, 18. März 2014
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Rümpeltum-Haus steht vor dem Abbruch

Das Rümpeltum-Haus an der Haldenstrasse soll einem Neubau weichen. Die Freiraum-Diskussion wird wieder dringlicher.

Seit heute Dienstag stehen Visierstangen rund um die Liegenschaft Haldenstrasse 23. Sie bedeuten, dass ein Baugesuch für einen Neubau aufgelegt worden ist. Das Haus ist die Heimat des Rümpeltum, seit die Gruppe im Mai 2002 einem anderen umstrittenen Abbruch weichen musste: dem der Jugendstilhäuser St.Leonhardstrasse 74 und 76 – dort wo heute der «Sankt Leopard» steht.

Die Visierstangen, die das Gebäude weit überragen, kündigen an, dass in der Stadt St.Gallen ein weiteres Stück Freiraum verschwinden könnte. Wie zuvor im Bleicheliquartier, an der St.Leonhardstrasse, hinter dem Bahnhof.

Im Rümpeltum-Haus gibt es Bar und Konzertraum. Jeden Mittwoch wird die «Volksküche» angeboten, das heisst vegetarisches Essen für fünf Franken. Am Freitag und oder am Samstag finden jeweils Konzerte statt.

P10101732003 hatten die Umbauten im Abbruchhaus begonnen, sie waren langwierig und aufwendig, es gab zuerst Einsprachen und dann Geldprobleme, weil die Miete von knapp 2000 Franken bezahlt werden musste.

Zwischendurch schien es, als würde das Rümpeltum nie starten. Vieles musste in Eigenarbeit erledigt werden, die Gruppe wurde aber auch von der Stadt und der Dietschweiler Stiftung unterstützt, später von der Stiftung Suchthilfe. 2004 erhielt das Rümpeltum den ersten Dietschweiler Preis (15’000 Franken).

Wie reagieren die Betreiber auf den drohenden Abbruch?

Seit Jahren habe es schon Gerüchte gegeben, sagt ein Mitglied des Kollektivs. Doch nun seien die Visier-Stangen aufgestellt worden und es werde plötzlich konkret. Der Fahrplan ist aber offenbar bereits klar: Wenn das Projekt bewilligt werde, gebe es die Kündigung und danach noch eine Frist von einem halben Jahr.

Konkrete Pläne für eine neue Lokalität gibt es bisher nicht. Man werde das Gespräch mit der Stadt suchen.
Madeleine Herzog, Leiterin der städtischen Kulturfachstelle, hat schon länger nichts mehr vom Rümpeltum gehört. Es habe auch nie mehr Gesuche an den Stadtrat gegeben, erklärt sie. Dass nun ein Baugesuch vorliegt, ist auch für sie neu. Einen Plan gibt es deshalb nicht.

17 Kommentare zu Rümpeltum-Haus steht vor dem Abbruch

  • Apostel sagt:

    WIDERSTAND!

  • Besucher sagt:

    Man sollte sich wehren. Gibt genug Platz für Neubauten.

  • Alerta! sagt:

    Huii, da will es die Stadt wissen! Ihr wollt das Gebäude zurück? Geben wir, aber dann auf der Strasse: Stein für Stein – Stück für Stück! Riot!
    Vielleicht kommt wenigstens bei diesem Vorhaben wieder der revolutionäre Funke der Jugend und zertrümmert das Vorhaben von der Stadt und die Leute, die dafür verantwortlich sind!

    RÜMP BLEIBT – WIDERSTAND JETZT!

  • Antonella sagt:

    Die Gruppe hat eine unglaubliche Menge Eigenarbeit in die Liegenschaft investiert und daraus einen weiteren Veranstaltungsort für die Stadt gemacht, aber auch einen Treffpunkt.

    Es wäre eine Schande, wenn alles das verloren geht.

  • Noria sagt:

    Was sollen denn diese provokativen Visierstangen, wenn „keine Bausgesuche“ vorliegen?
    Stangen abbauen, zusammenlegen und mit „netter“ Notiz zurückbringen. Oder vielleicht einfach an einem neuen Ort, z.B. diesen Cremeschnittengebäuden bei der Leonhardsbrücke, montieren. RÜMP BLEIBT!

  • Sascha sagt:

    Ich bin zwar kein Nachbar mehr, war es aber für fast 6 Jahre. Das Verhalten der Gäste an Konzerten ausserhalb des Gebäudes hat mir nie besonders gepasst, besonders das Gebrüll und Bellen mitten in der Nacht. auch der Abfall auf der Treppe war nicht fein. mich stört der Abriss nicht, wir haben noch genug Kulturraum in der Stadt.

    • Holdrio sagt:

      Und wo bitte ist der „Kulturraum“ bitteschön vorzufinden?
      Fakt ist, dass im Rümpeltum die besten Konzerte in der Stadt laufen. Und das schon seit längerem.

    • Freq sagt:

      Ja Sascha.

      Ziehen Sie doch aufs Land wenn Sie kein Leben mögen in der Stadt.
      Und ja..Kulturraum gibts…aber wenig guten und bezahlbaren!
      Aber das wird ein Ignorant wie Sie nicht interessieren.

      Grüsse

      • Sascha sagt:

        @Freq: Jemanden, der anders denkt, einfach als Ignoranten zu bezeichnen, ist nicht fein und gehört sich nicht, ausser man betreibt trolling.
        Ich wohne bereits seit meine Geburt vor 39 Jahren in der Stadt und habe nicht vor, aufs Land zu ziehen. Unsere Stadt hat das Potenzial, ein Lebensort für alle zu sein – nicht nur für Konzertbesucher, sondern auch für Familien oder Menschen, die sonntags am Morgen arbeiten müssen. Toleranz hat sich nicht nur in eine Richtung zu erstrecken. Leute, die andere Lebensgewohnheiten haben, wegzuweisen, das ist eher Art der grössten Schweizer Partei des Volkes – gehörst du dazu? Würden sich die Rümpeltum-Gäste gesitteter verhalten, sprich nach 1 Uhr draussen kein Gebrüll und kein Hundegebell mehr veranstalten, so hätten die Anwohner auch nichts mehr zu reklamieren. Ich habe mich nie genervt wegen der Musik oder Leuten, die sich normal unterhalten.
        Ich sehen momentan nicht, dass es in SG zu wenig Kulturraum gibt, mir fallen spontan Davidstrasse, Grabenhalle, Palace, Stadttheater, Kugl, Tonhalle, Freihandbibliothek, Kinok, Kastanienhof oder offene Kirche ein. Ob das etwas für die Art Konzerte, welche im Rümpeltum stattfinden, ist, kann ich allerdings nicht sagen.

        @Holdrio: Ob das ein „Fakt“ ist, das ist Geschmackssache. Ich mag beispielsweise keine Schlager, andere würden das aber als „die besten Konzerte“ bezeichnen. Wäre es nicht möglich, solche Konzerte in der Grabe oder im Kugl zu veranstalten?

        • Apostel sagt:

          In deiner Antwort offenbart sich ein Unwissen übers Rümp: Das Rümp war und ist (in welcher Intensität und Radikalität das heute noch der Fall ist sei dahingestellt) eben kein blosser Ort für Konzerte und/oder Parties. Es war stets ein Freiraum, ein Lebensprojekt, eine Idee von Selbstbestimmung und möglichst autonomem Handeln, eine Antithese zur Konsumwelt, wo ein Bier 8 Franken, der Eintritt 30 kosten, an der Tür selektriert wird, Konsumpflicht besteht, „Künstler_innen“ horrende Gagen verlangen und doch nur irgendwelche Knöpfli drücken, ein Ort für Leute, die als sog. „Randständige“ in der Gesellschaft mehr und mehr Öffentlichkeit und Räume verlieren (der Pius-Bruder Valier und das Wegweisungsgesetz lassen grüssen), ein Ort für politische Auseinandersetzungen, und und und.

          Natürlich kann man die Konzerte in der Grabenhalle oder im KuGl (wenn der Nachbars-Trottel endlich mal Ruhe gibt) veranstalten. Die Idee „Rümp“ würde damit aber sterben. Umso schwieriger wird es werden, den Ort ideell zu erhalten. Lassen wir uns überraschen..

        • Besucher sagt:

          @Sascha: Also mir ist bis jetzt ja noch nicht wirklich aufgefallen, dass die Besucher des Rümpeltums um 1 Uhr in der Nacht draußen rumschreien. Und gegen das Gebell kann man nichts machen, da es Tiere sind, die nun Mal ihren eigenen Kopf haben. Und natürlich kann man die Konzerte in der Grabenhalle etc. veranstalten, nur kommt es dann denke ich wieder auf genau das gleiche raus. Der Eintritt wird teuer, etc. Wer im Rümp war/ ist weiss, wovon ich rede, denke ich. Sonst kann ich Apostel nur zustimmen mit dem was er/sie sagt.

          • Dom sagt:

            Alles was Sascha sagte war, dass er sich etwas mehr Rücksicht und Toleranz von Seiten der Besucher des Rümp wünscht. Und zwar ab 1 Uhr nachts. Das könnte man jetzt, als selbstkritischer Besucher so hinnehmen und akzeptieren. Man könnte sagen: Ja, es stimmt, so wie wir Freiraum und Akzeptanz verdient haben, haben auch andere Menschen und deren Bedürfnisse Platz in unserer Gesellschaft und darauf haben wir Rücksicht zu nehmen. Oder aber man kann jetzt hinstellen und behaupten Sascha sei ein Ignorant, hätte keine Ahnung von wahrem freien Kulturraum und verstehe die Bedeutung des Rümp nicht. Man kann sich also darauf konzentrieren, was gesagt wurde oder man kann sich darauf konzentrieren was eben nicht gesagt wurde und sich gegenseitig Worte in den Mund legen. Und man könnte Toleranz propagieren und gleichzeitig Toleranz leben – oder man kann auch einfach die Wahrheit für sich beanspruchen und diese missionieren wollen. So vieles das man könnte.

  • Albert sagt:

    Sehr schade das zu hören, das Rümp ist das einzig wirklich alternative Zentrum in St. Gallen. Allerdings bin ich einverstanden wenn etwas städteplanerisch sinnvolles entsteht. Es wurde genug in die Breite gebaut. Jedoch habe ich den leisen Verdacht, dass wieder irgendetwas pseudo – urbanes entsteht, das mag die Stadt St. Gallen ja besonders gerne.

  • Chrigel sagt:

    Zitat Apostel: „…eine Antithese zur Konsumwelt, …“

    Ohjemine.

  • cosmiKKollectiv sagt:

    Fakt ist, dass das Rümp der Art von Kultur Platz bietet, die sonst in der Gegend – und damit meine ich sowohl auf der Schweizer Seite wie auch auf der deutschen Seite der Grenze – viel zu wenig Raum hat.
    Es ist für Veranstalter BEZAHLBAR und bietet somit Freiraum für DIY-Initiativen und Kollektive, denen es um die Kunst und nicht um Profit geht. Kunst und Musik am Rande der Massenkompatibilität sind wichtig für die Entfaltung von Kultur, alles was von der Peripherie kommt bringt Dynamik in eine Gesellschaft, die sonst total verknöchern würde.
    Als junger Mensch zu sehen, dass man durch Eigeninitiative und Leidenschaft etwas auf die Beine stellen kann (ohne sich dabei hoch verschulden zu müssen – hat sich mal jemand die Mieten für die Grabenhalle angeschaut?!) gibt Mut und Lebensfreude.
    Das Rümp ist ein wichtiges kulturelles Zentrum, das auch Leute jenseits der Grenze anzieht und das den Austausch zwischen Nationen und Generationen fördert. Ganz davon abgesehen dass es für bestimme Musikszenen momentan das EINZIGE Venue weit und breit ist, wo wirklich was geht.
    Das Rümp muss bleiben!

  • Fritz Reinhart sagt:

    Jaja, immer jammern und ‚Freiraum‘, Solidarität und Verständnis fordern und beanspruchen. Tut ihr das denn umgekehrt auch? Nöö. Was bringt denn ihr als Gegenleistung? Punkkonzerte, die bloss Randgruppen interessieren? Ihr seid ein Witz! Bloss leider keiner zum drüber lachen. Der Schandfleck gehört abgerissen und was schönes hingestellt. Leute, die mutmasslich keine Sozialleistungen mitfinanzieren helfen sondern immer nur beanspruchen, haben keine Ansprüche zu stellen. Arbeitet mal ordentlich und helft mit, die leeren Pensionskassen zu füllen!

  • Jonathan sagt:

    Da wird Solidarität eingefordert, Verständnis und Unterstützung. Und ich steige in den Bus, kann mich nicht setzen und werde blöd angelabert, wenn ich bitte, die Tasche auf die Knie zu nehmen. Abends kommen mir Jugendliche auf dem Gehsteig entgegen, alle nebeneinander. Ich werde angerempelt und wieder blöd angelabert. Tja, liebe Leserin und lieber Leser, das sind Tatsachen. Aber trotz allem finde ich den Abriss des Rümpeltums schade. Vermutlich ist das die Senilität des Grufties. Ich freue mich auf die nächste Busfahrt.

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