Und plötzlich ist sie da, die Zombie-Apokalypse. Dabei stünden doch der Frühling und der Klimawandel vor der Tür. Und tausende von Geflüchteten an Europas Grenzen… So schlimm wie die Zombie-Apokalypse ist das Coronavirus natürlich lange nicht, aber in diesen Zeiten fühlt sich mensch doch sehr an gewisse Bücher und Serien erinnert. Nur dass dort die Folgen für die arbeitenden Klassen und die Volkswirtschaft selten ein Thema sind, sondern eher schaurig-schöne Schockmomente und leichtbekleidete Damen, die kreischend dem Tod zu entrinnen versuchen.
Klar ist: Sars-CoV-2 ist die pure Überwältigung. Alles steht still beim Redaktionsschluss für dieses Heft. Zum Agieren fehlt uns als Gesellschaft die Zeit, wir können nur reagieren und von Tag zu Tag das Nötigste klären. Wichtige Fragen – etwa wem die Pandemie nutzt, wer dankbar Trittbrett fährt, was sich im Gesundheitswesen ändern müsste, ob die bundesrätlichen Massnahmen en detail getaugt haben, welche Überwachungsgelüste im Zuge dieser Krise gestillt werden, was die Isolation mit der Psyche macht oder welche volkswirtschaftlichen Folgen der Corona-Stillstand mittel- und langfristig bringt – wird man erst in den nächsten Wochen und Monaten beantworten können. Vielleicht.
«Am 29. März wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt, das heisst, die ganze Misere dauert 60 Minuten weniger lang. Jibbiiiie!» Das schreibt der freischaffende Schauspieler Romeo Meyer am 17. März auf Facebook. Wie recht er hat. Viele werden an den Rand der Existenz kommen, wenn nicht rasch Hilfspakete geschnürt werden, gerade auch die Kulturschaffenden und Selbständigerwerbenden. Auch für Saiten ist die Situation nicht einfach. Die Inseratelage ist prekär, der Aprilkalender gekübelt – zumindest im Heft. Wir versuchen jetzt, den Onlinekalender, so gut es geht, à jour zu halten. Und hoffentlich bald wieder mit Anlässen zu füllen.
Ursprünglich war im April ein kritisches Heft zum St.Gallen Symposium geplant, das – wie alles andere auch – Mitte März abgesagt wurde. Jetzt ist es das Virus. Ein Experiment, denn es kann eigentlich nur schief ge-hen, wenn ein Monatsmagazin über ein Thema berichtet, das die Welt jede Sekunde in Atem hält und sie von unten bis oben umkrempelt.
Trotzdem: Marguerite Meyer wirft einen Blick auf die Folgen für die Ostschweizer Industrie, Silvano Moeckli erklärt die staatspolitischen Kniffe einer «ausserordentlichen Lage», Peter Surber versucht eine «Chronologie dieser nie dagewesenen Situation», Roman Hertler fragt Paul Rechsteiner nach Einschätzungen zum Gesundheitswesen, Urs-Peter Zwingli nimmt sich die Krisenkommunikation vor und die Schriftstellerin Laura Vogt schreibt daheim gegen die Isolation an. Um die Leere im Kulturteil aufzufangen, haben wir unsere Freundinnen und Freunde gebeten, uns ihre Tipps für die heimische Quarantäne zu schicken – da ist einiges zusammengekommen, vielen Dank! Garniert ist dieses Coronaheft mit Stimmen aus dem Internet, selbstverständlich anonymisiert, aber alle so, wie sie die Saiten-Grafik in den Sozialen Medien gefunden hat. Alles weitere: laufend und virenfrei auf saiten.ch.
Ausserdem: Das Nichtwahlkampf-Interview mit Regierungsratskandidatin Laura Bucher, die gezeichnete Flaschenpost von Lika Nüssli aus Belgrad und die neue App, die Geflüchtete mit der hiesigen Bevölkerung zusammenbringen soll. Wenn dann die Ausgangssperre wieder aufgehoben ist. Hebed Sorg und bleibt solidarisch!
Corinne Riedener
Reaktionen/PositionenRedeplatz mit Rahel RöthlinStimmrecht von Farida FerecliNebenbei gay von Anna RosenwasserWarum? von Jan Rutishauser
Im Bann des Virus. Mehr als ein «Vielleicht» gibt es nicht in diesen Zeiten – Chronik einer nie dagewesenen Situation.Von Peter Surber
Die Ängste. Und die Chance.Von Jeanne Devos
Tasten // Notizen.Von Laura Vogt
Die Stunde der Exekutive: Ausserordentliche Lagen im Bundesstaat.Von Silvano Moeckli
Die Kunst der Krisenkommunikation.Von Urs-Peter Zwingli
Ein temporärer Schock: Das Coronavirus ist auch eine Belastungsprobe für die Wirtschaft.Von Marguerite Meyer
«Wir müssen nicht nur das Gesundheitssystem überdenken»: Paul Rechsteiner im Corona-Interview.Von Roman Hertler
Sve u redu – alles in Ordnung? Eine gezeichnete Flaschenpost aus Belgrad.Von Lika Nüssli
Antritt: Laura Bucher, St.Galler SP- Regierungsratskandidatin, im Interview über Gesundheitspolitik und den Zustand ihrer Partei.Von Roman Hertler
Abgang: Der St.Galler Kantonsbaumeister Werner Binotto geht in Pension. Und erklärt die Liegenschafts-Strategie des Kantons in der Hauptstadt.Von René Hornung
Serien, Bücher, Sounds…: 27 rettende Tipps für das Überleben in der Kultur- Quarantäne.
«Volunteer»: Der Dokfilm über Schweizer Flüchtlingsretter – momentan nicht im Kino.Von Geri Krebs
«Zwischenwelten»: Thomas Karrers Recherche-Film über das Geistheilen.Von Hanspeter Spörri
Jolanda Spirig erzählt in «Hinter dem Ladentisch» eine Kindheit in den 40er- und 50er-Jahren.Von Peter Müller
Gewalttätige Männer, traumatische Familien: Dragica Rajcics verstörender Gedichtroman «Glück».Von Peter Surber
Für den Winter ohne Schnee: «Schneegedichte», der neue Lyrikband von Lisa Elsässer.Von Rainer Stöckli
Abgesang
KioskKellers GeschichtenPfahlbauerComic
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.