, 13. September 2017
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Punkt 3: P wie Park

Ein Auto beansprucht in der Schweiz 115 Quadratmeter Platz. Und meist steht es herum. Drum Punkt 3 des Saiten-Mobilitätskatalogs: weg damit! Zumindest für einen Tag: Am Freitag ist Park(ing)-Day.

Genug von den Parkplatz-Diskussionen? Das haben viele, nicht nur die glücklosen Planer des Parkhauses Union plus in St.Gallen. Einen Schritt hinter das tagespolitische Gerangel macht der österreichische Verkehrsplaner und Autor Hermann Knoflacher im Buch Zurück zur Mobilität. «Der Parkplatz ist ein eklatanter Verstoss gegen die Gleichheit der Menschen: eine Rückkehr zum Faustrecht», schreibt er in seinem Buch, das anstelle der auto-mobilen die geistige Bewegungsfreiheit propagiert. «Zurück zur Mobilität kommt man durch autofreie Siedlungen, Dörfer und Städte», heisst es dort radikal. «Das Auto bekommt seinen Platz ausserhalb der menschlichen Lebensräume am Rand der Städte und Dörfer. Nur als Bewegungsprothese, das es ja ist, hat ein Auto Zufahrt für jene, die es wirklich brauchen.»

Jedes Auto beansprucht fahrend oder stehend (und natürlich auch, wenn es elektrisch oder von selber fährt) in der Schweiz 115 Quadratmeter Platz, eine öV-Benutzerin nur sieben Quadratmeter. Und was das Platz-Problem verschärft: Die Fahrzeuge sind im wesentlichen Stehzeuge. «Das Auto ist in seinem Parkbedürfnis einzigartig», schreiben die schwedischen Autoren des Buchs Verkehrsmachtordnung. Denn auch wenn es stehe, und das tue es meistens, im Schnitt 20 Stunden am Tag, richte es Schaden an: «Ein abgestelltes Auto bedroht die Stadt und ihre sozialen Beziehungen.» Parkplätze könnten, auch wenn sie frei seien, für nichts anderes gebraucht werden. Sie seien deshalb urbane Leerräume oder «Anti-Gebäude» – und also eine Pervertierung des öffentlichen Raums. In der Schweiz gibt es davon rund 10 Millionen.

Multi- statt monofunktionale Flächen, Parks statt Parkplätze: Für dieses Anliegen setzt sich in vielen Metropolen der «Park(ing)-Day» ein, ein Tag der temporären Parkplatz-Beschlagnahmung. Er findet diesen Freitag, am 15. September statt. In St.Gallen und überall, Infos hier. UmverkehR schreibt dazu: «Verlegen Sie Ihr Büro für einen Moment auf einen Parkplatz, oder relaxen Sie darauf. Verwandeln Sie den Parkplatz in einen Spielplatz, oder in einen Garten, oder in einen Veloparkplatz, oder in ein Wohnzimmer …. der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.»

(Illustration: Dario Forlin)

Das vollständige 10-Punkte-Programm für die mobile Zukunft: laufend hier und komplett im Septemberheft von Saiten.

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