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Saiten im Januar: Ab die Post.

So verschieden wir auch sein mögen, die Post verbindet uns. Nur einer von vielen Gründen für unser Titelthema im Januarheft. Ausserdem: Helfen in Algerien, fünfmal Heimspiel, katastrophale Asylpolitik und das Neuste aus der Saitenküche.
Von  Redaktion Saiten
Die Fotos zum Titelthema sind von Jiří Makovec. Oben: Imlay Street Red Hook, NY, 2007.

Irgendwer hat mal gesagt: Lange Briefe schreibt nur, wer keine Zeit hat, kurze Briefe zu schreiben. Heute muss man schon froh sein, wenn man überhaupt einen Brief bekommt, einen persönlichen, handgeschriebenen,
 nicht den Fackel vom Steueramt oder einer anderen Behörde. Aber die Zeit spielt trotzdem eine grosse Rolle im Postwesen: Sie wird nämlich immer knapper. Die Pöstlerinnen und Pöstler heute müssen in rasendem Tempo einsortieren, bündeln, zustellen.

Früher, als kleines Mädchen, wenn ich manchmal mit meinem Opa auf seine Tour im Rorschacherberg durfte, war es weniger stressig. Wir fuhren von Weiler zu Weiler, vom Eschlen über 
die Kräzeren ins Hasenhaus, und fanden an jedem Ort Zeit für einen kleinen Schwatz. Die Leute freuten sich, wenn sie uns sahen, man tauschte sich kurz aus, manchmal brachten wir jemandem die Eier vom Nachbarn weiter unten, vom einen Bauern bekam ich immer eine Schokolade. So viel zur romantischen Seite der Post.

Heute funktioniert das Business anders, anonymer. Die Post musste auf die Digitalisierung, auf den Rückgang der Briefpost, die Explosion
der Paketmenge und andere Entwicklungen reagieren. Im Tessin transportieren Drohnen Laborproben von einem Spital zum andern, seit Sommer 2016 fährt in Sion ein selbstfahrendes Postauto-Smartshuttle, und auch in anderen Bereichen sieht es tendenziell nach Stellenabbau aus. Nicht zuletzt darum ist und bleibt die Post ein emotionales Thema, das zeigt auch der Postauto-Skandal vom vergangenen Sommer, der meterhohe Wellen geworfen hat. Oder das Thema Postagentur: Bis 2020 will man weitere Poststellen schliessen bzw. in Agenturen mit eingeschränktem postalischen Dienstleistungsangebot umwandeln. Damit haben viele anfangs Mühe, vor allem ältere Menschen müssen ihre Gewohnheiten umstellen. Aber immerhin: Rund sechs von zehn Personen sind mit der Postversorgung in der Schweiz im Allgemeinen «in hohem Mass zufrieden». Das ergab eine 2017 publizierte repräsentative Umfrage des Bundesamts für Kommunikation BAKOM.

Eines wird sich so schnell nicht ändern: So verschieden wir auch sein mögen, die Post verbindet uns. Nur einer von vielen Gründen für dieses Heft. Wir haben mit Felix Bischofberger, einem der ersten Postagenturhalter der Ostschweiz gesprochen, Julia Sutter hat über das Glück des Briefeschreibens nachgedacht, Peter Surber über die Briefträger, die es bald nur noch in der Literatur gibt, und zum Schalterschluss gibt es drei Geschichten zur subversiven Postkultur: über H.R. Fricker, Martin Amstutz und Manuel Stahlberger. Die Bilder aus aller Welt zum Titelthema hat Jiří Makovec gemacht, der Mitte Dezember im Rahmen des Heimspiels 2018 den Kunstpreis der Ortsbürger St.Gallen gewonnen hat.

Ausserdem im Heft: Lotti Staubers Erinnerungen an ihre Zeit mit der Hilfsorganisation La Cimade in Algerien, fünfmal Heimspiel, katastrophale Asylpolitik und das Neuste aus der Saitenküche – Guets Neus allseits!

Corinne Riedener

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Saiten-Vorsätze 2019
Stimmrecht 
von Nechung Engeler-Zingshuk
Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller
Innensichten: Baratella und Roggwiler
Mensch Meyer von Helga und Janine Meyer

Ab die Post.

«Wir sind auch ein sozialer Treffpunkt»
Postagenturhalter Felix Bischofberger im Gespräch über Post-Romantik, Privatisierung und das Glück, bei den Leuten zu sein.
von Corinne Riedener

Der liebe Gott und die Briefträger
Erinnerungen an einen Beruf, den es bald nur noch in der Literatur geben wird.
von Peter Surber

Schriftliches Sammeln
Über den Brief als ausgelagertes Tagebuch und höfliche Alternative zum Telefon. Über die Freiheit und Macht der Briefeschreibenden. Und das Glück, zu schreiben, um nicht allein zu sein.
von Julia Sutter

Postkultur I, II und III
H.R. Frickers Mail-Art, Martin Amstutz und seine Postpost und Manuel Stahlbergers Zettelpost.
von Peter Surber und Julia Kubik

Perspektiven

Flaschenpost aus Paris.
von Lukas Posselt

Es ging ums tägliche Überleben.
Lotti Staubers Erinnerungen an ihre Zeit als Helferin in Algerien.
von Gabriele Barbey

Das Schicksal heisst Aarau.
Auszug aus Hermann Burgers Roman Lokalbericht.

Katastrophale Flüchtlingspolitik.
Ein junger Eitreer soll trotz bester Integrationsaussichten ausgeschafft werden.
von Jochen Kelter

Kultur

Heimspiel 2018: fünf Kurzbesprechungen.
von Ariane Grabher, Johannes Stieger, Kristin Schmidt, Ueli Vogt und
Ursula Badrutt

KT Gorique: Die Rapperin
aus Sion kommt nach St.Gallen.
von Julia Kubik

Kirche mit* den Frauen: Das Buch zur Pilgerreise.
von Peter Müller

Es wuchert: Das Förderprogramm Buch und Literatur Ost+.
von Eva Bachmann

Shoplifters: Hirokazu Kore-edas sozialkritischer Familienfilm.
von Corinne Riedener

Gemischte Beine – Bewegte Gefühle: Gisa Franks neues Tanzprojekt.
von Peter Surber


Kulturparcours

Zwei Gedichte im Januar
von Claire Plassard und Florian Vetsch

Mixologie
von Niklaus Reichle und Philipp Grob

Am Schalter im Januar: Kartenpost

Abgesang
Kellers Geschichten
Kreuzweiseworte
Pfahlbauer
Boulevard

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Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

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Foto1 Zeltainer

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Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39