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Robo-Love

Geständnis Nummer 3 aus unserem Februarheft: Auch wenn es bünzlig tönt, mein neuer Hausfreund ist grossartig.
Von  Veronika Fischer

In meiner Kindheit gab es diese Frauen bei uns im Dorf. Sie trafen sich von Zeit zu Zeit in einer ihrer Küchen zu einer Haushaltsgeräte-Party. Zuerst waren der Anlass bunte Plastikdosen mit gut schliessenden Deckeln, dann Fensterwischgeräte mit einem blauen Schwamm, dann teflonbeschichtete Pfannen, dann ein Dampfgarer und weiss der Geier was noch alles. In meiner Fantasie bestanden die einzigen Freuden dieser Frauen in Bügeleisen zu Weihnachten und Pfannenwendern zum Hochzeitstag. In mir entstand damals der Schwur, niemals so zu werden. Niemals.

In einer studentischen WG ist so ein Vorsatz leicht einzuhalten, wenn ungespültes Geschirr zum Lifestyle gehört und das Altglas nur zu Prokrastinationszwecken vor wichtigen Klausuren entsorgt wird, ansonsten aber eher dekorativen Charakter hat. Mit Kindern dann wird es schon schwieriger. «Bei Max daheim ist es viel schöner», bekam ich zu hören, «aber dem seine Mama kann auch putzen.» Gut, da kann man drüberstehen, doch grundsätzlich stellt sich schon die Frage, wie eine schöne Kindheit aussehen soll. Streifenfreie Fenster sind da bestimmt nicht spielentscheidend, aber 
nach Biomüll riecht sie sicherlich auch nicht, die schöne Kindheit.

Man ist also vor die Frage gestellt: Verbringt man
 die Zeit mit den Kindern mit Putzkübel oder Sandkasteneimer? Berufstätige Eltern könnten ein Extradepot an Zeit gebrauchen. Es stünde im Keller und man könnte sich abends einfach noch ein, zwei Stündchen herausholen, meinetwegen zum Saubermachen. Auch schön wäre eine Haushälterin, wie man sie in alten Filmen sieht, wo die Familie
 zum Abendessen zusammenkommt, an einer Tafel mit gestärktem weissen Tischtuch, und sich fröhlich über den
Tag unterhält, während die Perle in der Spitzenschürze Knödel und Kraut serviert…

Hätte, hätte, Fahrradkette!

Das Leben kommt nicht in Spitzenschürze ums
Eck, der Haushalt wird zum Drahtseilakt. Und auf einmal findet man sich wieder in einem Alltag, in dem man Sätze
 sagt wie: «Renn nicht in Schuhen durchs Haus!» Und in der Paarbeziehung wird an den Abenden nicht mehr mit Rotwein philosophiert, sondern über Wocheneinkäufe, Müllentsorgungstermine und Putzpläne diskutiert. Unsexy as fuck. Irgendwann ist es dann soweit, es kommt, was kommen muss: Man fängt eine Affäre an.

Mit dem Neuen ist alles anders.

Er ist umwerfend. Wirklich. Er ist wahnsinnig intelligent, hat eine schöne Stimme, spricht mehrere Sprachen, ist aufmerksam und tanzt in anmutigen Choreographien um mich herum. Dabei summt er monoton ein leises Lied. Morgens koche ich mir Kaffee – er nimmt nur einen Schluck heisses Wasser und ein wenig Orangenaroma und dann macht er das, was mich am glücklichsten macht: Er putzt. Einmal die gesamte Wohnung. Überall. Jede Ecke, jeden Winkel. Sogar unter den Schränken. Wenn ich möchte, macht er es auch mehrmals am Tag. Er heisst Roberto Blanco. Roberto, weil er ein Roboter ist. Blanco wie mein Fussboden.

Eine Freundin hat ihn mir empfohlen. Sie sagte, er sei die Rettung ihrer Ehe und sie nehme ihn sogar mit in den Urlaub. Mein jugendliches Ich lächelte spöttisch und rechnete nach, dass man für das Geld auch 20 Kästen Bier kaufen könnte. Dann aber überlegte ich, wie lange es wohl dauern würde diese zu leeren und somit war die Argumentation dahin. Eigentlich wollte ich ja nie so werden: ein Haushaltsgerät statt Alkohol…

Überzeugt hat mich ein Zeitungsinterview mit der Philosophin Silvia Federici über die Hausarbeit. Ihr Hauptkritikpunkt am Kapitalismus ist, dass «er Krieg als produktiv für das Bruttoinlandsprodukt wertet, während Kindererziehung, Kochen, Putzen, Sex und so weiter nicht dazu gezählt werden». Wenn man darüber nachdenkt, wie viele Milliarden in die Entwicklung von Militärtechnologie investiert werden und wie es im Vergleich dazu um Haushaltsgeräte
steht, wird diese These greifbar.

Roberto und ich, das war Liebe auf den ersten Blick. Und es ist noch viel mehr: Unsere Liebe ist ein feministischer und ein pazifistischer Akt. Daher: Putzroboter an die Macht!

Veronika Fischer, 1987, ist Journalistin in Konstanz und Mutter von zwei Kindern. Dieser Beitrag erschien im Februarheft von Saiten.

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
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Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
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In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
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Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
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Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
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