Es ist Mittwochabend, nicht spät aber schon stockdunkel. Draussen leichter Regen, drinnen riecht es nach entstehendem Kartoffelgratin. Ein paar Kinder spielen Fangis. Die Atmosphäre ist friedlich und entspannt. Mittwoch ist traditioneller Volksküchentag im Rümpeltum, am alten wie am aktuellen Ort. Für 5.- wird man sich demnächst am Gratin bedienen können. Auch das Bier kostet nach wie vor nur halb so viel wie andernorts. Abgesehen davon hat sich einiges geändert.
Von der Räuberhöhle zum Wohnzimmer
Das verwinkelte, verrauchte und an manchen Stellen zur bunten Höhle transformierte Haus, in welchem das Rümp bis im Sommer untergebracht war, ist zur Baugrube geworden. Seit eineinhalb Monaten ist die neue Bleibe am Magniberg 5a eröffnet. Ein grosser heller Raum mit vielen gemütlichen Sitzmöglichkeiten, Bühne und Bar-Kabäuschen. Aber nicht nur optisch hat sich viel verändert: Im neuen Raum herrscht Rauchverbot.
Akustisch ist erst recht nichts mehr so, wie es war. «Es ist ein mehrbesseres Festzelt – man müsste quasi einen zweiten Raum einbauen, damit es schallschutztechnisch erlaubt wäre, laut zu sein», sagen die Betreiber im Gespräch. Es sei von beiden Seiten unachtsam gewesen, den Raum nicht schon im Voraus auf seine Schalldichte zu überprüfen. Auf Seiten der Stadt, da man wusste, dass im Rümpeltum hauptsächlich laute Konzerte veranstaltet werden (was so auch im eingereichten Konzept stand), und auf Seiten des Kollektivs, da sie selbst nicht früh genug skeptisch waren. Dies vor allem deshalb nicht, da das Gebäude vor einigen Jahren schon einmal als Club genutzt wurde. Damals mit weniger strengen Auflagen resp. mehr städtischer Gesetzestoleranz. «Uns wurde immer wieder gesagt, man sei zuversichtlich – das Haus biete sich optimal zum geforderten Nutzungszweck an.»
Das ist zwar frustrierend, aber noch lange kein Grund, den Raum sogleich komplett aufzugeben. «Die Begrenzung kann man auch als Chance verstehen. In den letzten Jahren haben wir fast ausschliesslich Konzerte und Partys veranstaltet. Die Idee hinter dem Rümp war aber von Anfang an, Plattform für ein möglichst breites kulturelles Angebot zu sein. Deshalb heisst es ja auch Verein für Freiraum: Grundsätzlich ist alles möglich. Man kann hier Workshops, Lesungen, Tauschbörsen, Jamsessions und Varieté-Abende Veranstalten oder auch mit ganz neuen Ideen kommen.» Entweder in Kollaboration oder gegen einen Mietpreis, der seinesgleichen sucht. Zudem ist die Rauchfreiheit kinder- und familienfreundlicher, was schon jetzt für eine Öffnung und Verbreiterung des Publikums sorgt.
Was es am neuen Standort nicht mehr gibt, ist die Möglichkeit, unkompliziert Bands zu beherbergen. Darum musste man sich an der Haldenstrasse nie Sorgen machen – der oberste Stock gehörte den Musizierenden, dem Kollektiv und den Kochtöpfen. Dafür sei der einstöckige Raum hier viel einfacher zu wischen, wird wiederum grinsend abgewogen.
Unklare Raumzukunft
Es ist sozusagen ein Trotzdem-Rümp, das den einschränkenden Auflagen mit neuer Energie (einer, die sich nicht in Dezibel ausdrückt) trotzen wird. Und trotzdem: Der Raum ist eine Übergangslösung, das stand von Anfang an fest. In einem unscharf absehbaren Zeitraum dicht bei 2020 wird das Gebäude mitsamt Nachbarhäusern abgerissen. Danach frisst sich am Platztor die HSG mit einer Campuserweiterung ins Stadtgebiet. Für die Übergangszeit lohnt sich der finanzielle und generelle Aufwand nicht, welchen Stadt und Kollektiv für eine Schalldämmung auf sich nehmen müssten.
Auf die Frage, welches städtische Gebäude, ganz unabhängig von der aktuellen realpolitischen Machbarkeit, das Rümp am liebsten beziehen würde, wird zuerst zögernd und dann immer euphorischer geantwortet: Wiesenthal, wär’s nicht so eine Bruchbude, spanisches Klubhaus, Ekkehard… obwohl, nein: Lokremise! Stadtpolizei-Megaplex! Die Utopien münden schnell wieder zurück in der momentanen Realität, die schlussendlich das wichtigste ist. Die alte SBB-Remise in St. Fiden bleibt in Verhandlung – fixe Pläne oder Umzugsdaten gibt es nicht. Das Tagblatt berichtete bereits vor zwei Wochen darüber, der Beitrag habe etwas gar euphorisch über die fast schon sichergestellte Zukunft im Osten geklungen.
Allen Gefühlsschwankungen zum Trotz kann man festhalten: Das Rümpeltum lebt und bleibt sich selbst treu, soweit sich die grundgesetzlichen Grenzen antasten lassen. Wichtiger als Schallwände sind dabei immer noch motivierte Leute, die veranstalten und vorbeikommen. Es bleibt zu wünschen, dass die am Magniberg kurzzeitig komprimierten Kräfte von Chaos und Freiheit längerfristig auf den HSG-Campus der Zukunft abstrahlen werden.
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