, 10. April 2015
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Viel Solidarität vor dem Umzug

Das Rümpeltum-Kollektiv will im Sommer mit dem Umbau ihres neuen Hauses beim Bahnhof St.Fiden beginnen. Die Mittel dafür werden vorher an Soli-Partys in der Grabenhalle gesammelt. Wann genau das «Rümp» in den Osten zügelt, ist aber immer noch offen.

Die Bedrohung kam über Nacht. Als im März 2014 plötzlich Bauvisiere rund ums Rümpeltum («Rümp») standen – die das alte Haus um mehrere Meter überragten – schrieb Saiten.ch «Rümpeltum steht vor dem Abbruch». Die Geschichte schlug Wellen in der (Untergrund-)Kulturszene und in den Medien: «20 Minuten» und «Blick am Abend» liessen die Pendler wissen, dass der «links-autonome Szenetreff» bedroht sei, ein paar Tage später zog auch das «Tagblatt» nach.

Ein Jahr später: Die Visiere stehen noch immer schwankend im Aprilwind – doch wann abgebrochen wird und das Rümp-Kollektiv zügelt, ist völlig unklar: Noch ist eine Einsprache gegen das geplante Bauprojekt beim Kanton hängig. Geht dieser Einsprecher den Weg durch alle Instanzen, ist unabsehbar, wie lange das dauert.

Und so leben die Rümp-Betreiber eben im Moment: «Wir wissen nicht mehr als alle: Nämlich, dass wir früher oder später raus müssen», sagt der 21-jährige Maurice, eines von rund 15 Mitgliedern des Rümp-Kollektivs.

Neuer Name fürs Rümp?

Das Gute daran: Das Kollektiv kann jetzt in Ruhe für die Zukunft arbeiten. Den Umbau des neuen Hauses vorantreiben etwa. Die Stadt stellt dem Kollektiv einen grossen zweistöckigen SBB-Schuppen beim Bahnhof St.Fiden zur Miete zur Verfügung. Der braucht nun Wärme- und Schallisolierung sowie Aufrüstung im sanitären Bereich und feuerpolizeiliche Anpassungen.

Den Umbau des Schuppens stemmen die Rümpeltümler aus eigener Kraft: Sie packen vor Ort selber an – und kratzen nun die Mittel dafür zusammen. «Das Rümp war schon immer ein Non-Profit-Ding, finanzielle Reserven haben wir darum nicht», sagt Maurice.

Gesammelt wird etwa Heute Freitag in der Grabenhalle mit einer Soli-Party: Lokale Bands wie Flieder und Herr Bitter spielen und verzichten aus Solidarität auf ihre Gage. «Es geht bei der Soli-Party nicht nur ums Geld. Wir wollen den Leuten auch zeigen, wer wir sind, was wir tun und dass wir Hilfe suchen», sagt Maurice. «Wir sind auch froh, wenn jemand beim Umbau anpacken will. Oder Baumaterial abgeben kann, das er nicht mehr braucht.»

Das Kollektiv hofft derzeit, dass der Umbau noch diesen Sommer starten kann. Was genau am Bahnhof St.Fiden entstehen soll, wird sich zeigen: Noch ist nicht einmal sicher, ob das neue Haus wieder Rümpeltum heissen wird – oder ob der Neuanfang radikal auch unter einem neuen Namen läuft.

Freiraum bleibt nötig

Derzeit hat das Rümp ein ziemlich vielseitiges Programm. Ein bis zwei Konzerte oder Parties pro Woche werden veranstaltet: Stoner-Rock, Hardcore-Punk, Mittelalter-Musik oder Drum n Bass-Gewitter, Berührungsängste gibt es nicht. Die Bands und Musiker kommen aus der ganzen (Ost-)Schweiz, aber auch internationale Acts sind dabei. Dazu kommt die Volksküche am Mittwoch, wo für fünf Franken vegetarisch gegessen werden kann.

Wie dieses Programm am neuen Ort aussehen wird, darüber will das Kollektiv noch nicht spekulieren: «Wir bleiben sicher ein autonomer Kulturraum, wo eigene und fremde Veranstaltungen Platz haben», sagt Kollektiv-Mitglied Simon, seit über zehn Jahren beim Rümp dabei. Die Anliegen der Menschen hinter dem Rümp haben sich seither nicht verändert: Es brauche Orte in St.Gallen, die «Freiraum ohne Kommerz und Konsumzwang» bieten, wie Simon sagt.

 

Soli-Party fürs Rümpeltum mit Herr Bitter, Flieder, Manic, The Dues: Freitag, 10. April, Grabenhalle. Eine weitere Soli-Party mit dem H.E.A.R.-Collective findet am 29. Mai ebenfalls in der Grabenhalle statt.

Titelbild: Nach 12 Jahren D.I.Y. («Do It Yourself») im Haus an der Haldenstrasse bereiten sich die Rümpeltum-Betreiber auf den Umzug vor.

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