Kategorie
Autor:innen
Jahr

Sackgasse Güterbahnhof

Mit der Überweisung eines Postulats hat das St.Galler Stadtparlament ein deutliches Zeichen gesendet: Es beauftragt den Stadtrat, gegenüber Bund und Kanton einen Planungsstopp für den Autobahnanschluss im Güterbahnhofareal zu fordern. Der Stadtrat will davon aber vorerst noch nichts wissen.
Von  David Gadze
So könnte es in 20 Jahren am St.Galler Güterbahnhof aussehen: Modell der Testplanung von Andy Senn. (Bilder: pd)

Der Widerstand gegen den Autobahnanschluss im Güterbahnhofareal wächst nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in der Politik: Vergangene Woche hat das St.Galler Stadtparlament das Postulat «Übungsabbruch statt Millionen für Planungsleiche verschleudern» erheblich erklärt.

Mit der Überweisung erhöht es den Druck auf den Stadtrat, der hinter dem Millionenprojekt steht: Zum einen soll er in einem Bericht darlegen, wie das Areal ohne einen Autobahnanschluss geplant beziehungsweise entwickelt werden könnte. Und zum anderen soll sich der Stadtrat gegenüber Bund und Kanton dafür einsetzen, dass die Planung für einen Autobahnanschluss in diesem Gebiet «unverzüglich gestoppt wird».

Von einem Planungsstopp will der Stadtrat jedoch vorerst nichts wissen. Man nehme das Signal des Parlaments «sehr ernst», versichert Baudirektor Markus Buschor. Der Stadtrat werde nun aber «keinen Brief nach Bern schicken» und aufgrund des Postulats einen Übungsabbruch fordern. Denn die Stadt wolle gegenüber Bund und Kanton weiterhin als «verlässliche Partnerin» auftreten.

Mit anderen Worten: Nach Jahren der Planung kommt eine plötzliche Kehrtwende für den Stadtrat nicht in Frage.

Die Planung nicht mittendrin abbrechen

Klar ist aber auch, dass es ein Geradeaus-wie-bisher nicht geben kann. Steckt der Stadtrat also in einer Sackgasse? Buschor verneint. Er verweist auf die Abstimmung zur Volksinitiative «Für ein lebendiges Areal Güterbahnhof ohne Autobahnanschluss». Diese lehnten im Februar 2016 rund 63 Prozent der städtischen Stimmberechtigten ab.

Der Stadtrat interpretiert dieses Nein als Ja zur Entwicklung des Areals mit Autobahnanschluss – und dieses Ja könne das Parlament nun nicht einfach mittels eines Postulats wegwischen, betont Buschor.

Die Politik müsse einen solchen Volksentscheid respektieren, auch wenn das Parlament vom Volk gewählt sei. «Aber wir unterschätzen nicht, dass ein Teil der Bevölkerung dieses Projekt ablehnt. Diese Stimmen wollen wir ebenfalls einbringen.» Jetzt sei aber nicht der richtige Zeitpunkt, um die Planung «mittendrin» abzubrechen.

Mehrverkehr als grösste Herausforderung

Die Planung des Güterbahnhofareals mit Autobahnanschluss läuft also vorerst weiter. Gleichzeitig muss der Stadtrat im Bericht darlegen, wie die Entwicklung auch ohne Anschluss möglich sein soll. Eine sinnfreie Pflichtübung also?

Buschor widerspricht: «Wir bekommen nun noch einmal die Gelegenheit aufzuzeigen, warum wir dieses Projekt verfolgen und welche Ideen wir haben.» Im Rahmen der Testplanung habe ein Team aufgezeigt, wie das Areal ohne Autobahnanschluss entwickelt werden könnte. «Darauf können wir zurückgreifen.»

Die Resultate der Testplanung für das Areal habe der Stadtrat im Übrigen sehr kritisch beurteilt. «Uns ist auch bewusst, dass es verschiedene Herausforderungen gibt, die noch nicht gelöst sind. Und die grösste Herausforderung ist nicht das Entwickeln der Insel Güterbahnhofareal. Sondern deren Anknüpfung an die umliegenden Gebiete», sagt der Baudirektor.

Was übersetzt nichts anderes heisst, als Lösungen für den Mehrverkehr, den der Autobahnanschluss in jenem Teil der Stadt auslösen würde, zu finden. Erst wenn diese Lösungen vorlägen, sei «eine Gesamtabwägung» möglich.

Das letzte Wort wird das Volk haben

Das letzte Wort wird aber ohnehin wieder das Stimmvolk haben. Für das Projekt sieht das kantonale Strassengesetz eine Vernehmlassung bei der entsprechenden politischen Gemeinde vor. Und liegt der Betrag des Projekts – wie in diesem Fall – über drei Millionen Franken, braucht es gemäss Gemeindeordnung der Stadt St.Gallen einen Parlamentsentscheid. Dieser untersteht dem fakultativen Referendum.

Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Stadtparlament ist davon auszugehen, dass es zu einem Ratsreferendum und somit zu einer Volksabstimmung kommen wird. Abgesehen davon müsse zuvor auch der Stadtrat im Rahmen des Vernehmlassungsbeschlusses, der in der zweiten Jahreshälfte 2024 zu erwarten ist, über das Projekt befinden, sagt Buschor. «Deshalb wollen wir jetzt nicht ein unzeitgemässes Nein zum Autobahnanschluss nach Bern kundtun.»

Jetzt mitreden: 2 Kommentare
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
Markus Tofalo,  

Seite 2016 ist viel passiert: - Die Schaffung eines Fonds für die Nationalstrassen und den Agglomerationsverkehr (NAF) ein Jahr später änderte die finanzielle Ausgangslage des Bundes drastisch. Plötzlich ist genug Geld vorhanden. - Der Klimawandel wurde inzwischen einer breiten Bevölkerung bewusst. Die Bewegung «Fridays for Future» und «Klimastreik Schweiz» entstanden erst Ende 2018. - Gegen das Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung wurde vom Gewerbe, SVP, FDP und CVP (heute Die Mitte) die «Mobilitätsinitiative» eingereicht. Diese wurde 2018 an der Urne mit 69% Nein abgelehnt. - Die Zusammensetzung des Stadtparlaments hat sich 2020 geändert. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Parteien, welche die Teilspange befürworteten, nicht auch deswegen Sitze verloren haben. - Auf Druck der beiden Initiativen des Vereins «umverkehR» wurde vom Stadtparlament ein Gegenvorschlag angenommen, welche die eingeschlagene Verkehrspolitik stützt - Die Testplanung zum Anschluss im Güterbahnhof hat aufgezeigt, dass der Autobahnanschluss am Güterbahnhof zu «zusätzlicher Versiegelung von Flächen zur Hitzeinsel-Bildung» beiträgt und die Verkehrsträger zulasten «des Fuss- und Veloverkehrs sowie des öffentlichen Verkehrs» verschiebt, «was den Zielen des städtischen Mobilitätskonzeptes 2040» zuwiderläuft. Es konnte «keine Lösung für eine qualitative städtebauliche Integration des Anschlusses Güterbahnhof (...) gefunden werden.»

Marcel Baur,  

Ich stimme David zu. Es bleibt aber eine Frage offen. Was passiert wenn die Stadtbevölkerung via Abstimmung Nein zum Anschluss sagt? Legen Bund und Kanton das Vorhaben dann auf Eis? Oder ziehen sie es trotzdem durch? Wäre dies der Fall, übernehmen die beiden die Kosten für die flankierenden Massnahmen? Oder verhindern sie eine städtische Abstimmung bereits im Vornherein, indem sie den Kostenanteil unter 3 Millionen halten? Das Versprechen einer städtischen Abstimmung ist äusserst vage. Es ist auch nicht klar, wie eine Abstimmungsfrage formuliert ist. Geht es nur um den städtischen Anteil? Oder erlaubt man der Stadtbevölkerung das Projekt gleich als Ganzes zu beerdigen? Angesichts der Interpretation der Abstimmungsfrage aus dem Jahr 2016 kann man sich hier auf nichts verlassen. Es bleibt nichts anderes übrig, als konsequent und an allen Fronten gegen das Vorhaben zu kämpfen.

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 5

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 5: Emil Brun­ner – «Berg Kind Welt», Ra­pid Open­air und Kul­tur­ufer. 

Von  Redaktion Saiten
DSC05051 Kopie copy

FC St.Gal­len vs. FC Zü­rich 2:1 – Ers­te drei Punk­te im Tro­cke­nen

Der Spa­gat zwi­schen eu­ro­päi­schen Näch­ten und bie­de­rem Su­per­league All­tag ist oft schwer. So auch heu­te. Ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung und die rich­ti­gen Wech­sel in der zwei­ten Halb­zeit rei­chen aber für die ers­ten drei Punk­te der Sai­son. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bren­nen­de Wa­den und leuch­ten­de Kat­zen

In leich­ten Pas­tell­tö­nen und dunk­len Öl­far­ben setzt sich der deut­sche Künst­ler Mar­cel Hüpp­auff mit dem Pro­fi­rad­sport aus­ein­an­der. Da­bei tre­ten in sei­ner Schau im Chambre Di­rec­te-Schubi­ger in St.Gal­len nicht nur Men­schen, son­dern auch Kat­zen in die Pe­da­le.

Von  Vera Zatti
IMG 0330