, 25. September 2015
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Saiten im Oktober: Jazz ist.

Nicht tot. Aber könnte lebendiger sein… Ein Jazzheft zum 20. Geburtstag von Gambrinus. In Trios, Solos und Bildern. Ausserdem: Bücherherbst, Wahlherbst.

«Jazz ist nicht tot, meine Damen und Herren», sagte Frank Zappa einmal, «er riecht nur komisch.»

Das unterschreiben wir.

Zuerst müsste man jedoch fragen, was das eigentlich ist, das so «komisch riecht»: Louis Armstrong? Blue Notes? Etwas mit Saxofon? Ein ganzes Genre oder nur ein Musikstil? Oder doch eine Lebenshaltung? Um diesen und anderen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir Fachleute beigezogen: Bruno Spoerri, Richard Butz und Marc Jenny – Jazz- Trio Nummer eins – unterhalten sich über Herausforderungen, Chancen und Potenziale im zeitgenössischen Jazz. Und auch ein wenig über das Gestern.

Unsere zweite Frage war, ob Jazz wirklich so «komisch riecht», wie Zappa meint. Wir sagen: hin und wieder. Ein bisschen. Aber gerade das macht ihn aus. Jazz irritiert. Jazz ist unbequem. Nichts für Gewohnheitstiere. Er fordert heraus. Jazz heisst in Bewegung bleiben. Improvisation. Zusammenspiel. Auflösung. Grenzen suchen, ausloten und überschreiten. Und Scheitern. Kein Wunder hat Jazz ein Imageproblem. Erst recht, wenn es um die Frauen geht. Mehr dazu, vielstimmig, unter anderem von Helvetiarockt und mit einer wild zusammengewürfelten, komplett unrepräsentativen Umfrage zum Stichwort «Jazz ist…».

Drittens die Ostschweiz: Wie duftet sie? Weniger ausgeprägt als auch schon, haben wir uns sagen lassen. Jazz-Trio Nummer zwei – Nathalie Maerten, Sandro Heule und Markus Bischof – spricht über die Gründe, weiss aber auch, was es bräuchte, damit es im Osten öfters wieder «komisch riecht». Michael Hasler hat das Gespräch geführt.

Früher hat St.Gallen definitiv anders gerochen: In der Saiten-Jazz-Nummer vom März ’97 zum Beispiel war sogar von einem «Jazz-Überangebot» die Rede. Offenbar ärgerte man sich in der Szene, dass aufgrund «mangelnder Koordination und Kommunikation» gleich zwei Jazz-Konzerte «exakt zur selben Zeit» stattfinden konnten. Wow.

Davon kann St.Gallen heute nur träumen. Jazz ist an den Rand gedrängt worden, die Szene überschaubar. Der Verein Gambrinus Jazz Plus (gjp), mit dem dieses Heft entstand, ist nach wie vor ein Dreh- und Angelpunkt für viele Ostschweizer Jazztäterinnen und -täter. 2011 musste er sich allerdings mangels Lokalitäten neu erfinden, seither versteht er sich als «stadtweiter Club» – improvisierend, von Ort zu Ort ziehend. Im November feiert Gambrinus sein 20-jähriges Bestehen, Peter Hummel vom Vorstand hat für diese Nummer in der Vereinsgeschichte gewühlt.

Und der wunderbare niederländische Zeichner Jordy van den Nieuwendijk spielt mit Farbstift «seinen» Jazz.

Ausserdem im Oktober: Bücherherbst, Wahlherbst mit Kunsthallen-Direktor Giovanni Carmine aus Tsüri, Arber Bullakaj aus Wil und dem Doppelweber in Ausserrhoden. Nicht zu vergessen: die üblichen Verdächtigen.

Corinne Riedener

 

Saiten: happy! Wieso? Gukkst du Oktoberheft.

Posted by Saiten – Ostschweizer Kulturmagazin on Donnerstag, 24. September 2015

 

DER INHALT:

 

Reaktionen / Postionen
Blickwinkel von Marco Kamber
Wahlkampf plakativ
Redeplatz mit Arber Bullakaj
Einspruch von Franz Hohler

 

JAZZ IST…

Quotes

«Der Jazz kopuliert mit allem»
Jazztrio I: Ein Kritiker, ein Bassist und ein Elektropionier im Gespräch.
von Peter Surber

Free Jazz oder was man dafür hält
Jazz ist, wo die Bastarde wohnen.
von Corinne Riedener

«Wir müssen einander gegenseitig mehr feiern»
Jazztrio II: Eine Sängerin, ein Pianist und ein Bassist im Gespräch.
von Michael Hasler

Jazz-Täter

Der stadtweite Jazzclub
20 Jahre Gambrinus: Ein nomadisches Lokal
von Peter Hummel

Wer gibt schon gerne die Bühne frei?
Noch immer fehlen dem Jazz die Frauen – das soll sich ändern.
von Regula Frei

Jazz-Lyrik

Die Illustrationen zum Titelthema stammen von Jordy van den Nieuwendijk.
Die Jazztrios fotografierte Sebastian Schneider.

 

PERSPEKTIVEN

Flaschenpost von Christoph Keller aus New York
Appenzell Ausserrhoden
Vorarlberg
Rapperswil-Jona
Thurgau
Stimmrecht von Yonas Gebrehiwet

 

KULTUR

«Ganz hyänenmässig»
Historische Entdeckungen auf dem Jahrmarkt.
von Peter Müller

Politiker statt Kunsthallen-Chef?
Giovanni Carmine im Gespräch mit Etrit Hasler

Der Bücherherbst: Solidarische Landwirtschaft. Demenz. Maag & Minetti. Tschuttende Mädchen. Erdbeben. Gedichte.

Happy End mit Schiltepuur
Manuel Stahlbergers zweites Soloprogramm.
von Peter Surber

Zehn Städte an einem Tag
Ham-E und E.S.I.K. lancieren ihre EP mit einer schrägen Konzertreise.
von Corinne Riedener

Rufmord in St.Gallen
Eine mediale Hetzjag zerstört im Fernsehfilm Verdacht ein Leben.
von Urs-Peter Zwingli

Weiss auf schwarz: Staatlich geschützter Rassismus.

 

ABGESANG

Kellers Geschichten
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

1 Kommentar zu Saiten im Oktober: Jazz ist.

  • Jazz ist… – mein Feedback zur Oktober-Ausgabe 2015 der Kulturzeitschrift SAITEN

    Eine vielseitige und interessante Oktober-Ausgabe hat die Monatskulturzeitschrift Saiten mit dem Thema „Jazz ist…“ herausgegeben. Beim Durchblättern entdeckte ich zur grossen Überraschung einen Beitrag über mich, betitelt mit „Der Don Quichote“. Die Interpretation dieser „Geschichte“ sei dem Lesepublikum überlassen. Ich finde sie lustig und mich mit wenigen Worten grob umschrieben.
    Ich bin zwar nicht einer, der gegen Windmühlen kämpft, sondern einer, der für würdige und angemessene Auftritts-Szenerien in jeder Beziehung einsteht.

    „The average person thinks of jazz as ambiance music… background music. They don’t regard it as a classical art form. And when a performer is playing, respect should be given”, schrieb Lori Williams (Washington D.C.), die am kürzlichen jazzin (6. Festival St. Gallen) aufgetreten ist, an das Piano-Urgestein Klaus Koenig, dessen Konzert sie im Rahmen des Festivals angehört hat. Dieser Meinung bin ich auch.

    Die „Brüche und Umwerfungen“, wie Saiten schreibt, kann ich an einer Hand abzählen, so zum Beispiel mit dem Wirt des Weinlokals 1733, der mir unter anderem aufgrund eines Streits, für dessen Ursache ich mich entschuldigt habe, ein generelles Hausverbot auferlegt hat, was ich im Interesse der Sache nicht verstehen kann, zumal die Konzertreihe „live im 1733“ schliesslich meine Idee unter meiner Leitung war und noch als eigentlich einziger, regelmässiger Eigen-Anlass des Vereins „gambrinus jazz plus“ funktioniert.

    Beim Vereinsvorstand „Night Music“ in Flawil, dessen Konzertreihe „Monday Night Music“ und Gründung ich auch initiiert habe, und die im 8. Jahr immer noch stattfindet, bin ich ebenfalls kein gern gesehener Gast, weil ich mein Defizit-Darlehen des jazzin 2010 von beinahe siebentausend Franken eingefordert und – leider dann per Anwalt – zurückerhalten habe. Da kann ich beim besten Willen kein persönliches Fehlverhalten feststellen.

    Eigenartig empfand ich in einem Interview die Frage Michael Haslers an meine Musikerkollegen Sandro Heule und Markus Bischof „… wie wichtig ist das jazzin-Festival für die Szene?“. Es sei „eine Eigenproduktion“, „eine wertvolle Einzelproduktion eines Einzelnen“ und „es wäre allerdings von Vorteil, wenn das Festival etwas breiter abgestützt wäre.“

    Das jazzin gibt es seit 2008. Anfänglich war es ein fast 30-köpfiges Komitee. Heute sind wir 14 Komiteemitglieder, mit mir als Präsidenten. Das Festival hat vor dem Kanton St. Gallen den Nachweis erbringen müssen, dass es mit seinen Stilen Swing, Funk, Soul & Acid-Jazz kein regionales Festival konkurrenziert. Mit der Werbekooperation des „gambrinus jazz plus“ sind wir in dieser Beziehung schon mal sehr breit abgestützt, kommt vor allem die Vielzahl von Unterstützern und Unterstützerinnen mit meist nennenswerten Beiträgen und gar einem Vierjahresvertrag hinzu, das seinesgleichen sucht. So kann gesagt werden, dass das jazzin zu einem der breitabgestütztesten Anlässe hierzugegen zählt. Der Verein jazzin ist seit Frühjahr 2013 ein eigenständiger Verein, der nebst dem Festival auch eine weitere Jazzkonzertreihe – in diesem Jahr „ton im krug“ in der Krug-Bar St. Gallen – organisiert und sich zum Ziel gesetzt hat, ausschliesslich Jazzmusik der besagten Stile zu präsentieren. Zum Konzept gehört der festgelegte Eintrittspreis und die angemessenen Festgagenzahlungen. Am Festival erhielten die Auftretenden für die neu konzipierten Samstagabendprojektkonzerte „CH meets…“ (3 Bands mit ausländischen Musikmachenden) bis annähernd tausend Franken pro Person, exklusive Hotelübernachtungen, Proberaummieten, ev. Flugspesen, Verpflegung, etc.

    Zum persönlichen Traum von Michael Hasler, einem Festival auf dem roten Platz in St. Gallen „mit unbedingt internationalen Impulsen“, kann ich nur hoffen, dass es nicht zu einem quasi weiteren Gratisanlass mit Kollekte kommen wird, der den weiteren Niedergang der schon ziemlich kaputten Jazzszene fördert. Denn ich kenne keine andere Kunstszene, als die des Jazz, die sich Gratiseintritte und freiwillige Kollekte – dies bei meist unwürdiger Gage – erlaubt. Dieser Entwicklung müsste möglichst rasch Einhalt geboten werden, meint der „kauzige und nimmermüde Vorkämpfer UC“ (Zitat Saiten).

    Keep Swingin‘ – seid stolz darauf, seit Jahren ein breit abgestütztes, professionelles Festival mit internationalen Impulsen auf höchstem Niveau und mit junger Tradition – jetzt während 4 Tagen – in St. Gallen zu haben. Wir – der Verein jazzin – freuen uns auf euren Konzertbesuch, mit dem das Festival dann definitiv und effektiv allerbreitestens abgestützt würde.

    Wie sagt doch Sandro Heule im Saiten-Interview so schön: „Wir müssen den Jazz feiern“.

    Urs C. Eigenmann
    St. Gallen, 11. Oktober 2015

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