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Saiten im Mai: Chill, Boomer.

Ein Heft mit vielen Generationenfragen, zornigen Jungen und gelasseneren Alten. Ausserdem: Corona-Kultur, Corona-Kommentare, Corona-Chancen, Corona-Berichte aus Wien und New York und coronafreie Geschichten aus der Geschichte der Ostschweiz.
Von  Redaktion Saiten
Die Bilder zum Titelthema hat Georg Gatsas gemacht, coronabedingt via Bildschirm. Hier und auf dem Heftcover: Ilona Ruegg.

Krise, vom griechischen «krinein», trennen, unterscheiden: Kein Wunder, sieht man in der Coronakrise vieles deutlicher als sonst. Zum Beispiel, wie wichtig Spitäler und wie unverzichtbar und schlecht entlöhnt die Pflegeberufe sind. Wie dünn die Luft für viele Kulturschaffende und Freelancer in anderen Branchen ist. Wie gern die Exekutiven Freiheiten exekutieren. Wie fragil die vermeintlich so robusten Ökonomien sind. Oder wie empfindlich das Verhältnis unter den Generationen.

Kein Wunder drum auch, dass nach dem ersten Corona-Solidaritätsschub die Kontroversen umso härter aufbrechen. Gerade im Verhältnis von Alt und Jung. Die einen (Jungen) klagen, der Gesundheit der Alten zuliebe eingesperrt und in ihrer Arbeit behindert zu werden. Die andern (Alten) klagen, sie würden als Gesundheitsrisiko angeprangert statt gewürdigt als jene, die den heutigen Wohlstand erst möglich gemacht haben. Dass man das Thema auch gelassener angehen kann, zeigt in diesem Heft das Interview mit der Generationenforscherin Pasqualina Perrig-Chiello: Sie kritisiert zwar auch die «negativen Altersbilder», die offenbar latent vorhanden seien und jetzt aufbrächen – stellt aber zugleich fest: «Im Alltag erlebt die Schweiz allen medialen Diskursen zum Trotz eine beachtliche intergenerationale Solidarität – vor allem innerhalb, aber auch ausserhalb von Familien.» Vielleicht biete die Coronakrise eine Chance, das gegenseitige Nichtwissen zwischen den Generationen abzubauen.

Etwas dazu beitragen will auch diese Saiten-Ausgabe. Umso mehr, als uns das Generationenthema unabhängig von Corona schon länger umtreibt, samt seinen Widersprüchen. Was stimmt jetzt: der Eindruck, dass die Generation der «Babyboomer» und deren Kinder einen entschieden entspannteren Umgang miteinander pflegen als noch die Generation davor, dass an den Klimademos der Jungen die Alten solidarisch mitdemonstrieren, dass Kinder locker ins eigene Elternhaus einziehen? Oder stimmt auf der anderen Seite die hässliche Fratze der «Boomer», die die Welt in den Abgrund geritten haben und die Jungen nicht ans Ruder lassen?

In dieser Ausgabe kommen zornige Junge zu Wort und gelassenere Alte. Wir reden mit der Generationenforscherin und mit Sozialwissen- schaftlern, stellen Mehrgenerationenprojekte vor und amüsieren uns über stereotype Memes. Georg Gatsas hat Menschen unterschiedlichen Alters fotografiert – coronabedingt per Bildschirm. Und durch den Titel führt ein Fragebogen mit der kniffligsten Frage in der Mitte: Zu welcher Generation zählst du dich?

Ausserdem im Heft: Corona-Kommentare, Corona-Chancen, Corona-Berichte aus Wien und New York, Corona-Kultur und coronafreie Geschichten aus der Geschichte der Ostschweiz.

Das ist die 300. Ausgabe von Saiten. Und die zweite, nach dem April, ganz ohne Kulturkalender. Wir feiern trotzdem: mit 3000 Gratisabos für die nächsten drei Ausgaben von Saiten. Kultur muss sein, auch wenn sie gerade nicht stattfinden kann. Und auch wenn sie nicht ganz so krisenresistent ist wie der Diskurs der Generationen.

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Redeplatz mit Mark Riklin
Stimmrecht von Farida Ferecli
Corona I/II/III/IV

Titel

«Du bist noch jung.» – «Der richtige wird schon noch kommen, du wirst sehen.» Warum die Boomer endlich mal chillen sollen. Von Aglaja Bohm

Danke, Boomer-Väter! Unsere Probleme sind gross genug, wir wollen nicht auch noch euren unausgelebten Schmerz ausbaden. Von Tobit Brüllmann

Warum es neue Generationenverträge braucht, worin sich alte und neue Jugendbewegungen unterscheiden und warum immer mehr Junge konservativ ticken. Generationenforscherin Pasqualina Perrig-Chiello im Interview. Von Roman Hertler

Heute sind Mehrgenerationen- Projekte gefragt – wenn auch in der Ostschweiz noch weit vom «Boom» entfernt. Ein Rundgang. Von Peter Surber

Uns fehlt die «Elder»-Kultur. Und was wir von indigenen Völkern lernen können. Von Ursula Popp

Die Welt verändert sich, das verunsichert Alt wie Jung. Und die Rechten profitieren davon. Die Sozialwissenschaftler Stefan Paulus und Axel Pohl im Interview. Von Corinne Riedener

Hey, Generation Silent, X, Z, Boomer und Millennials: Lacht wiedermal über euch selber, wir liefern die Memes dafür! Von Julia Kubik

Fotografien von Georg Gatsas

Perspektiven

Antifeminismus und Anti-Gender-Rhetorik ermöglichen es Teilen der Gesellschaft, nach rechts zu rücken, ohne dass sie «rechts» wirken. Von Franziska Schutzbach

Das Ganze als das betrachten, was es ist: etwas Neues, Unverständliches, das man aushalten muss. Die Corona-Flaschenpost aus Wien. Von Lorenz Langenegger

Together home alone in New York City: Was ist die «Mutter aller Städte», wenn alles, was man dort suchte, nun fehlt? Von Michaela Müller und Roman Elsener

Kultur

Mit Covid-19 wird das Sterben öffentlich. Und damit die Einsicht, dass uns die früher selbstverständliche Perspektive über den eigenen Tod hinaus abhanden gekommen ist. Von Ludwig Hasler

Kulturfasten – Was heisst das konkret? Auskünfte von Theaterleuten, Nothilfe im Anlaufen, kontroverses Streaming und ein Blick nach Deutschland und Österreich. Von Peter Surber

«Die Moderne im Kleinen»: St.Galler Bauten aus den krisengeprägten 1930er-Jahren. Nina Keel stellt den Linsebühl-Bau vor.

Stefan Kellers grosse Reportage über die Geschichte der Arbeit im Thurgau ist ein biografisches Feuerwerk – dicht, präzise und äusserst unterhaltsam. Von Roman Hertler

Das Museum Heiden und seine Sammlung aus «Niederländisch-Indien»: Andreas Zangger, Mitautor von Buch und Ausstellung, über die Hintergründe. Von Hanspeter Spörri

Abgesang

Kehls Kompass
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
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Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica