, 1. Juni 2018
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Saiten im Juni: Störung.

Ein Heft über psychische Krankheiten und den Umgang von Politik und Gesellschaft damit. Ausserdem: Fussball und Folter, allerhand zum (Kultur-)Geld und Post aus Eriwan.

Die Illustrationen zum Titelthema hat Freddie Gaffa gemacht.

Ein bisschen frische Luft und Bewegung. Mal ein paar Tage ins Grüne. Ausgewogene Ernährung. Genügend Schlaf. Im schlimmsten Fall
 einen Sommer lang auf der Alp Schafe hüten. Dann renkt sich die Sache schon wieder ein.

Psychische Krankheiten sind unsichtbar und nicht nur deshalb schwer nachzuvollziehen, wenn man nicht selbst betroffen ist. Dabei macht fast jede und jeder zweite einmal im Leben eine existenzielle Krise durch, sagt die Psychiaterin Ulrike Hasselmann im Interview. Nun ist
 es ja durchaus nicht mehr so, dass man gleich von Dämonen besessen wäre, dass der Exorzist an die Tür klopft, wenn man sich von der
 Norm verabschiedet und die Seele Achterbahn fährt, wie es die Eismeer-Kapitänin in ihrem persönlichen Erfahrungsbericht beschreibt. Die Theaterregisseurin Micha Stuhlmann realisiert Projekte mit psychisch oder körperlich Beeinträchtigten. Dem Burnout haftet mittlerweile
 eine gewisse Coolness an (Michael Millius würde sich an die Schläfe tippen), ist es doch mutmasslich die Geisteskrankheit der Tüchtigen
 und nicht irgendeine Kifferpsychose. Ausserdem heisst es gleich wie das, was man im Auto- oder Motorrad-Extremsport tut, wenn man
 die Vorderräder blockiert und die Hinterräder durchdrehen lässt, bis vor lauter Rauch nichts mehr zu sehen ist.

Trotzdem wird nach wie vor viel zu wenig über psychische Krankheiten gesprochen. Trotzdem wissen die wenigsten, wie sie reagieren können und sollen. Wo sie Hilfe finden, wenn in ihrem Umfeld jemand «den Verstand verliert». Was das bedeuten kann, zeigen die Geschichten von Sandrine und Peter. Und trotzdem umweht die Betroffenen für weite Kreise noch immer eine Versager-Aura, was dazu führt, dass viele erst nach grosser Überwindung oder gar nicht oder zu spät Hilfe suchen.

In den USA gehört die Psychotherapie dem Klischee nach zum lässigen Lifestyle. Wenn man aber deshalb nach den letzten Präsidentschaftswahlen die Wirkungslosigkeit des Besuchs beim Seelenklempner als erwiesen ansieht, liegt man sicher falsch. Vielleicht liegt das richtige Mass irgendwo zwischen US-amerikanischen Verhältnissen und frischer Luft und Bewegung. Was es sicher braucht, sind Aufklärung und Diskussion. Einen Beitrag dazu will unser Titelthema leisten.

Ausserdem im Heft: viel Politisches, Kulturelles, Gesellschaftliches und andere Unterhaltung.

Frédéric Zwicker

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Redeplatz 
mit Reinhold Harringer
Hässig von Nadja Keusch
Stimmrecht
 von Slavica Ojdanić-Jakovljević
Herr Sutter sorgt sich… von Bernhard Thöny
Evil Dad von Marcel Müller
Blickwinkel von Daniel V. Keller
Mensch Meyer von Helga und Janine Meyer

Störung.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Daniela und Peter: Sie verlor ihre beste Freundin, er versucht zu kitten, was zu Bruch gegangen ist.
von Frédéric Zwicker

Die Eismeer-Kapitänin
Mein Leben mit einer bipolaren Störung.
von Jacqueline B.

Man will es nicht zugeben
Vor zehn Jahren erlitt Michael Millius ein Burnout, heute arbeitet er als Fachmann Betreuung.
von Philipp Bürkler

«Die Zeit können wir nicht beschleunigen»
Die Psychiaterin und Psychotherapeutin Ulrike Hasselmann im Interview.
von Corinne Riedener

Theater, inklusiv
Micha Stuhlmann arbeitet mit psychisch und körperlich Beeinträchtigten.
von Peter Surber

Psycho-Politik I, II und III
Wie die Politik mit psychisch Kranken umgeht.
von Corinne Riedener und Peter Surber

Die Illustrationen zum Titelthema stammen von Freddie Gaffa.

Perspektiven

Kämpfen für die Demokratie: Der Journalist Walter Brehm im Interview.
von Peter Surber

Fussball und Folter: Eine Feldforschung an der WM 78 in Argentinien.
von Toni Saller

Flaschenpost aus Eriwan.
von Till Martin, Sebastian Stadler, Christian Hörler und Angela Kuratli

Kantonal, national: Kulturgeldplafonierung und das neue Geldspielgesetz
von Peter Surber und Etrit Hasler

Kultur

Die Antwort auf Jochen Kelters Aufsatz Tod der Literatur.
von Rainer Stöckli

Walk the Line: die zehnte grosse Ausstellung im Zeughaus Teufen.
von Kristin Schmidt

Christian Petzolds Verfilmung von Anna Seghers Roman Transit.
von Frédéric Zwicker

Nachruf auf den Aktivisten und Autor Peter Angst.
von Wolfgang Steiger

Fünf Autorinnen lesen vor, begleitet von der Band Stories.
von Frédéric Zwicker

Vanja Vukelic und ihre Band Mama Jefferson.
von Sharon Kesper

Kulturparcours

Mixologie
von Niklaus Reichle und Philipp Grob

Am Schalter im Mai: die WOZ

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Kreuzweiseworte
Pfahlbauer
Boulevard

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