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Saiten im Februar: 50 Jahre Frauenstimmrecht

Ein Heft zur fast tatsächlichen Demokratie in der Schweiz seit 1971. Ausserdem: Reisen 1980 im Sudan, das Plädoyer für starke Netzwerke in der Post-Corona-Kultur, indonesische Ultras und ihre starken Frauenkurven und coronabedingt kein Kalender.
Von  Redaktion Saiten
Collage: Brenda Osterwalder

Es gibt die Leute, die sagen: «Feminismus gut und recht, aber können wir nicht einfach für Menschenrechte kämpfen?» (Meist sind es die gleichen, die sagen: «Ich sehe keine Hautfarben, nur Menschen.») Klar können «wir» das, aber es ist unaufrichtig, die Frauenrechte so unreflektiert in die lottrige Schublade der Allgemeinen Menschenrechte zu verfrachten. Es macht spezifische und spezielle Probleme unsichtbar, es leugnet die Tatsache, dass es die Frauen waren, die jahrhundertelang ausgeschlossen, unterdrückt und diskriminiert wurden, es verkennt die Realität des Frau*-Seins früher und heute. Der Feminismus trägt all dem Rechnung, deshalb muss Feminismus sicht-, hör- und spürbar sein.

Das ist und war immer wieder der Fall, so auch am Frauenstreik 1991 oder im Juni 2019, als erneut schweizweit mehr als eine halbe Million Menschen für Lohngleichheit, mehr Cash für Care und gegen Gewalt, Sexismus und Diskriminierung auf die Strasse gingen. Oder am 7. Februar 1971, als die Frauen endlich das Stimmrecht erhielten – auch das ein Meilenstein in der Schweizer Frauengeschichte. Allerdings: Die Geschichte der Frauen ist weder im historischen Kanon noch im kollektiven Gedächtnis ehrlich verankert. Frauen wie Helene von Mülinen, Emma Zehnder, Margarete Faas-Hardegger, Anna Fischer-Dünckelmann oder Maria-Lusia Imfeld-Gobbi haben kaum Platz in der Geschichtsschreibung, obwohl sie Grossartiges geleistet haben. Ihnen und ihren Mitstreiterinnen ist dieses Jubiläumsheft zu 50 Jahren Frauenstimmrecht gewidmet.

Marina Widmer, die Leiterin des Ostschweizer Archivs für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte, will diese kollektiven Gedächtnislücken füllen. Anlässlich des Jubiläums hat sie mit anderen die Ausstellung «Klug und kühn – Frauen schreiben Geschichte» auf die Beine gestellt. 84 Frauenportraits sind ab März im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen zu sehen, ausserdem eine Chronologie von 1830 bis heute zu den Themen Politik, Recht und soziale Institutionen. Mehr dazu im Interview ab Seite 20. Einige der portraitierten Frauen kommen auch in diesem Heft vor, zum Beispiel die erfolgreiche Verlegerin und Redaktorin Elise Honegger. Zudem im Titelthema: Arne Engeli erinnert an seine Mutter – und wo bleibt eigentlich die St.Galler Sappho?

Nebst dem Blick zurück treibt uns auch die feministische Gegenwart um. Jessica Jurassica erklärt uns Männerlogiken auf Twitter und warum sie sich eigentlich nicht, aber dann doch wieder für feministische Solidarität interessiert. Veronika Fischer aus Konstanz, wo die Frauen seit mehr als 100 Jahren in der Politik mitreden, ruft das Ende des traditionellen Familienbegriffs zugunsten von mehr Gleichberechtigung aus. Und selbstverständlich liefern wir auch die Antwort auf die Frage, was die logische Fortsetzung des feministischen Kampfs für das Frauenstimmrecht ist: der Kampf fürs Stimm- und Wahlrecht für alle in der Schweiz wohnhaften Menschen. Zur Krönung noch sechs bildliche Zugriffe aufs Titelthema: von Brenda Osterwalder, Armanda Asani, Hannah Raschle, Lika Nüssli, Sina Mazziotta und Julia Kubik.

Ausserdem im famosen Februar: Erinnerungen von Marlis Werz an ihre Reise 1980 in den Sudan, Georg Gatsas’ Aufruf für starke Netzwerke in der Post-Corona-Kultur, Kopftheater im Kreidefelsen und die indonesischen Ultras und ihre starken Frauenkurven. Aber, in der zweiten Welle und zum dritten Mal nach April und Mai 2020: kein Saiten-Kalender.

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

Reaktionen / Viel geklickt
Redeplatz mit Madeleine Herzog
Stimmrecht von Samantha Wanjiru
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Pandemisch

50 Jahre Frauenstimmrecht

Die logische Fortsetzung des feministischen Kampfs fürs Frauenstimmrecht ist der Kampf fürs Stimm- und Wahlrecht für alle. Von Corinne Riedener

Marina Widmer, Leiterin des Ostschweizer Frauenarchivs, über den Kampf der Frauen und ihre Ausstellung «Klug und kühn – Frauen schreiben Geschichte». Von Peter Surber

Das Jubiläumsjahr in der Ostschweiz – ein Ausstellungs-Überblick.

Elise Honegger, Verlegerin und Redaktorin der «Schweizer Frauen-Zeitung» im 19. Jahrhundert: ein Porträt. Von Peter Müller

Die Sappho-Statue, in St.Gallen einst gefeiert, gammelt in einem Pärklein vor sich hin. Künstlerin Martina Morger will das ändern. Von Roman Hertler

Auch Männer haben sich vor 1971 für das Frauenstimmrecht ins Zeug gelegt. Arne Engeli erinnert sich.

Narben, Quoten, Schnecken: Neue Publikationen und ein Leiterlispiel zum Jubiläum 50 Jahre Frauenstimmrecht. Von Peter Surber

In Deutschland wählen die Frauen seit mehr als 100 Jahren mit. Das traditionellen Bild, was eine Familie ist, hält sich aber trotzdem standhaft. Von Veronika Fischer

«Hey, isch si geil?» Warum mich Frauenstimmrecht und feministische Solidarität nicht sonderlich, aber dann doch interessieren. Von Jessica Jurassica

Perspektiven

Flaschenpost aus Hittisau im Bregenzerwald, wo der Schnee meterhoch liegt und der Lockdown die Kultur begräbt. Von Tobias Fend

Im Lastwagen durch die Wüste: Marlis Werz über ihre SSR-Reise 1980 im Sudan und den Wandel des «touristischen Blicks». Von Gabriele Barbey

Kultur

Raus aus der Falle: Künstler*innen spielten in den letzten Jahren ihre Rolle im kapitalistischen System perfekt. Nach der Pandemie geht es darum, Kultur neu zu denken und starke Netzwerke zu schaffen. Von Georg Gatsas

Bis zum bitteren Abgang: Göldin & Bit-Tuners neues Album UFF ist mehr als ein Kommentar zur Lage der Nation. Es wird in einem Kater enden. Im besten Fall. Von Corinne Riedener

Sonnenmusik: Das Projekt Noumuso will die Grenzen zwischen den Kulturen aufzulösen. Das Album Freequency of da Sun erscheint im Februar. Von Judith Schuck

Willkommen im Dämonenzirkus: Die EP Headache 101 von Neil.9 ist eine «Tour de Force» von Lo-Fi-HipHop über Industrial bis zu Elektropunk. Hört auf die Zeremonienmeisterin! Von Judith Altenau

Improvisationskunst, pandemiebedingt: Die Konzerte der Reihe Alte Musik St.Gallen im Februar sollen stattfinden, mit oder ohne Publikum. Auch die Bachstiftung führt wieder Kantaten auf. Die Alte Musik setzt auf neue Technologie. Von Bettina Kugler

Theaterszenen inmitten von Kunstwerken: Die Ausstellung «Città irreale» in der St.Galler Lokremise ist verschoben. Ein Gespräch mit Jonas Knecht, Anja Horst und Julie Paucker vom Schauspielteam des Theaters St.Gallen. Von Peter Surber

Willkommen in der Brigata Curva Sud: Der St.Galler Groundhopper Andrin Brändle hat drei Monate mit indonesischen Ultras verbracht und ein Buch mit zahlreichen Bildern über diesen Trip herausgegeben. Von Corinne Riedener

blick aus dem fenster: eine Kurzgeschichte von SAID

Kopfreisen

Boulevard

Abgesang

Kehls Kompass
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic

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