Kategorie
Autor:innen
Jahr

Relikte der bürgerlichen Politik: Der Parkplatz (II)

Sechs Meter lang und 1,9 Meter breit ist der beste Freund, der Parkplatz. Gewusst? Aber was heisst «Senkrechtparkierung», und wie gross ist die städtische Parkplatzpopulation? In Folge zwei unserer Serie  «Relikte der bürgerlichen Politik» klärt Daniel Klingenberg auf. Folge 2, am Schrammbord Ein Parkplatz ist kein Kind des Zufalls. Bis er sich zu seiner heutigen, […]
Von  Gastbeitrag

Sechs Meter lang und 1,9 Meter breit ist der beste Freund, der Parkplatz. Gewusst? Aber was heisst «Senkrechtparkierung», und wie gross ist die städtische Parkplatzpopulation? In Folge zwei unserer Serie  «Relikte der bürgerlichen Politik» klärt Daniel Klingenberg auf.

Folge 2, am Schrammbord

Ein Parkplatz ist kein Kind des Zufalls. Bis er sich zu seiner heutigen, hochentwickelten Version entwickelt hatte – in der Stadt St.Gallen gibt es rund 19‘000 öffentliche Parkplätze, was eine Fläche von 32 Fussballfeldern ausmacht –, brauchte es umfangreiche Vorarbeiten. Diese hat der Schweizerische Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS geleistet. Sein Klassiker «Parkieren: Anordnung und Geometrie der Parkierungsanlagen», 2001 erschienen im Eigenverlag, liefert die normativen Grundlagen zur Parkplatzproduktion.

Stilistisch fällt im Buch die Sprachmischung aus Zärtlichkeit und Technobürokratismus auf. So wird einerseits empathisch von «Komfortstufen» – je grösser der Platz, desto mehr Komfort – geredet. Anderseits schrecken Begriffe wie «Senkrechtparkierung» und «Schrammbord». Am Telefon gibt der VSS-Experte auch gern Auskunft über die «Fahrzeugpopulation». Diese Population wächst dauernd. Die Fahrzeugpopulation in der Stadt St.Gallen betrug im letzten Jahr 42‘991. Das heisst: Mehr als jeder zweite hat eins, oder anders: Knapp jede zweite hat keins. In Mörschwil ist nur jede(r) fünfte autolos. Bei der Parkplatzpopulation ist kein Vergleich möglich, da die Zahlen für Mörschwil fehlen. In St.Gallen kommen zu den 19‘000 öffentlichen gegen 50‘000 private Parkplätze, die Komfortstufe ist nicht bekannt.

Je nach Komfort rechnen Experten, dass in Parkgaragen bis zu 100‘000 Franken Investitionskosten pro Parkplatz notwendig sind. Würde das Autohotel am Schibenertor gebaut, käme ein Platz dort auf 80‘000 Franken zu stehen. Günstiger sind «ungedeckte Parkierungsanlagen»: Man rechnet mit 6‘000 bis 8‘000 Franken Anschubfinanzierung. Im Unterhalt sind dann alle Parkplätze gleich: 1‘000 bis 1‘500 Franken pro Jahr, woraus die Parkplatzwissenschaft eine durchschnittliche Gebühr von einem Franken pro Stunde herleitet. Die Bewirtschaftung der Parkplätze ist ein weiteres, notorisch unterschätztes Wissensgebiet. Bereits 1969 ist dazu die massgebliche Dissertation, «Das Parkierungsproblem in ökonomischer Sicht», erschienen.

Weihnachten naht. Das beschäftigt auch die Freunde der Senkrechtparkierung, bei der man den Wagen im 90-Grad-Winkel einparkt. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, darum zwei Tipps: Wer zu Grundsätzlichem neigende Freunde hat, schenkt die «Anordnung und Geometrie der Parkierungsanlagen» des VSS, bibliophile Dünndruckausgabe, 24 Seiten, 58 Franken. Leichtere Kost sind «D’Witz vom Herdi Fritz», Folge: «Häsch en Parkplatz?». Die sind allerdings vergriffen, antiquarisch finden sich noch einzelne Exemplare. Vielleicht ein Indiz dafür, dass Parkplätze eine aussterbende Population sind. Oder Bücher. Ersteres erfreulich, letzteres weniger.

Weil Parkplätze Freunde sind, wecken sie auch Emotionen. Vor allem, wenn sie besetzt sind. Was sie allerdings kaum je sind. Darum geht es in den nächsten Folgen unserer Parkplatz-Theorie, demnächst im Ost-Blog.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 5

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 5: Emil Brun­ner – «Berg Kind Welt», Ra­pid Open­air und Kul­tur­ufer. 

Von  Redaktion Saiten
DSC05051 Kopie copy

FC St.Gal­len vs. FC Zü­rich 2:1 – Ers­te drei Punk­te im Tro­cke­nen

Der Spa­gat zwi­schen eu­ro­päi­schen Näch­ten und bie­de­rem Su­per­league All­tag ist oft schwer. So auch heu­te. Ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung und die rich­ti­gen Wech­sel in der zwei­ten Halb­zeit rei­chen aber für die ers­ten drei Punk­te der Sai­son. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bren­nen­de Wa­den und leuch­ten­de Kat­zen

In leich­ten Pas­tell­tö­nen und dunk­len Öl­far­ben setzt sich der deut­sche Künst­ler Mar­cel Hüpp­auff mit dem Pro­fi­rad­sport aus­ein­an­der. Da­bei tre­ten in sei­ner Schau im Chambre Di­rec­te-Schubi­ger in St.Gal­len nicht nur Men­schen, son­dern auch Kat­zen in die Pe­da­le.

Von  Vera Zatti
IMG 0330