, 17. Juni 2013
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Raus aus dem Einheitsbrei!

Das Sprechtheater lebt – nicht zuletzt dank Förderinstrumenten. Am Samstag hat der 2. Autorenwettbewerb der Theater Konstanz und St.Gallen sein Finale erlebt. Die Sieger heissen Dmitrij Gawrisch und Rebecca C.Schnyder.

Vier Texte wurden in der Schlussrunde szenisch präsentiert – das ist das Resultat: Der 31jährige Dmitrij Gawrisch, in Kiew geboren und in Bern lebend, gewinnt den Jurypreis mit einem Stückkonzept namens «Mal was Afrika». Gawrisch (Bild oben) hat wiederholt Migrationsthemen szenisch behandelt und begründete das in einem Interview unlängst so: «Fremdsein ist eine grundsätzliche Erfahrung, die man heute machen muss. Das Theater reagiert darauf». Der Text ist eine Farce über ein Kulturprojekt in Afrika, voll von Scheinheiligkeiten und frei von political correctness – «ein Risiko, aber auch ein Glück», sagte der Konstanzer Direktor Christoph Nix. Der Jurypreis ist mit 10000 Franken und einem Aufenthaltsstipendium am Theater St.Gallen in Höhe von weiteren 10000 Franken dotiert; es dient dazu, das Stück in St.Gallen fertigzustellen. Die Uraufführung ist für 2014 in der Lokremise geplant.

Erfolg auch für die in Ausserrhoden aufgewachsene und in St.Gallen lebende Rebecca C. Schnyder. Sie eroberte den mit 2000 Franken dotierten Publikumspreis mit dem Text «Das was bleibt». Hier drei Fragen an die Autorin.

Rebecca-Schnyder

Wovon handelt oder was verhandelt Dein Stück?

Mein Text ist ein Stück für zwei Schauspieler und einen Musiker mit Liedern von Leonard Cohen. Es verhandelt die desaströse Kraft von Abhängigkeit innerhalb einer (Paar-) Beziehung wie auch die Unmöglichkeit, Vergangenes wieder neu zu beleben, bzw. zurück zu holen. Ich verfolge darin die Paradoxien der Co-Abhängigkeit frei nach dem Satz: I want our past back because my future is you. Und das was bleibt, ist, eben, das Ende.

Das Stück erhielt den Publikumspreis – trotzdem: Es braucht vermutlich Nerven, sich einer solchen öffentlichen Beurteilung auszusetzen, oder?

Als Theaterautorin ist es heute leider so, dass es ohne Wettbewerbe und dergleichen, bzw. ohne Gewinnen derselbigen, nur schwer zu schaffen ist. Heiterkeit im Planschbecken der Vielen… Mit diesen Wettbewerben einher geht der Gang auf die Bühne, die einem – besonders wenn man verloren hat – gern wie ein Schafott vorkommen kann. Es gilt also Eier zu haben, den Glauben an sich und seine Arbeit zu behalten, und die Wertung auch immer als das zu sehen, wovon sie nicht komplett losgelöst werden kann: eine subjektive Meinung derer, die entscheiden. Glücklicherweise war der Samstag für mich Bühne – mit wohlwollenden Richtern im Publikum. Ohne Henker.

Vier Stücke im Final: Lässt sich vom hier Gezeigten aus Deiner Sicht etwas darüber sagen, was das Sprechtheater im Moment beschäftigt oder was es leisten kann?

Die Unterschiedlichkeit der Texte im Wettbewerb – sowohl in Themenwahl wie auch sprachlicher und dramatischer Ausgestaltung – verweist auf das, was möglich ist, was Sprache kann, wofür und wie sie eingesetzt werden kann. Hier ein Hurra auf meine Kollegen: Diese Diversität zeigt vor allem, dass das Theater genau dafür gemacht ist – immerzu raus aus dem Einheitsbrei!

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