Saiten im Dezember: Belastungspakete
Des letzte Heft des Jahres ist da! Saiten erkundet das Dickicht der Sparmassnahmen bei Bund und Kantonen und spüren den Auswirkungen auf die regionale Kultur nach. Ausserdem im geschenkten Dezember: 25 Poetry Slam St.Gallen, neue Musik von Dachs und Akryl und eine nigelnagelneue Kolumne.
Für die Bebilderung dieses Schwerpunkts haben Kulturschaffende aus der Region eine Carte blanche erhalten: Katalin Deér, Anna Zimmermann, Marc Hansjörg Lieberherr und Shadowplay (Bild: Katalin Deér)
Während alles langsam, aber sicher dem alljährlichen Vorweihnachtskonsum verfällt und auf Geldverprassen getrimmt ist, setzt der Staat den Rotstift an. Sowohl der Bund als auch die Kantone St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden kauen an ihren neusten Sparpaketen. Auch die Kultur muss Federn lassen, daran führt offenbar kein Weg vorbei. Aus Sicht der Kulturschaffenden und des geneigten Publikums können die derzeitigen Sparentscheide nur bedauert werden.
Auch wenn die Kantone ihre Kulturausgaben vermehrt aus dem ordentlichen, durch Steuergelder finanzierten Budget in den Lotteriefonds auslagern: Der Verteilkampf um Kulturfördergelder wird sich verschärfen. Dies zum einen, weil der Staat offensichtlich weiter sparen und Steuergeschenke an die Habenden verteilen will, und zum anderen, weil sich die Anzahl Fördergesuche stetig erhöht und die zunehmende Professionalisierung im Kulturbereich auch dazu führt, dass grössere Beträge für grössere Projekte angefragt werden. Müssen die Künstler:innen halt einfach wieder etwas bescheidener projektieren? Oder anders gefragt: Sollen sie weiterhin am Rand der Prekarität leben und arbeiten und lieber bei ihren Honoraren und ihrer Altersvorsorge sparen als bei der Realisierung ihrer Projekte, wie sie es heute tun?
Auf solche Grundsatzfragen hat dieses Heft keine Antworten parat. Wir haben in unserer Recherche zuerst einmal versucht aufzudröseln, wo Bund und Kantone in der Ostschweizer überhaupt Kulturgelder einsparen wollen. Sich dabei nicht im Zahlensalat und im subsidiaritätsbedingten Zuständigkeitsgerangel zu verheddern, ist kein leichtes Unterfangen. Ab Seite 14 gibts etwas Licht ins Dunkel des in Teilen ziemlich intransparenten Kulturpolitdschungels.
Ausserdem im geschenkten Dezember: 25 Jahre Poetry Slam St.Gallen, das Interview mit der Schriftstellerin Zsuzsanna Gahse, die Flaschenpost aus Zimbabwe, neue Musik von Dachs und Akryl, die lohnenswerte Mini-Ausstellung des WOZ-Fotografen Florian Bachmann in Teufen, der Animationsfilm über John Heartfield, der sechste und letzte Beitrag der Serie «Fabriken schauen» und – nicht zuletzt – die nigelnagelneue Kolumne «Heppelers Bestiarium», in welcher uns der Künstler, Musiker und Autor Jeremias Heppeler auf einen Streifzug durch das kunterbunte Tierreich des Popkultur-Planeten Erde mitnimmt.
Saiten wünscht vergnügliche Lektüren, frohe Feste und gute Rutsche! Wir lesen uns im neuen Jahr wieder, dann in leicht angepasstem Layoutkleid. Verraten sei an dieser Stelle nur so viel: Es wird, zumindest fürs Auge, angenehm im Saiten-2026.
Roman Hertler
Positionen
Stimmrecht: Wie weit ist es nach Frankfurt?von Liliia Matviiv
«Vielleicht ist das jetzt mein letztes Buch» Redeplatz mit Zsuzsanna Gahse
(NEU!) Heppelers Bestiarium: Eat the richvon Jeremias Heppeler
24/7 Traumacore: If we make it through December, we'll be fine.von Mia Nägeli
Perspektiven
Feministisches Schweissen (Bild: Anna Zimmermann)
Mit dem Entlastungspaket 27 will der Bund sparen. Ein Blick in die 59 Massnahmen zeigt: Viele davon könnten der Schweizer Kultur schaden.von Daria Frick
Die Sparmassnahmen des Bundes wirken sich auf die Kulturförderpolitik der Kantone aus. Kommt hinzu, dass diese ihrerseits sparen..von Roman Hertler
Kultur
Vor 25 Jahren organisierte der Verein Slam Gallen seinen ersten Poetry Slam. Für das Jubiläum am 20. Dezember in der Grabenhalle kehren viele Slammer:innen von damals zurück auf die Bühne.von Kathrin Reimann
Finalabstimmung am zweiten Slam im Flon 2001
Vom eigenen kollektiven GedächtnisDer Ostschweizer Fotograf Florian Bachmann stelle eine Serie übers Erinnern im Zeughaus Teufen aus..von Daria Frick
Blumen aus MusikDie St.Galler Musikerin Akryl erobert mit ihrer Musik die Indie-Szene. Nun tauft sie im Palace ihre erste EP.von David Gadze
Liebe, Hass und PinocchioHassreden, die Angst vor öffentlicher Kritik oder Zwischenmenschliches: Das neue Dachs-Album.von David Gadze
Widerstand mit Schere und LeimKathrin Rothe hat mit Johnny and Me mehr als eine Hommage an den Künstler John Heartfield geschaffen.von Daria Frick
Fabriken schauen (VI): Neue Chancen für kalte Kamine.von René Hornung
Plattentipps: Analog im Dezember.von Lidija Dragojević, Tobias Imbach und Philipp Buob
Boulevard: Schnulzen, Kirsch – aber sicher kein Citrovon Josip Gossip
Abgesang
Kellers Geschichten: Silber
Comic von Julia Kubik: Das grosse Advent-Special 2025
Die Gagenempfehlungen des Musikbranchenverbandes Sonart kommen nicht überall gut an. Ausserdem im November: eine Tänzerin gegen Hitler, 40 Jahre Kinok, 30 Jahre Gambrinus, die neue Stadtgeschichte von Peter Stahlberger und die Neuauflage der Heie-Doku.
Die Debatte um den Wolf polarisiert die (Ost-)Schweiz. Und verändert die Arbeit der Hirt:innen. Ausserdem im Oktober: Der Bücherherbst mit acht Lesetipps für die kalten Tage, das Interview mit Roman Riklin anlässlich der Verleihung des Kunstpreises der St.Gallischen Kulturstiftung, drei Ausstellungen zum Zweiten Weltkrieg im Rheintal und das Debütalbum von Riana.
Wie schwierig bei Traditionen der Balanceakt zwischen Wandel und Stillstand ist, zeigen eine Reportage von der Alpfahrt auf die Sämtisalp und eine soziokulturelle Analyse auf das immaterielle Kulturerbe am Beispiel der Appenzeller Landsgemeinde. Ausserdem im September: Frontisten in der Ostschweiz, ein Filmfestival der Klimaseniorinnen, die Neueröffnung des Theaters 111, das neue Buch von Jessica Jurassica und das neue Album von Elio Ricca.
Das Kulturmuseum St.Gallen unter Direktor Peter Fux befindet sich derzeit in einem Spannungsfeld zwischen Neuausrichtung, kolonialem Erbe und Personalfragen. Ausserdem im Sommerheft: Wie der Frauenfussball in der Ostschweiz von der EM profitieren könnte sowie die unverzichtbaren Sommertipps.
Die Schweiz hat ein Problem mit der von Männern ausgeübten Gewalt an Frauen. Auch darum braucht es weiterhin Proteste, wie am 14. Juni. Ausserdem im Juniheft: Die Geschichte zweier St.Galler Nazifreunde und ein Rück- bzw. Ausblick auf die Festspiele – und weshalb sie in die Gallusstadt gehören.
Der grosse Schwerpunkt zur Eröffnung des Klanghauses, in Kooperation mit der Klangwelt Toggenburg. Ausserdem im Wonnemonat Mai: 40 Jahre Kunsthalle, ein St.Galler Geschäftsmann im Dritten Reich, ein neuer Morgen in der Kellerbühne und der Jazzfrühling.
Was kommt nach dem Tod? Was hatten St.Galler Geistliche mit den Nazis zu schaffen? Und was hat es mit Graubündens neuem Schnee auf sich? Alles nachzulesen im neuen Heft. Ausserdem im April: die Neue von Stahlberger, GAFFA in Arbon und Tüchel in Argentinien.
Die Jubiläumsnummer in Kooperation mit der Kantonsbibliothek. Ausserdem im belesenen März: Emil Abderhalden und andere Rassenhygieniker, die erste Design Week St.Gallen und Updates aus dem Dunant-Museum in Heiden, dem KAFF in Frauenfeld und dem Toggenburg.
Wie gehts weiter ohne Autobahnloch im Güterbahnhofareal? Wie weiss der Penis, in welches Loch er muss? Und wer hat eigentlich Ernst S. eingelocht? Alles nachzulesen in unserem Februarheft. Und noch allerhand mehr, zum Beispiel warum die Kyiver Tauben in kleinen Palästen leben.
St.Gallen kämpft mit Zentrumslasten. Was ist das überhaupt? Wie entstehen sie? Und wie muss die Stadt dafür vom Kanton und den Gemeinden entschädigt werden? Ausserdem im Janaurheft: Sohaila Alizadas Verarbeitung der Machtübernahme der Taliban, Band-Schwerpunkt No.3 und allerhand Kulturstoff.
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.