende vor allem Kunden, die kaufen. Da kann es nicht schaden, wenn sie ein paar Schritte mehr an Geschäften vorbeilaufen müssen. Wie in Läden, an denen man Schlange laufen muss bis zur Kasse. Der Bahnhofumbau folgt der Profitlogik und nicht dem Mobilitätsbedürfnis. Trotzdem wird stets die Aufwertung der Mobilität beschworen.
Die Bundesbahnen scheffeln mit der Umwandlung von Bahnhöfen in Shopping-Center viel Geld. Die Zuwachsraten sind traumhaft. Der Betriebsertrag aller Bahnhöfe stieg im Jahr 2012 auf 870 Millionen Franken (+8,9%). Die Mietverträge von Dritten brachten 379 Millionen Franken ein ( +16,4%). Allein die Convenience-Läden mit Fertiggerichten und Schnellfood liefern 127 Mio. Franken. Die SBB will nun auch aus dem achtgrössten Bahnhof der Schweiz mehr Ertrag herauspressen.
Angefangen hat die Kommerzlogik im Jahr 2003. In der Generaldirektion hatte man erkannt, dass in Bahnhöfen enorme Standortvorteile schlummern. Urs Schlegel, Leiter SBB Immobilien, schwärmt vom «einzigartigen Portfolio». Es entstand das Konzept «RailCity», das auf Grossbahnhöfe an Toplagen abzielte. Inzwischen wurde diese Marke, reines Managerdeutsch, wieder aufgegeben. Doch die Kommerzialisierung grösserer Bahnhöfe wird bis heute mit Sanierungen von jährlich 160 Millionen Franken vorangetrieben. Vorbild ist das einträgliche «Shopville», das an den Zürcher HB angehängte Einkaufszentrum unter der Erde.
Die SBB Immobilien sind zur Milchkuh geworden, die möglichst viel Ertrag abwerfen soll, damit CEO Andreas Meyer die teuren Löcher im vernachlässigten Unterhalt der Netzinfrastruktur besser stopfen kann.
Die Stadt macht in diesem Reigen kritiklos mit. Patrizia Adam und Fredy Brunner priesen die Umbaupläne als wichtigen Beitrag zu einer «nachhaltigen Verkehrsentwicklung». Floskeln, die niemand mehr ernst nimmt, weil sie die Stadt mit ihrer mutlosen Verkehrspolitik selbst entwertet hat.
Was stimmen wir am 9. Juni? Ja oder Nein?
Anja Wein lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.