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Saiten im Februar: Zwei Jahre Krieg in der Ukraine

Sie sind in die Schweiz geflüchtet – Ukrainer:innen in St.Gallen erzählen. Ausserdem im Februar: Der Kanton St.Gallen wählt, Schriftsteller Jakob Senn wird 200, Pfahlbauer geht, Mia kommt und allerhand Kultur.
Von  Redaktion Saiten , 
Die Bilder zum Ukraine-Schwerpunkt hat Ueli Steingruber gemacht. Aus dem Fenster gucken Olena Starovoitenko und ihre Familie.

Wie doch die Zeit vergeht. Zwei Jahre ist es inzwischen her, seit Russland die Ukraine angegriffen hat. Plötzlich herrschte wieder Krieg in Europa. Ein Krieg, der uns auch betraf und immer noch betrifft, ganz abgesehen von Energieknappheit, steigenden Preisen für dies und das etc. Er betrifft uns auf einer menschlichen, humanitären Ebene. Doch seit dem 7. Oktober und der Gewalteskalation in Nahost ist der Krieg in der Ukraine in den Hintergrund gerückt, auch wenn ihn das WEF Mitte Januar kurzzeitig ins allgemeine Bewusstsein zurückholte.

Wie auch immer, zwei Jahre nach den schrecklichen Ereignissen vom 24. Februar 2022 richten wir in diesem Heft den Fokus auf die Ukraine – beziehungsweise auf die Menschen, die in die Schweiz gekommen sind. Wir erzählen die Geschichten zweier Familien, die nach St.Gallen geflüchtet sind. Allerdings unter unterschiedlichen Vorzeichen: Für Olena Starovoitenko und ihren Mann stand von Anfang an fest, dass sie sich hier eine neue Existenz aufbauen möchten. Für Iryna Petrychko hingegen war klar, dass sie dereinst in die Ukraine zurückkehren würde. Das tut sie demnächst, obwohl der Krieg noch dauert.

Niemand kann die Ereignisse vom 24. Februar 2022 besser in Worte fassen als jemand, der sie selber erlebt hat. Auch die Journalistin Liliia Matviiv flüchtete vor dem Krieg. Sie erzählt hier ihre ganz persönliche, erschütternde Geschichte von diesem Tag.

Anfang März wählen die St.Galler Stimmberechtigten den Kantonsrat und den Regierungsrat. Schon jetzt ist klar, dass die bürgerlichen Kräfte ihre grosse Mehrheit behalten werden. Etwas mehr Spannung versprechen die Regierungsratswahlen, wo sich immerhin acht Kandidat:innen um die zwei freien Sitze streiten. Die Auslegeordnung von Reto Voneschen gibt es ab Seite 24.

Im Kulturschwerpunkt rollt Peter Müller die Geschichte von Jakob Senn auf. Der Bauernsohn war Schriftsteller, Autodidakt, Gastwirt und vieles mehr. Dieses Jahr wäre er 200 Jahre alt geworden. Das Jubiläumsfest fällt üppig aus: Mit einer Neuauflage seines Buchs Hans Grünauer, einem Film, einem Theaterstück und einer Ausstellung. Mehr dazu ab Seite 31.

Ausserdem im verlängerten Februar: Das auf einen Tag verkürzte und um zwei Bühnen geschrumpfte Nordklang-Festival, die Kulturkosmonauten und ihr inklusives Theater, quasi passend zum Valentinstag Veronika Fischers Buch über die Liebe, ein Film über Berge und ihre Verbindung zu den Menschen. Und wir begrüssen Mia Nägeli, die den Platz von Anna Rosenwasser eingenommen hat und in ihrer Kolumne «24/7 Traumacore» über Traumata und Pop schreibt.

In diesem Heft müssen wir uns schweren Herzens von einem langjährigen und besonders liebgewonnenen Begleiter verabschieden: Charles Pfahlbauer jr. Er hatte seit unfassbaren 23 Jahren das letzte Wort in jeder Saiten-Ausgabe. Nun tritt er ab – und hinterlässt eine Lücke, die wohl niemand so schnell füllen können wird. Wir wollen an dieser Stelle noch nicht allzu viel verraten, aber demnächst werden wir ihn gebührend würdigen. Machs gut Charlie – und danke für alles! Und wer ein paar wie auch immer geartete Abschiedsworte an Charlie richtet, nimmt an der Verlosung von ausgewählten Abschiedspreisen teil. Die Anleitung gibts im letzten Pfahlbauer-Text auf Seite 73.

Wie doch die Zeit vergeht.

David Gadze

 

Der Inhalt

Reaktionen/Positionen
Bildfang
Stimmrecht von Sangmo
24/7 Traumacore von Mia Nägeli
Redeplatz mit Kerem Adıgüzel

 

Perspektiven

Zwei Jahre Krieg in der Ukraine

Zwischen  zwei  Heimaten

Olena Starovoitenko und Nevzat Karapinar bauen sich mit ihren Kindern in St. Gallen ein neues Leben auf – und wollen hier bleiben. Für Iryna Petrychko stand hingegen von Anfang an fest, dass sie irgendwann in ihre Heimat zurückkehren würde. Ende Februar ist es so weit. von David Gadze

Olena Starovoitenko, fotografiert von Ueli Steingruber

 

Der Wohnraum wird langsam knapp

Immer noch kommen viele Ukrainer:innen in die Schweiz. Das stellt die Gemeinden vor Herausforderungen. Und der Widerstand von rechts gegen Geflüchtete nimmt wieder zu. von David Gadze

 

Vorher/Nachher

Erinnerungen an den 24. Februar 2022. von Liliia Matviiv

 

 

Die grosse Langeweile vor den Kantonsratswahlen

Am 3. März wird der St.Galler Kantonsrat neu bestellt. Spannung kommt vor diesem Wahlgang kaum auf. Hauptgrund sind die herrschenden Mehrheitsverhältnisse: Die Bürgerlichen sind dermassen übermächtig, dass auch die im besten Fall zu erwartenden Sitzverschiebungen nichts daran ändern können. von Reto Voneschen

Sichere Sitze, freie Sitze? Illustriert hat diesen Schwerpunkt David Walsh.

 

 

Flaschenpost aus Kairo: Würdest du dann die Musik aufdrehen und feiern? von Phil Battiekh

 

Kultur

Zwischen Stall, Webstuhl und Bibliothek

Jakob Senn (1824-1879) war nicht nur Schriftsteller, sondern zeitweise auch Gastwirt in St.Gallen. Ein bildungshungriger Bauernsohn und Autodidakt, der letztlich gescheitert ist. Jetz wird sein 200. Geburtstag multimedial gefeiert. von Peter Müller

Autodidakt, Schriftsteller und Gastwirt: Jakob Senn. (Collage: Saitengrafik)

 

Literatur
Es ist kompliziert…: Die Konstanzer Autorin und Philosophin Veronika Fischer hat ein Buch über die Liebe geschrieben. Mit dabei: Miley Cyrus und Aristoteles. von Corinne Riedener

 

Theater
Mission mischen: Die Kulturkosmonauten machen seit acht Jahren Ernst mit Kultur für alle. Auch das Theater St. Gallen geht einen Schritt Richtung Inklusion auf der Bühne. von Peter Surber

 

Musik
Offene Ohren, offene Zukunft: Das Nordklang-Festival bringt zum 16. Mal skandinavische Musik nach St. Gallen. 2024 fällt der Anlass aber etwas kleiner aus als bisher. von Philipp Bürkler

 

Kino
Auf den Berg hören: Dominique Margots Dokfilm Bergfahrt ist poetisch, lehrreich und bildgewaltig. Gut fürs Gemüt und dennoch brisant. von Corinne Riedner

 

Parcours: Arthur Simms, Israel/Palästina, Stadtgespräch, Contrapunkt und Diagonales Jazz

 

Gutes Bauen Ostschweiz (XVI): Neuer grosser Nachbar. von Nele Rickmann

 

Plattentipps: Analog im Februar

 

Abgesang

Kellers Geschichten
Pfahlbauer jr.
Comic von Julia Kubik

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,