, 14. September 2017
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Punkt 4: Für alle oder für niemand

Die 1. Klasse im Bahnverkehr ist ein Relikt und gehört abgeschafft. Zum Wohle der Allgemeinheit. Und aus Prinzip. Punkt. Das ist Punkt 4 des Saiten-Programms für die mobile Zukunft.

(Illustration: Dario Forlin)

Grad kürzlich wieder erlebt: Man will nach zwei Tagen Openair einigermassen lädiert und vollbepackt in den Direktzug via Zürich nach St.Gallen steigen – wie viele andere auch – und die SBB kommt mit einem Intercity Neigezug daher. Fixkomposition. Dreimal zweite Klasse, dreimal erste Klasse, ein Restaurant. Der Unmut war gross, auch bei den anderen Fahrgästen und selbst beim Kondukteur, waren doch sämtliche Abteile der ersten Klasse wie ausgestorben, ganz im Gegensatz zu jenen in der zweiten, wo sich Otto-Normalmensch mit Sack, Pack und Konterbier reinwürgen musste.

Selbstverständlich ist das Missverhältnis nicht immer so gross, aber zu Stosszeiten doch oft genug. Wochentags um halb sechs Uhr Abends von Winti nach St.Gallen zum Beispiel. Oder zur gleichen Zeit auf der Strecke von Rorschach nach St.Gallen, wo die Thurbo-Züge mit ihren verglasten Erste-Klasse-Abteilen samt Ledersitzen kursieren. Voll sind diese selten, gestanden wird dort erst recht nicht. Das ist den Leuten in der Zweiten Klasse vorbehalten, den Büezern, Schülerinnen und babysittenden Grosis.

Der öV ist nicht überlastet, nur falsch verteilt, ähnlich wie die Rohstoffe dieser Welt. Das Postauto ist für alle da, der Bus und das Trogenerbähnli ebenfalls und auch sonst macht niemand mehr einen Unterschied beim Transport von Menschen. Nur die Bahnunternhemen profitieren noch von der ersten Klasse bzw. von deren Preisen. Diese Zweiklassengesellschaft im öV gehört endlich abgeschafft. Nicht zuletzt, weil es sich für eine moderne Gesellschaft nicht geziemt, Menschen ungleich zu behandeln. Auf zum Klassenkampf!

Das vollständige 10-Punkte-Programm für die mobile Zukunft: laufend hier und komplett im Septemberheft von Saiten.

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