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Saiten im Dezember: Immunium® Akut

Kurzgeschichten, Wutausbrüche, Smalltalk und Tiefgang: 24 × Immunium® Akut für den fitten Dezember. Ausserdem: 40 Jahre Frauenhaus St.Gallen, der Baustellenbesuch im neuen Rümp und die Flapo aus Rom.
Von  Redaktion Saiten , 
Die Illustrationen im Titelthema sind von Joël Roth und Zéa Schaad.

1. Dezember 2019: Das ist das Datum, an dem der weltweit erste Corona-Fall bestätigt wurde. Gerade einmal ein Jahr ist seither vergangen. Und noch weniger lang, gut neun Monate ist es her, dass in Italien die ersten europäischen Opfer zu beklagen waren. Inzwischen gibt es kaum noch ein anderes Thema, privat und öffentlich. In nüchternem Wikipedia-Deutsch gesagt: «Da die Pandemie nahezu alle Bereiche des Lebens weltweit berührt, erfolgten nach und nach viele gesellschaftliche und politische Debatten.»

Stimmt natürlich. Über die Krankheit, über Fallzahlen, Impfstoffe, Abstandsregeln, Intensivbetten, Pflegenotstand, Triageregeln, Freiheitsrechte, Risikogruppen, Notkredite, Ausfallentschädigungen, Systemrelevanz und so weiter wird lautstark und nicht enden wollend diskutiert. Alles wichtig. Auch das Tabu Tod ist – zumindest ein bisschen – zum öffentlichen Thema geworden, mehr dazu in diesem Heft ab Seite 44. Worüber aber kaum oder nur privat geredet wird, ist die simple Frage: Was tut mir gut? Was stärkt mein Immunsystem? Was meint und soll überhaupt diese ominöse «Immunität»?

Saiten hat sich zum Jahresschluss ein Heft zur Immunstärkung vorgenommen. Tönt nach Vitamin D oder Echinaforce (auch wichtig…), ist aber weiter gedacht: Wir wollten Anregungen und Überlegungen aller Art zur politischen, gesellschaftlichen und individuellen Kräftigung des Immunsystems sammeln. Zusammengekommen sind 24 Beiträge aus allen möglichen Richtungen, ein Adventskalender der resistenten Art: Kurzgeschichten, Selbsterfahrungen, Appelle, Wutausbrüche, Tiefgang und Smalltalk, Rezepte und Rezeptverweigerungen. 24 Stimmen, 24 Seiten, eine geballte Dosis Immunium® Akut, garantiert mit Risiken und Nebenwirkungen, illustriert von Joël Roth und Zéa Schaad.

Weiter im (trotz ausgedünntem Kulturkalender) dickgepackten Heft: das Interview zu 40 Jahren Frauenhaus St.Gallen, Inspirationen zum Wohnen gestern und morgen, das neue Rümp, neuer Strom, neue alte Lieder und viel Lesestoff für lange, hoffentlich symptomfreie Dezemberabende.

Wer das richtige Türchen aufmacht, findet im Heft zum Beispiel diesen prächtigen Satz: «Eine Gesellschaft von lebendig Gebliebenen – ja, das wünsch ich mir.» Also: bleibt lebendig. Und nehmt euch – anderes Türchen auf – ab und zu «Zeit für ein kleines Stelldichein mit dem Stammhirn». Auch heiraten soll übrigens gut sein fürs schweizerische Polit-Immunsystem.

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen / Viel geklickt
In eigener Sache I
In eigener Sache II
Redeplatz mit Silas Hobi
Stimmrecht von Samantha Wanjiru
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser

24 × Immunium® Akut

Von Florian Vetsch, Julia Kubik, Christine Fischer, Franziska Ryser, Christoph Keller, Kaspar Surber, Roman Hertler, Jessica Jurassica, Laura Vogt, Bettina Dyttrich, Peter Müller, Marc Jenny, Charles Uzor, Anna Rosenwasser, Wolfgang Steiger, Claudia Vamvas, Peter Surber, Ueli Vogt, Samantha Zaugg, Patrick Ziltener, Andreas Niedermann, Veronika Fischer, Daniel Kehl und Corinne Riedener

Perspektiven

«Arrivo con la mascherina verde»: Die erotische Flaschenpost aus Rom, wo die Bars und Restaurants um sechs schliessen. Von Eva Zuberbühler

Gesundheit oder Tod: Was das Sterben mit dem Leben zu tun hat. Und wie uns die Pandemie herumwirft zwischen Krisenmanagement und letzten Sinnfragen. Von Rolf Bossart

40 Jahre Frauenhaus St.Gallen: Die Mitgründerinnen Elisabeth Bossart und Luce Iten und die aktuelle Leiterin Silvia Vetsch im Interview. Von Marion Loher

Auf dem Weg zum performativen Haus: Mehr Abwechslung und Fantasie sind gefragt. Wohin geht der Wohn-Trend? Von René Hornung

Kultur

Baufieber statt Coronablues: Im Rümpeltum wird fleissig gewerkelt. Baustellenbesuch in St.Fiden. Von Roman Hertler

Textilkultur revisited: In Arbon spannen innovative Kunstschaffende und Textilfirmen zusammen. Von Nina Keel

«Radost» und Hekto Super: Neues vom Rapperswiler Autor und Musiker Frédéric Zwicker. Von Peter Surber

«(Aus)gewandert nach Georgien»: Ruth Wilis Tagebuch ihrer Fussreise ans Schwarze Meer. Von Peter Surber

Macht und Stimme: Sängerin Mona Somm über Mobbing am Theater und ihr Projekt «Play Schubert». Von Dieter Langhart

«Kinder auf der Flucht»: Ein neues Buch erzählt Fluchtgeschichten aus hundert Jahren. Von Eva Bachmann

«Die lächerliche Finsternis»: Das Theater St.Gallen erkundet mit Wolfram Lotz’ Stück Un-Möglichkeitsräume. Von Peter Surber

Parcours: Nachtkälber und Wolkenpferde, der stumme Jakov, melancholische Virtuosen und belarussische Protest-Fotografinnen

Abgesang

Kehls Kompass
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic

 

 

 

Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Bücherherbst: Réduit von Alexander Raschle

Hoff­nung in ei­ner ver­stei­ner­ten Welt

Von Richard Butz,
Bildschirmfoto 2026 10 28 um 16 11 18

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter