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Saiten im Mai: Investieren in die Kultur

Ein Heft über Kulturgelder in der Region, kulturelle Aufbrüche im Toggenburg und die Kulturlandsgemeinde in Ausserrhoden. Ausserdem im wonnigen Mai: Alexa Lindner Margadant, Karluk, Plan 75 und Güllens grafisches Gedächtnis.
Von  Redaktion Saiten , 
Wöttsch au 1 Rädli usem Kulturgeldsuppetopf? (Bild: Shutterstock)

Investieren ist meistens eine gute Tat. Gelegenheiten gibt es dafür ja genug; in Beziehungen, Menschen oder Projekte aller Art. Und es ist nicht nur jenen mit einem dicken Bankkonto vorbehalten, nein, alle, die ein Guthaben an Zeit, Nerven oder Ideen haben, können in irgendwas investieren. Wie alles heutzutage treibt aber freilich auch das Investieren fragwürdige Blüten. Schlitzohren allerorts wollen uns «die ultimative Investition in die Zukunft» verkaufen, meist nur zum eigenen Vorteil, und die ach so Lebensweisen werden nicht müde zu betonen, dass wir nur «mehr in unsere eigene Achtsamkeit investieren» müssen, um erfolgreicher zu sein. Was meistens Bullshit ist. Vollmondtöpfern und Urschrei-Improvisation haben noch nie jemandem geholfen, die Rechnungen zu zahlen (ausser er oder sie bietet solcherlei Workshops an).

Einigen wir uns trotzdem darauf, dass es grundsätzlich löblich ist, in Dinge zu investieren. In etwas zu investieren heisst, sich zu etwas zu bekennen und an etwas zu glauben. Einigen wir uns auch darauf, dass es wichtig wäre, in die Kultur zu investieren – vor allem finanziell. Darum geht es in diesem Heft: ums Geld bzw. um die Kulturförderung. Die Branche arbeitet nicht erst seit der Pandemie unter teils prekären Umständen. Das gilt nicht nur für viele Kulturschaffende, sondern auch für die Institutionen, die, wollen sie faire Gagen zahlen, eigentlich Abstriche im Programm machen müssten.

Roman Hertler ist, ausgehend vom kürzlich publizierten Bundesbericht über die Saläre und die soziale Absicherung von Kulturschaffenden, der Frage nachgegangen, welchen Anteil die Kulturförderung am Kulturprekariat hat und warum dieses selbstausbeuterische System auch historisch gewachsen ist. David Gadze berichtet über die bevorstehende Gründung der Regionalen Kulturförderplattfom «Kultur St.Gallen Plus», wo das Stadt-Land-Gefälle nicht die einzige Herausforderung sein wird. Zwei Erkenntnisse aus diesen Beiträgen: Die Förderpraxis müsste dem ganzen künstlerischen Prozess von der Recherche bis zum Produkt umfassen, und ohne das entsprechende Fachwissen in der Förderung bleibt es beim «Gut gemeint».

Investiert wird auch in Lichtensteig. Vom «Kulturmekka» im Toggenburg ist hin und wieder die Rede, wobei das vielleicht doch etwas übertrieben ist. Dennoch: Seit 2013 hat die 2000-köpfige Gemeinde trotz knapper Finanzen kontinuierlich in partizipative Projekte, Räume, Menschen und nicht zuletzt ins eigene Selbstbild investiert, um sich vom Strukturwandel zu erholen. Schon seit einiger Zeit wuselt es im Rathaus für Kultur und im ehemaligen Industrieareal Stadtufer, Ende April eröffnet dort die Junge Bühne Toggenburg, und ab Mai bevölkern 20 auswärtige «Pioneers» das Städtli, um gemeinsam mit den Locals an einer «enkeltauglichen» Zukunft zu arbeiten. Mehr dazu ab Seite 26.

Ausserdem im wonnigen Mai: das Interview mit SP-Urgestein Alexa Lindner Margadant, die langersehnte Platte von Karluk, Güllens grafisches Gedächtnis, die Kulturlandsgemeinde in Teufen, Chie Hayakawas Spielfilm zur Vergreisung in Japan und die Flaschenpost aus dem unterkühlten Portugal.

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Stimmrecht von Sangmo
Warum? Von Jan Rutishauser
Redeplatz mit Alexa Lindner Margadant
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser

 

Perspektiven

Kulturgeld

Auch die Gründung der Regionalen Förderorganisation «Kultur St.Gallen Plus» kann das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land nicht beheben. Die Unsicherheit ist auf beiden Seiten gross. Und das Problem der stagnierend tiefen Saläre im Kulturbereich bleibt ungelöst. Die Förderstellen können das System nicht alleine umkrempeln.

Start im Blindflug. von Roman Hertler

Wohin entwickelt sich die Kulturförderung? von David Gadze

 

Flaschenpost aus Portugal: Mit langen Unterhosen im Sprachkurs. von Tobias Hänni

 

Work in progress

Lichtensteig kommt einfach nicht zur Ruhe – im besten Sinn. Mit der Jungen Bühne Toggenburg und dem Summer of Pioneers gehen zwei neue Projekte an den Start. von Corinne Riedener

Das Stadtufer-Areal in Lichtensteig. (Bild: Valerie Geissbühler)

 

Kultur

Es heimatet sehr

Am Auffahrtswochenende lädt die Kulturlandsgemeinde zum Thema «Heimat» ins Zeughaus Teufen. Der künstlerische Leiter Ueli Vogt berichtet im Interview, wie umfassend das Thema verstanden werden kann. von Kristin Schmidt

marc norbert hörler: hecatean lines, 2023

 

Ausstellung: «Outsider Art unter dem Halbmond» im Open Art Museum. von Larisa Baumann

 

Ausstellung: Radikale Zeitdokumente – «Güllens grafisches Gedächtnis». von Pius Frey

 

Kino: Plan 75 von Chie Hayakawa – Dystopie einer vergreisenden Gesellschaft. von Corinne Riedener

 

Portrait: Flora Frommelts Spiel mit Raumverhältnissen und Abstraktionen. von Judith Schuck

 

Musik: Nach langer Wartezeit veröffentlichen Karluk endlich ihr erstes Album. von David Gadze

 

Parcours: Buch-Kunst-Fest, Edelmann, Neujahrsblatt, Wiborada, Solilauf, Smash Little WEF

 

Plattentipps: Analog im Mai
von Lidija Dragojevic, Magdiel Magagnini und Philipp Buob

 

Gutes Bauen Ostschweiz (VIII): Die Landschaft zieht in die Fabrik. von Ulrike Hark

 

Abgesang

Kellers Geschichten
Pfahlbauer jr.
Comic von Julia Kubik

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller