Kategorie
Autor:innen
Jahr

Saiten im Januar: Shadows of Kurdistan

Türkei, Irak, Syrien, Iran: Die Bevölkerung Kurdistans wird in allen vier Teilen angegriffen. Höchste Zeit, wiedermal hinzuschauen und Fragen zu stellen. Ausserdem im Januarheft: Wäspe geht, Schepenese bleibt (noch) und auf Lesbos wird 24 Seenotretter:innen der Prozess gemacht.
Von  Redaktion Saiten
Fotoshooting mit der Braut. Doğubeyazıt, Türkei 2020. (Bild: Murat Yazar)

Der Angriffskrieg ist brutal. Seit Monaten. Die Rede ist für einmal nicht von der Ukraine, sondern vom Nahen Osten. Während die tapferen Ukrainer:innen seit Frühling 2022 im Fokus der Öffentlichkeit stehen, weitet der türkische Staat seine Offensive gegen die Kurd:innen ständig weiter aus. Mit den gleichen völkerrechtswidrigen und brutalen Mitteln wie das Putin-Regime in der Ukraine. Und Europa? Schweigt. Dabei führt Erdoğan seinen Krieg so offen und dreckig wie noch nie.

Es gibt zahlreiche Meldungen über Angriffe mit Giftwaffen seitens der Türkei, darunter Videoaufnahmen von lokalen Medien, die zeigen, wie Guerillakämpfer:innen der PKK unter den Folgen von Angriffen mit chemischen Kampfstoffen leiden. Im Oktober erschien ein Bericht der NGO Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), in dem weitere Vorwürfe zum Einsatz von Chemiewaffen in der Türkei untersucht und eine internationale Untersuchung auf der Grundlage der Ergebnisse gefordert werden.

Eine unabhängige internationale Prüfung dieser mutmasslichen türkischen Kriegsverbrechen gab es bisher nicht. Was auch damit zu tun hat, dass die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag nur auf Antrag der Unterzeichnerstaaten aktiv werden kann, nicht aber auf Antrag eines Volkes. Nichtstaatliche Akteur:innen und Völker ohne Staat – wie die Kurd:innen – haben keinen Zugang zu diesen Rechtsmechanismen.

Warum greifen die Europäischen Institutionen, die sich so gern mit Demokratie und Menschenrechten rühmen, nicht ein? Wer verfolgt welche Interessen im Nahen Osten? Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass die Kurd:innen seit 100 Jahren ein Schattendasein führen? Wie ist die aktuelle Situation in den vier Teilen Kurdistans? Warum gehen die Kurd:innen in Europa weiter auf die Strasse und wie mobilisieren sie?

Dieses Heft sucht nach Antworten. Ronî Riha ordnet die historischen Zusammenhänge und die aktuellen Entwicklungen aus innerkurdischer Sicht ein. Fesih Kaya erzählt, warum er letzten Sommer von der Türkei in die Schweiz flüchten musste. Fidan und Azad vom kurdischen Kulturverein in St.Gallen reden im Interview über Erdoğans langen Arm und darüber, was die Welt von Rojava lernen könnte. Und Fotograf Murat Yanar zeigt uns seine «Shadows of Kurdistan».

Ausserdem im kämpferischen Januar: Peter Fux vom neu benamsten Kulturmuseum (ex HVM) nimmt Stellung zu seinem emotionalen Schepenese-Statement und den eigenen Leichen im Keller, Brigitte Schmid-Gugler beschreibt ihre Erinnerungen an den abtretenden St.Galler Kunstmuseumsdirektor Roland Wäspe, Arno Tanner berichtet über den Prozess gegen 24 Seenotretter:innen auf Lesbos und bandXost-Projektleiterin Nadine Jordan blickt zurück auf die letzte Austragung und das Wachstum des Ostschweizer Nachwuchswettbewerbs.

Während der Arbeit an diesem Heft hat das Regime im Iran begonnen, die ersten Demonstrierenden hinzurichten. «Jin, Jiyan, Azadî!» ist der der Slogan der gegenwärtigen Proteste, kurdisch für «Frauen, Leben, Freiheit». Es ist ursprünglich die Parole der kurdischen Freiheitsbewegung, deren Vordenker Abdullah Öcalan seit 1999 im Gefängnis sitzt, und wurzelt in der Überzeugung, dass eine Gesellschaft nur so frei sein kann, wie es die Frauen in dieser Gesellschaft sind. Das gilt freilich nicht nur für die Frauen im Nahen Osten und insbesondere im Iran, sondern für alle Gesellschaften dieser Welt. Aber im Moment kann man es nicht oft genug rufen: Jin, Jiyan, Azadî!

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Bildfang
Stimmrecht von Sangmo
Warum? von Jan Rutishauser
Redeplatz mit Nadine Jordan
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser

 

Schwerpunkt Kurdistan

Türkei, Irak, Syrien, Iran: Die Bevölkerung Kurdistans wird in allen vier Teilen angegriffen. (Trauriger) Grund genug, wiedermal hinzuschauen und Fragen zu stellen.

Wo steht Kurdistan?
von Ronî Riha

Flucht als letzter Ausweg
von David Gadze

«Die Kurd:innen werden im Stich gelassen»
von Corinne Riedener

Bilder «Shadows of Kurdistan»
von Murat Yazar

Kurdische Mädchen auf dem Weg in die türkische Schule. Doğubeyazıt, Türkei 2021. (Bild: Murat Yazar)

 

Flaschenpost aus Lesbos

Wo Unrecht zu Recht wird
von Arno Tanner

 

Debatte

«Schepeneses Zuhause gibt es nicht mehr»

Mit scharfen Worten hat sich Peter Fux, Direktor des Kulturmuseums St.Gallen, in die Debatte um die Rückführung der Mumie in der Stiftsbibliothek eingeschaltet. Im Interview erklärt der Archäologe, warum er will, dass Schepenese bleibt, was ihn an der aktuellen «Wokeness-Welle» stört und wie das Kulturmuseum mit den eigenen Leichen im Keller umgeht. von Roman Hertler

Peter Fux, fotografiert von Sara Spirig

 

Kultur

Rückzug ohne Eile

Persönliche Erinnerungen an den abtretenden Kunstmuseumsdirektor Roland Wäspe. von Brigitte Schmid-Gugler

Roland Wäspe, fotografiert von Georg Gatsas

 

«Acht Bilder pro Sekunde reichen völlig»: Die Künstlerin und Filmemacherin Luisa Zürcher. von Philipp Bürkler

 

Film-Reisen durch die Schweiz: Drehort Schweiz zeigt Film-Locations von Aarau bis Zwieselberg. von Richard Butz

 

Wie lange haben wir Zeit?: Jan Gassmanns neuer Film 99 Moons. von Corinne Riedener

 

Gutes Bauen Ostschweiz (IV): Ungleiche Schulhäuser. Bauen mit Holz liegt im Trend – auch bei Schulbauten. von Daniela Meyer

 

Parcours: Linkteratur bei L∞T, Das Rorschach-Heft singt das Vereinslied, UNO im Formtief und die Schweiz mittendrin Blumen der Vergänglichkeit

 

Analog im Januar: von Magdiel Magagnini, Lidija Dragojevic und Philipp Buob

 

Abgesang

Kellers Geschichten
Comic von Julia Kubik
Pfahlbauer jr.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 5

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 5: Emil Brun­ner – «Berg Kind Welt», Ra­pid Open­air und Kul­tur­ufer. 

Von  Redaktion Saiten
DSC05051 Kopie copy

FC St.Gal­len vs. FC Zü­rich 2:1 – Ers­te drei Punk­te im Tro­cke­nen

Der Spa­gat zwi­schen eu­ro­päi­schen Näch­ten und bie­de­rem Su­per­league All­tag ist oft schwer. So auch heu­te. Ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung und die rich­ti­gen Wech­sel in der zwei­ten Halb­zeit rei­chen aber für die ers­ten drei Punk­te der Sai­son. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bren­nen­de Wa­den und leuch­ten­de Kat­zen

In leich­ten Pas­tell­tö­nen und dunk­len Öl­far­ben setzt sich der deut­sche Künst­ler Mar­cel Hüpp­auff mit dem Pro­fi­rad­sport aus­ein­an­der. Da­bei tre­ten in sei­ner Schau im Chambre Di­rec­te-Schubi­ger in St.Gal­len nicht nur Men­schen, son­dern auch Kat­zen in die Pe­da­le.

Von  Vera Zatti
IMG 0330

Ein Wer­den­ber­ger Po­lit­star – lau­fend, stri­ckend, stets ge­er­det

Mit Hil­de­gard Fäss­ler (1951–2026) ver­starb kurz vor ih­rem 75. Ge­burts­tag ei­ne der pro­fi­lier­tes­ten Ost­schwei­zer Po­li­ti­ke­rin­nen an den Fol­gen ei­ner schwe­ren Er­kran­kung. Nach­ruf ei­ner lang­jäh­ri­gen Weg­ge­fähr­tin.

Von  Käthi Gut
P8262285

Wo Kunst ent­steht

Ver­steckt im Sit­ter­tal pro­du­ziert die Kunst­gies­se­rei Wer­ke re­nom­mier­ter Künst­ler:in­nen. Da­bei gilt es oft, Neu­es aus­zu­pro­bie­ren und Lö­sun­gen zu fin­den – mit Zu­cker, Wachs und na­tür­lich Me­tall. Sai­ten er­hält ei­nen Ein­blick in das ver­rück­te Schaf­fen am Ran­de St.Gal­lens.

Von  Daria Frick , Bilder:  Andri Vöhringer
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 11

FC St.Gal­len vs. Ben­fi­ca 2:1 – St.Gal­len schafft die Sen­sa­ti­on!

Der FC St.Gal­len ge­winnt ge­gen den haus­ho­hen Fa­vo­ri­ten aus Lis­sa­bon mit 2:1. Die gröss­te Sen­sa­ti­on, die die­ses Sta­di­on je ge­se­hen hat. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 4

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 4: Cy­prien Gail­lard – «When you ex­pect flu­tes, it whist­les», «Komm Glüückck» und Je­re­my Reeds Buch Du stirbst nur zwei­mal – Ein Syl­via Plath-/Vic­to­ria Lu­cas-Ro­man.

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Emma Kunzs grotte copy

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Flip­per im Mi­li­tär­dienst

Von  Jeremias Heppeler

Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

Von  René Hornung
Badhuette rorschach

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener