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Saiten im März: Ist hier noch frei?

Ein Heft mit viel Politik: in Rapperswil-Jona, dem eigenen Hinterhof, auf dem Papier und in den Köpfen. Ausserdem: die Vorschau aufs 15. Literaturfestival Wortlaut, die Flaschenpost aus dem Iran, das Rosa Buch und ein voller Frühlingskalender.
Von  Redaktion Saiten , 
Fürs Märzheft hat Luisa Zürcher nach Plätzen für die freie Kulturszene gesucht.

Die kantonalen Wahlen in Zürich und Baselland gelten auch als Gradmesser für die nationalen Wahlen im Herbst. Endlich bedeuten Prozentpünktli wieder die Welt, und die statistische Politanalyse feiert fröhliche Urständ. Beispiel gefällig? Der SVP in Baselland ist es gelungen, ihren Wähler:innenanteil um 0,22 auf 22,88 Prozent zu steigern und damit die SP als bisher stärkste Partei abzulösen. Diese wiederum hat nicht einmal ein ganzes Prozent, aber trotzdem zwei ganze Sitze im Landrat verloren. Wahrlich eine üble Sache, diese Arithmetik.

Wahr ist ebenso, dass die SVP nicht 22,88, sondern im Grunde nur 4,7 Prozent der Stimmen erreicht hat. Dies, wenn man mitrechnet, wer alles nicht wählen geht. Gemeint sind damit nicht bloss die Faulen, die Verdrossenen und die Uninteressierten (43 Prozent), die wählen dürften, sondern auch all jene ohne Schweizerpass, die landesweit immerhin einen Viertel der Bevölkerung ausmachen, Steuern und Sozialabgaben bezahlen – aber eben nicht mitbestimmen dürfen. Warum sich dies und vieles mehr ändern muss, damit die schweizerische Demokratie ihrem Ruf endlich gerecht wird, erklärt im Redeplatz-Interview Arber Bullakaj, Präsident und Gründer der Aktion Vierviertel.

Die Schweiz hadert seit langem mit der tiefen Stimmbeteiligung, die letztlich die Legitimität demokratischer Entscheide in Frage stellt. Das gilt umso mehr, wenn die Entscheide an Landsgemeinden und Bürgerversammlungen gefällt werden, die in der Regel nur von einem verschwindend kleinen Teil der Stimmbevölkerung besucht werden. Auch darum stimmt Rapperswil-Jona am 12. März über die Schaffung eines Stadtparlaments ab. Doch die Gegnerschaft ist stark. Im Abstimmungskampf in der grössten Stadt der Schweiz, die kein eigenes Parlament hat, werden nicht nur demokratiepolitische Grundsatzfragen verhandelt. Da schwingen auch alte Geschichten mit, die die Politik in der Rosenstadt zunehmend blockieren. Saiten hat sich am St.Galler Züriseeufer umgehört.

Auch die Kantonshauptstadt diskutiert Grundsätzliches: Im Museumsquartier kämpft die Anwohnerschaft um ihr Wiesli. Warum das nicht als reine Betroffenheitspolitik einiger Privilegierter abgetan werden sollte, hat Niklaus Reichle, der auch im Quartier wohnt, aufgeschrieben. Corinne Riedener erklärt dann, warum es gute «grüne» Gründe sowohl für als auch gegen die «Wiesli-Initiative» gibt – und keinen einzigen gegen die Ausweitung des städtischen Baumschutzes, über den am 12. März ebenfalls abgestimmt wird.

Ausserdem im politisierten März: Der Schwerpunkt zum Haus für die Freien mit Visionen nach innen und Blicken über den Tellerrand, die Flaschenpost aus der ältesten Karawanserei der Welt im Iran, die Einladung zur Vernissage des Rosa Buchs, die Vorschau auf das Wortlaut-Festival und erste Vorboten des Festivalsommers am Poolbar Generator.

Saiten wünscht eine angeregte Lektüre. Danach aber subito an die Urne, gell!

Roman Hertler

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Bildfang
Stimmrecht von Sangmo
Warum? von Jan Rutishauser
Redeplatz mit Arber Bullakaj
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser

 

Perspektiven

Richtungsentscheid am Obersee

Im Abstimmungskampf um die Schaffung eines Parlaments in Rapperswil-Jona werden demokratiepolitische Grundsatzfragen verhandelt – aber längst nicht nur. Es geht um die Deblockade der Stadtpolitik. Da schwingen auch alte Gehässigkeiten und unverdaute Polit-Geschichten mit.

von Roman Hertler (Text), DOME und Lea Frei (Illustrationen)

Postkarte: DOME

 

Wiesli

Das zwischengenutzte Wiesli im St.Galler Museumsquartier soll überbaut werden – seit 40 Jahren ein wertvoller Gestaltungs- und Freiraum für alle Generationen im Quartier. Aber muss man es deswegen «retten»? Am 12. März wird darüber abgestimmt.

Lernen vom Wiesli
von Niklaus Reichle

Für Wenige oder für alle?
von Corinne Riedener

Lageplan: DOME

 

Flaschenpost aus dem Iran
Dreieinhalb Monate in der Karawanserei
von Bianca Schellander und Luca Schmid

 

Kultur

Freie Szene

Die freie Szene in St.Gallen sucht ein Zuhause. Was es dafür bräuchte und warum es in anderen Städten funktioniert.

«Jetzt geht es um das Wo und das Was»
von Peter Surber

St.Gallen hinkt hinterher
von David Gadze

Bild: Luisa Zürcher

 

Literatur: Das 15. St.Galler Literaturfestival Wortlaut – ein Vorausblick.
von Eva Bachmann

Literatur: Das Rosa Buch von Anna Rosenwasser.
von Lidija Dragojevic

Theater: Der Weibsteufel von Karl Schönherr auf der Kellerbühne.
von Peter Surber

Kino: Sabine Gisigers Dokfilm über die Familie Mies van der Rohe.
von Corinne Riedener

Musik: Studierende gestalten am «Generator» das Poolbar Festival mit.
von David Gadze

Gutes Bauen Ostschweiz: Wie man trotz Auflagen an Kleinsiedlungen weiterbauen kann.
von Ulrike Hark

Parcours: Frauentheater, Szenehase, Blues-Erneuerer und die Sterne

Plattentipps: Analog im März
von Magdiel Magagnini, Lidija Dragojevic und PhilippBuob

 

Abgesang

Kellers Geschichten

Pfahlbauer jr.

Comic von Kubik

 

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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