, 28. März 2018
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Saiten im April: Brauchts uns noch?

Wie verändert sich unsere Arbeit heute? Nimmt die Maschine uns Arbeit bloss ab oder nimmt sie sie uns weg? Ein Heft zur Zukunft der Arbeit. Ausserdem: Buenos Aires, Pyrit, Widmers Weltausstellung und Totalüberwachung im Kinok.

Das Coverbild zeigt Maria Guţă, die Bilder im Titel sind von Vincent Fournier.

Choreografinnen und Choreografen konnten 2013 aufatmen: In einer Oxford-Studie schafften sie es auf Platz 13 der sichersten Jobs. Seither hat sich im Kulturprekariat jedoch nichts verändert: Die freie Szene kämpft nach wie vor um freien Raum,
der Tanz findet in den Feuilletons weiterhin kaum statt, der Berufswahl Tänzer/in wird noch immer oft entgegnet: «Und, wa machsch nochene?» Kein Wunder: Die Studie befasste sich nicht mit dem Ist-Zustand, sondern mit der Zukunft. Genauer: der Zukunft der Arbeit, Arbeit 4.0, also der Verschiebung von der Wall Street zum Silicon Valley,
der Arbeitswelt der von sich lernenden Maschinen und der automatisierten Automatisierung – in der der Mensch bald überflüssig wird?

Das Schreckensgespenst der Verdrängung von Arbeitsplätzen durch den technologischen Fortschritt ist so alt wie die maschinenstürmenden Ludditen. Die Befürchtungen sind immer noch begründet: Zwei Drittel der Jobverluste in der industriellen Produktion im letzten halben Jahrhundert sind auf den technologischen Wandel zurückzuführen. Die eingangs erwähnte Studie und ihre Schreckensliste der bedrohten Berufe sind jedoch mittlerweile umstritten. Das Problem: Die vierte industrielle Revolution ist anders, umwälzender, ihre Folgen unberechenbarer.

Künstliche Intelligenz ist kein Kind unserer Zeit. Der Aufstieg der K.I. hat mit drei Dingen zu tun: Erstens: die schnellere Rechenleistung, zweitens: Unmengen an Daten, die wir – drittens – freiwillig mit den milliardenschweren Hauptinvestoren der neuen Technologien teilen: Google, Facebook, bald in der Schweiz auch Amazon.

Maschinen führen nicht mehr nur aus, sondern lernen zu lernen. Sie erkennen Millionen Mal mehr Muster wie Menschen. Wir verstehen die Algorithmen nicht
 mehr, die durch Deep Learning geschrieben wurden. Arbeit 4.0 wird unsere Gesellschaft grundlegend verändern.

In diesem Heft wagen wir uns aber nicht auf Utopien und Dystopien heraus, sondern schauen im kleinen Kreis: Wie verändert sich unsere Arbeit heute? Nimmt die Maschine uns Arbeit bloss ab oder nimmt sie sie uns weg? Eine Ex-Kassiererin erzählt, wie sie den Einzug der Selfscanning-Kassen erlebt hat. Eine Musikalienhändlerin und ETH-Ingenieure geben Auskunft. Philipp Bürkler fragt beim lokalen Tech-Vorzeigestartup nach, wie der gläserne Kunde von morgen durchleuchtet wird. Ina Praetorius findet, dass es schon lange Zeit ist, der unbezahlten Arbeit die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Corinne Riedener fragt
 bei Soziologe Stefan Paulus und Wirtschaftsinformatiker Hans-Dieter Zimmermann nach, wie die Gewerkschaften auf den Wandel reagieren müssten, und Anne Meyer erzählt von ihrem Schaudern, wenn sie an Künstliche Intelligenz denkt – wann hört die Maschine auf, wo der beginnt Mensch? Diese Frage interessiert auch den Pariser Fotografen Vincent Fournier, dessen Bilder Versuchsanordnungen zeigen: Wann schaudert uns die Ähnlichkeit humanoider Roboter, wann verspüren wir Empathie? Was
sagt unser Verhältnis zu Robotern über uns und unsere Kultur aus?

Weiter im Heft: viel Grün von Fotograf Michael Bodenmann aus Buenos Aires, Musik von Pyrit und Hopes & Venom, Widmers Karikaturen und ein hochaktueller Film über algorithmisierte Polizeiarbeit im Kinok.

Claudio Bucher

 

Der Inhalt:

Reaktionen / Postionen
Redeplatz 
mit Nathalie Bösch
Hässig von Nadja Keusch
Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller
Blickwinkel von Daniel V. Keller
Mensch Meyer
 von Helga und Janine Meyer

Arbeit 4.0

Blöd simmer nöd
Self-Checkout: Erfahrungsbericht einer Kassiererin
.
notiert von Oliver Kerrison

Der gescannte Kunde
Individualisierte Werbung und was ein St.Galler Startup damit zu tun hat
.
von Philipp Bürkler

Persönlich, nicht personalisiert
Analog überleben im Musikhandel? Ruth Steinestel kann es.
notiert von Peter Surber

Im unheimlichen Tal

Vincent Fourniers Fotoserie The Man Machine.

Das rote Nilpferd oder echte Menschen
Über das mehr oder weniger wohlige Schaudern beim Gedanken an Künstliche Intelligenz.
von Anne Meyer

Besser als wir?
ETH-Ingenieure und ihre Roboter-Kollegen.
von Julian Surber und Franziska Ryser

«Lohnarbeit wird zum Privileg»
Soziologe Stefan Paulus und Wirtschaftsinformatiker Hans-Dieter Zimmermann im Interview.
von Corinne Riedener

Arbeit ist Care
Es ist Zeit für eine politische Debatte.
von Ina Praetorius

Ludwig Hohl: Vom Arbeiten

Das Coverbild zeigt Maria Guţă.

Perspektiven

Zelleneinschluss: Abdou Ndiaye wartet auf seine Ausschaffung.
von Silvan Rechsteiner

Ein Stück weit Pionier: Skispringer Walter Steiner.
von Wolfgang Steiger

Serie zu Europa – Teil 3: Wirtschaft und ihre Krisen.
von Simon Graf

Flaschenpost aus Buenos Aires.
von Michael Bodenmann

Kultur

Nacktsenfie und Essigburken: Widmers Weltausstellung.
von Peter Surber

Control: Pyrits Zweitling an der Kippe zur Menschmaschine
von Corinne Riedener

73 Prozent Terrorist: Die ganze Lok wird überwacht.
von Claudio Bucher

Plafonierung der Kulturgelder: Wo bleibt der Widerstand?
von Andreas Kneubühler

Sag Schibbolet: Grenzen im jüdischen Museum Hohenems.
von Kurt Bracharz

Mein Kampf: Regisseur Serdar Somuncu im Interview.
von Veronika Fischer

Kulturparcours

Zwei Gedichte im April
von Claire Plassard und Florian Vetsch

Mixologie
von Niklaus Reichle und Philipp Grob

Am Schalter im April: Alternativen zum Little WEF

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Kreuzweiseworte
Pfahlbauer
Boulevard

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