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Saiten im März: 100 Jahre Palace

Der ehemalige Kinopalast wird 100, das «Tagblatt» muss sparen und Ursula Mosimann-Zumbrunn blickt zurück auf ihre Zeit in Madagaskar. Ausserdem im vorfrühlingshaften Märzheft: Allerhand Kunst, der Nachruf auf Bernard Tagwerker, der Abgesang auf Charles Pfahlbauer jr. und die Flaschenpost aus Buenos Aires.
Von  Redaktion Saiten , 
Fotografin Sara Spirig hat sich für den Palace-Schwerpunkt im Haus umgesehen.

Die Medienkrise hält an. Die Unternehmen der CH-Media-Gruppe – und damit auch das «St.Galler Tagblatt» und seine Regionalausgaben – müssen dieses Jahr ihre Personalkosten um weitere zehn Prozent senken. Es ist nicht die erste Sparrunde, die den hiesigen Redaktionen aufgebürdet wird, während die Abokosten steigen und lokale Inhalte ausgedünnt werden.

Es ist auch kein reines CH-Media-Problem, wie «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid im Saiten-Interview ab Seite 28 richtig bemerkt. Auch die TX Group, Ringier und möglicherweise auch bald das SRF müssen weiter sparen. Der Abfluss von Werbeeinnahmen an globale IT-Multis führt zum Stellenabbau in der ganzen Schweiz. Gewiss, andere Branchen durchleben auch harte Zeiten. Den Niedergang der traditionellen Medien zu beklagen, ist aber nicht einfach Jammern auf hohem Niveau. Das anerkennt auch der Bundesrat, der Ende Februar Vorschläge zur kanalunabhängigen Medienförderung vorgelegt hat. Für alle zugängliche und zuverlässige Informationen sind in einer demokratischen, zunehmend digitalisierten Gesellschaft ein hohes Gut.

Die Demokratisierung der Plattformen war ein wichtiger Schritt Richtung Zugänglichkeit – aber ein Rückschritt in Sachen Zuverlässigkeit. Wahrheiten von Propaganda und Fake-News zu unterscheiden, wird immer schwieriger, erstens weil die schiere Menge an Social-Media-Beiträgen und -Kanälen explodiert, und zweitens weil Desinformation immer geschickter getarnt und gezielter verbreitet wird. Die neuste Generation der videoproduzierenden KI lässt grüssen.

Darum ist es wichtiger denn je, die Flut an Nachrichten auf ein konsumier- und demokratisch debattierbares Mass zu filtern und nach journalistisch-ethischen Grundsätzen einzuordnen. In diesem Zeitalter, in dem wir eigentlich vordringlich über den ökologischen Wandel diskutieren sollten, muss sich die Welt aber mit immer mehr heissen Konflikt- und Kriegsherden herumschlagen. Auch haben wir noch längst keinen gemeinschaftsförderlichen Umgang mit den «Socials» und den gleichermassen Chancen wie Gefahren bergenden künstlichen Intelligenzen gefunden. Und von sozialer Gerechtigkeit, zu deren Erreichen die erforderlichen ökonomischen Umverteilungsmechanismen schon vor weit über 100 Jahren erfunden wurden und also längst Lösungen da wären, sind wir weiter entfernt denn je.

Die Antworten auf all diese Herausforderungen müssen gemeinschaftlich ausgehandelt werden, wir dürfen die grossen Entscheidungen nicht den von Eigeninteressen gesteuerten Global Players aus Politik und Wirtschaft überlassen. Veränderung braucht Anstoss «von unten», darum braucht es gesellschaftliche Debatten auch im Regionalen, im Lokalen, im eigenen Umfeld. Funktionierende Lokalmedien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Dafür setzt sich Saiten auch nach 30 Jahren und hoffentlich mindestens nochmals so lange ein. Damit uns die kriegshungrigen Despoten und besserwisserischen YouTube-Apologet:innen dieser Welt nicht noch den letzten Rest gesellschaftlichen Kitts herausklauben.

Solchen Kitt liefern auch stabile Hütten wie das 100-jährige Palace in St.Gallen, das sich seit dem Auszug des Kinos zum alternativen Kulturtempel gemausert hat und dem wir in diesem Heft einen Schwerpunkt widmen (ab Seite 16). Oder auch das 125-jährige St.Galler Volkshaus, über das der Journalist und Historiker Ralph Hug ein Buch geschrieben hat (mehr dazu auf Seite 51).

Ausserdem im kulturbeladenen März: Gabriele Barbeys Portrait über Ursula Mosimann-Zumbrunn, die ab 1968 im relativ frisch dekolonisierten Madagaskar ein Mädcheninternat leitete; die Flaschenpost aus dem anarchokapitalistischen Buenos Aires; der Nachruf auf den St.Galler Künstler Bernard Tagwerker und überhaupt viel Kunst und – nicht zuletzt, sondern weit vorne im Heft – der Abgesang auf unseren Rekordkolumnisten Charles Pfahlbauer jr. von Peter Surber, illustriert von Manuel Stahlberger.

Roman Hertler

 

Der Inhalt:

 

Reaktionen/Positionen

Redeplatz mit Rosmarie Simantirakis und Daniel Reichlin

In eigener Sache: Zwei wie Pech und Schwefel.

Eine Lobrede auf Charles Pfahlbauer jr. und seine unübertreffliche Mythologie der Gallenstadt. von Peter Surber und Manuel Stahlberger

Stimmrecht von Sangmo

Traumacore von Mia Nägeli

 

Perspektiven

100 Jahre Palace

Das Cinema Palace am St.Galler Blumenbergplatz wurde am 25. März 1924 feierlich eröffnet. Zum 100-Jahr-Jubiläum des ehemaligen Filmpalasts findet im März das «100vor100»-Festival statt. Es dauert 100 Stunden.

Bild: St.Galler Stadtarchiv

Bunter Musikstrauss: Zum runden Gebäudegeburtstag beschenkt sich das Kulturlokal mit diversen Konzerten und einem vielfältigen RahmenProgramm. von David Gadze

Versinken im Sessel: Endlich laufen im Palace wieder einmal ein paar Filme – vom Weltklassiker bis zum Kleinstadtknüller. von Corinne Riedener

Vom Kino zum Kulturlokal: Vor 20 Jahren musste für das Palace ein neuer Inhalt gesucht werden – und er wurde erfolgreich gefunden. Dem Filmvorführverbot zum Trotz. von René Hornung

Noch immer eine Kinostadt: Das Kinok hat seinen Platz in der Lokremise gefunden. Wichtig ist aber auch das Scala als letztes traditionelles Lichtspieltheater. von Andreas Kneubühler

 

«Mittelfristig müssen wir wieder über staatliche Medienfinanzierung reden»

Im Interview spricht «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid über den Zustand und die Zukunft des Regionaljournalismus. Und er erklärt, wieso er seinen Ostschweiz-Hurra-Patriotismus mittlerweile etwas heruntertemperiert hat. von Roman Hertler

Bild: Andri Vöhringer

 

Ursula Zumbrunn mit 25, kurz vor ihrer Abreise. (Bild: zVg)

«Madagaskar gab mir Kraft»

Ursula Mosimann-Zumbrunn tritt 1968 die Stelle als Leiterin eines Mädcheninternats in Madagaskar an. Die Dekolonisierung ist damals in vollem Gang. Jetzt blickt sie auf jene Zeit zurück. von Gabriele Barbey

 

Flaschenpost aus Buenos Aires: Mileis Tanz auf dem Vulkan. von Nik Fischer

 

Kultur

 

Kunst
Himmel Helvetia: Bilanz mit Anita Zimmermann nach einem Jahr «Geiler Block» Numero 8. von Ursula Badrutt

 

Kunst
Material und Performanz: Die Filminstallation von Hermann Reinfrank (†) und Jan Buchholz im «Auto». von Michael Felix Grieder

 

Kunst
Was ist Malerei heute?: Olga Titus‘ paradiesische Grotte im Kunstmuseum Thurgau. von Kristin Schmidt

 

Nachruf
Er wollte sich selbst überraschen: Erinnerungen an den St.Galler Künstler Bernard Tagwerker (1942–2024). von Ursula Badrutt

 

Musik
Soundtrack der Sehnsüchte: Das Debutalbum von Bahnhofbuffet Chancental. von David Gadze

 

Musik
Eintauchen in eine mysteriöse Welt: Cruise Ship Misery melden sich mit einem Gesamtkunstwerk zurück. von David Gadze

 

Literatur
Die Stickerin: Margrit Schribers Roman über das Appenzeller Fädlermädchen in New York. von Corinne Riedener

 

Geschichte
Kulturkämpfe bis zuletzt: Ralph Hugs Buch zum 125-Jahr-Jubiläum des St.Galler Volkshauses. von Roman Hertler

 

Kino
Les Paradis de Diane: Der Film über eine Frau, die keine Mutter sein will. von Corinne Riedener

 

Parcours: Sans-Papiers, Luisa Zürcher, Matterhurt

Plattentipps: Analog im März

Gutes Bauen Ostschweiz: Dezentral und regional

 

Abgesang

Kellers Geschichten

Comic von Julia Kubik

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,