Kategorie
Autor:innen
Jahr

Saiten im April: Hallo Velo!?

Ein Heft über Velopolitik, Sammler und Pendler, fliegende Räder und emanzipierte Radlerinnen. Auf in den Velofrühling! Ausserdem: Klimafrühling mit David Fopp und Bücherfrühling mit Jurassica, Rosenwasser und Maya Olah.
Von  Redaktion Saiten , 
Bilder zum Titelthema: Lika Nüssli und Herbert Weber

Veloüberdosis gibts bei mir eigentlich fast nicht. In den letzten Wochen wars allerdings nah dran: morgens selber aufs Velo, danach Saitenarbeit an diesem Heft und abends die Aufzeichnungen der ersten Stassenrennen dieser Saison gucken, Omloop Nieuwsblad, Strade Bianche, Paris–Nizza, Tirreno Adriatico. Und wenn diese Nummer im Druck ist, gibts zur Belohnung Mailand–San Remo und eine lange Ausfahrt, sofern das Wetter verhebt.

Ich bin mit Radsport aufgewachsen, war xmal an der Tour de France. Anfangs noch mit Zelt und klapprigem VW-Bus, später mit dem Wohnwagen standen wir in den Serpentinen der Alpe d‘Huez oder des Mont Ventoux und warteten aufgeregt auf die Ausreisser, ihre Verfolger und das keuchende Peloton. Wir wussten, wann die ersten kamen, schliesslich hockten wir den halben Tag grillend vor unserem kleinen Fernseher – wenn die Antenne denn wollte. Diese Sommerferienabstecher an die Tour gehören zu meinen schönsten Erinnerungen. Auch darum fahre ich heute so oft es geht Velo. (Und ja, alles, was man über die verrückten holländischen Fans sagt, stimmt.)

Das ist die sportliche Seite. Doch das Velo ist so viel mehr: Alltagsmaschine, Ausflugsvehikel, Arbeitsgerät. Und vor allem: autonom und klimaschonend. Oder wie die britische Schriftstellerin, Philosophin und Gendervordenkerin Iris Murdoch einst schrieb: «Das Fahrrad ist das zivilisierteste Fortbewegungsmittel, das wir kennen. Andere Transportarten gebärden sich täglich albtraumhafter. Nur das Fahrrad bewahrt sein reines Herz.»

Mit Corona hat das Velo einen Boom erlebt, vor allem die elektrifizierte Variante, und das ist gut so, auch wenn velosexuelle Zungen behaupten, das E-Bike sei eine mittlere Plage. Andere behaupten, das E-Bike sei DIE Erfindung dieses Jahrhunderts. Fakt ist jedenfalls: Es ist Bewegung auf den Strassen. Höchste Zeit also für ein Saiten-Veloheft – das zweite. Das erste ist auf den Monat genau neun Jahre her. Mit Texten über Velo- Polo, eine Velotour für Lebensmüde und die Velopolitik.

In dieser Ausgabe geht es um St.Galler Radball-Legenden, um den Velohandel zwischen Taiwan und Kreuzlingen, der völlig am Anschlag ist, um Velopendler, Flugvelos und die Veloschrübler in Rehetobel, um die Abschaffung der VelokulturTM und – obwohl oder gerade weil es ziemlich «männert» im Titelteil – um das Velo als Emanzipationsmaschine. Und natürlich um die St.Galler Velopolitik. Diese schneidet, wie schon vor neun Jahren in Saiten zu lesen, nicht gerade gut ab im Rennen mit anderen Regionen. Die Behörden müssen jetzt einen Gang höher schalten, wollen wir die goldige Verkehrszukunft nicht aus dem Besenwagen heraus bestaunen. «The Revolution Will Not Be Motorized», wies bei den Velobewegten so schön heisst.

Ausserdem im bewegten April: das Interview mit David Fopp, der die Scientists for Future gegründet hat, eine eritreische Familie in Not, die Erker-Galerie im Museum, ein heisser Bücherfrühling und die Flaschenpost aus Bolivien gegen Gewalt an Frauen.

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

Reaktionen / Positionen
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Wo’s wehtut
Redeplatz mit Karl Schimke
Stimmrecht von Samantha Wanjiru
Wo’s guttut

Hallo Velo!?

Bald kommt der Besenwagen: Konzepte wären da, aber bei der Umsetzung haperts. Die St.Galler Velopolitik kommt nicht richtig ins Rollen. Von Corinne Riedener

Eine Ressourcenfrage: Stadt und Kanton wehren sich gegen die Kritik, dass es nicht vorwärts gehe. Von Corinne Riedener

Einen Tritt voraus: Michael Liebi von der Berner Fachstelle Fuss- und Veloverkehr über die erfolgreiche Velooffensive der Bundesstadt. Von Corinne Riedener

VelokulturTM abschaffen: eine fast ernstgemeinte Polemik. Von Sandro

8000 Kilometer pro Jahr: Wie Martin Lieberherr und sein Velofreund beim Velopendeln ihre Köpfe lüften. Von Urs-Peter Zwingli

Velos sind das neue Toilettenpapier: Die Herausforderungen für den Velohandel zwischen Taiwan und Kreuzlingen. Von Emil Keller

Osterwalders, die Tschechen und die Jury: Erinnerungen an die Radball-Hochburg St.Gallen. Von Roman Hertler

Die Schrüübler von Rehetobel: Im Velomuseum hat jedes Vehikel seine eigene Geschichte. Von Peter Surber

Weg mit dem Korsett: Das Velo als Empanzipationsmaschine – eine Spurensuche. Von Esther Banz

Ein fliegend’ Herz: Gustav Mesmer, 35 Jahre lang in der Psychiatrie, erfand dutzende Flugvelos. Von Holger Reile

Bildstrecke: Lika Nüssli und Herbert Weber

Perspektiven

Flaschenpost aus dem bolivianischen Hochland, wo über ein Gesetz gegen häusliche Gewalt debattiert wird. Von Pascal Frischknecht

Interview mit dem St.Galler Autor und Klimaaktivisten David Fopp über die Werkzeuge für eine gesellschaftliche Umgestaltung. Von Florian Vetsch

Eine Eritreerin und ihre Tochter erhalten kein Asyl. Haben die Behörden gegen die UNO-Kinderrechtskonvention verstossen? Von Roman Hertler

In einem Sammelband erzählen elf Ostschweizer UMA von ihrer Flucht in die Schweiz und vom Leben im fremden Land. Von Peter Surber

Kultur

Notizen eines seltsam riechenden Sommers: Jessica Jurassicas Debütroman «Das Ideal des Kaputten». Von Veronika Fischer

Ein queeres Magazin und Libby Jones’ Handbuch «Striptease daheim» sind die ideale Bettlektüre im Fuckdown. Von Veronika Fischer

«Vati»: Nach ihrem Erfolgsbuch «Die Bagage» über das Leben der Grossmutter erzählt Monika Helfer jetzt vom Vater. Von Karsten Redmann

Wortlaut digital (I): Die junge St.Galler Autorin Maya Olah ist eine der Entdeckungen. Von Eva Bachmann

Wortlaut digital (II): Werner Rohners Roman «Was möglich ist» über drei Frauen, die aufbrechen. Von Gallus Frei-Tomic

Gerechtigkeit für die «Wandas»: Bettina Oberli macht Ausbeutung in der Pflege zum Thema einer Kino-Tragikomödie. Von Emilia Sulek

In der St.Galler Erker-Galerie wurde ein Stück europäische Geistesgeschichte geschrieben. Das Kunstmuseum erinnert daran. Von Peter Surber

Teilen, tauschen, verzichten: Das Kunst(zeug)haus Rapperswil-Jona zeigt mit «Sharity» Kunst zu einem brisanten Thema. Von Kristin Schmidt

Mit «Dreams & Nightmares» liefert der Rheintaler Dionys Müller den Soundtrack für die eigene Lockdownstube. Von Roman Hertler

Parcours: Auf nach Saint City und ins Zeughaus Teufen.

Abgesang

Kehls Kompass
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1