(Illustration: Dario Forlin)
Grad kürzlich wieder erlebt: Man will nach zwei Tagen Openair einigermassen lädiert und vollbepackt in den Direktzug via Zürich nach St.Gallen steigen – wie viele andere auch – und die SBB kommt mit einem Intercity Neigezug daher. Fixkomposition. Dreimal zweite Klasse, dreimal erste Klasse, ein Restaurant. Der Unmut war gross, auch bei den anderen Fahrgästen und selbst beim Kondukteur, waren doch sämtliche Abteile der ersten Klasse wie ausgestorben, ganz im Gegensatz zu jenen in der zweiten, wo sich Otto-Normalmensch mit Sack, Pack und Konterbier reinwürgen musste.
Selbstverständlich ist das Missverhältnis nicht immer so gross, aber zu Stosszeiten doch oft genug. Wochentags um halb sechs Uhr Abends von Winti nach St.Gallen zum Beispiel. Oder zur gleichen Zeit auf der Strecke von Rorschach nach St.Gallen, wo die Thurbo-Züge mit ihren verglasten Erste-Klasse-Abteilen samt Ledersitzen kursieren. Voll sind diese selten, gestanden wird dort erst recht nicht. Das ist den Leuten in der Zweiten Klasse vorbehalten, den Büezern, Schülerinnen und babysittenden Grosis.
Der öV ist nicht überlastet, nur falsch verteilt, ähnlich wie die Rohstoffe dieser Welt. Das Postauto ist für alle da, der Bus und das Trogenerbähnli ebenfalls und auch sonst macht niemand mehr einen Unterschied beim Transport von Menschen. Nur die Bahnunternhemen profitieren noch von der ersten Klasse bzw. von deren Preisen. Diese Zweiklassengesellschaft im öV gehört endlich abgeschafft. Nicht zuletzt, weil es sich für eine moderne Gesellschaft nicht geziemt, Menschen ungleich zu behandeln. Auf zum Klassenkampf!
Das vollständige 10-Punkte-Programm für die mobile Zukunft: laufend hier und komplett im Septemberheft von Saiten.
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung