, 28. August 2020
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Saiten im September: Yalla, Zentrumsstadt!

Ein Heft zum St.Galler Stadtpräsidium: Wie die drei Kandidierenden ticken und was von der Ära Scheitlin bliebt. Ausserdem: Neue Literatur, 10 Jahre Lokremise, 20 Jahre Buffpapier und die Anti-Begrenzungs-Reportage aus dem Rheintal.

Die Bilder zum Titelthema im Septemberheft hat Ueli Steingruber gemacht.

Schade folgen wir dem städtischen Freisinn nicht in den Sozialen Medien. Sonst hätten wir schon früher das «St.Galler FDP Leiterlispiel zu den Stadtparlamentswahlen 2020» entdeckt, auf dem die Parteimitglieder mit ausgebreiteten Armen vor der Kathedrale posieren. Mit dem Slogan «spielerisch wählen und politisieren».

Wir wollen der FDP natürlich nichts unterstellen, aber Wikipedia meint zum Leiterlispiel: «Das Spiel ist in seiner Grundform ein reines Glücksspiel ohne strategische Elemente, weshalb es vor allem von und mit jüngeren Kindern gespielt wird.»

Ihr merkt, es ist Wahlherbst. Das Stadtparlament wird neu besetzt und auch in der Exekutive werden die Karten neu gemischt. Endlich wieder Politik statt Pandemie. Das freut uns, deshalb widmen wir dieses Heft dem vielleicht prägendsten Amt in der Stadt St.Gallen, sicher aber dem prestigeträchtigsten: dem Stadtpräsidium. Standortfaktor Thomas Scheitlin macht nach 14 Jahren als Stadtpräsident Platz für eine neue Kraft. Die kritische Würdigung seiner Amtszeit ist ab Seite 26 zu finden, verfasst von Andreas Kneubühler.

Und wer kommt nach? Wer entkrustet die Hauptstadt? Wer tritt an, um St.Gallen zu einer zukunftsfähigen 100’000er Bleibe umzubauen, die auch (inter-)national wahrgenommen wird? Und mit ihr die ganze Region?

Zur Wahl stellen sich die zwei Bisherigen, Bauchefin Maria Pappa (SP) und Bildungschef Markus Buschor (parteilos) sowie Mathias Gabathuler (FDP), derzeit Rektor der Kanti am Brühl. Saiten hat die drei zum Zmittag eingeladen und sie zwischen Pizza, Bratwurst und Ravioli zu allerhand Themen befragt; zur Umwelt- und Verkehrspolitik, zu Stadtentwicklung, Finanzen, Kultur, Bildung und Zentrumspolitik. Das Ergebnis davon ist auf den Seiten 19 bis 24 nachzulesen. Die Bilder zum Titelthema hat Ueli Steingruber gemacht.

Um den Wahlkampf in «Sankt Unspektakulär» etwas aufzulockern, haben wir im Titelteil noch eine Kurzgeschichte reingeschmuggelt. Zudem stehen im September auch noch ein paar nationale Entscheide an. Roman Hertler hat sich im Rheintal umgehört und nach Befürwortern der SVP-Begrenzungsinitiative gesucht. Diese halten sich eher zurück – es ist ein Initiativgegner, der sagt, dass «in uns allen womöglich ein bisschen ein Rassist» steckt.

Nina Rudnicki, Urs-Peter Zwingli und Veronika Fischer beschäftigten sich derweil mit dem zweiwöchigen Vaterschafts-«Urlaub», über den wir ebenfalls am 27. September abstimmen, und sagen einhellig: Ja!

Ausserdem im prallen September: Neue Literatur von Dorothee Elmiger, Simon Deckert, Anna Stern, Christoph Keller und zwei Verlagen im Thurgau. 10 Jahre Lokremise, 20 Jahre Buffpapier. Eine Flaschenpost aus London, Appenzell im Pazifik, Sex im Bundeshaus und Erinnerungen an Thomas Troxler.

Auf in den Herbst also, liebe Leserinnen und Leser. Kauft neue Bücher, geht an die Urne, sofern ihr dieses Privileg habt – und haltet euch weiterhin an Hygienemassnahmen, damit das allmählich wieder aufflackernde (Kultur-)Leben nicht von der zweiten Welle erstickt wird.

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

Reaktionen / Positionen
Stimmrecht
Redeplatz mit Jessica Jurassica
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Erinnerung an Thomas Troxler
Meinungsbildung I + II

Yalla, Zentrummsstadt!

Stadtpräsidium, wohin? Saiten fühlt den Kandidierenden beim Zmittag auf den Zahn. Von Roman Hertler und Corinne Riedener

Stadtpräsidium, woher? Rückblick auf 14 Jahre Thomas Scheitlin und bürgerliche Standortpolitik. Von Andreas Kneubühler

Stadtpräsidium, warum nicht? Kurzgeschichte über eine, die es sich überlegt. Von Corinne Riedener

Perspektiven

«Wäh, ist das schön»: Die Flaschenpost aus fockin’ London, wo die Mindestlohnarbeit hart und das Bier scheisse ist. Von Sandro Zulian

Was bedeutet Zuwanderung für eine Grenzregion? Und warum ist im Rheintal scheinbar kaum jemand für die SVP-Begrenzungsinitiative? Eine Reportage. Von Roman Hertler

«Was zur Hölle ist hier los?»: Mutterschaft bedeutet, dass Mutter schafft. Und ein «Pro & Pro» zum zweiwöchingen Vaterschaftsurlaub. Von Veronika Fischer, Nina Rudnicki und Urs-Peter Zwingli

Appenzell liegt im Pazifik: Eine Spurensuche zwischen idealisierten Kuhhirten, vermeintlichen Kannibalen und der kolonialen Schweiz. Von David Aragai

Kultur

10 Jahre Lokremise: Geschäftsführerin Mirjam Hadorn über die Qualitäten und Tücken des Hauses, Negativschlagzeilen und die Zugänglichkeit für die freie Szene. Von Peter Surber

Die grosse Freiheit: Kunstschaffende rufen mitten im Toggenburg die «Freie Republik Bad Hemberg» aus. Von Sascha Erni

Ein anarchistisches Freudenfest: Die «RUM COLA EP – CUBA LIBRE EP» von Freizeittechnologie of Switzerland. Von Corinne Riedener

Krüppel? Nein, Superheld! Der St.Galler Schriftsteller Christoph Keller hat Stadträtin Maria Pappa zu einer «Stadtberollung» eingeladen. Von Sandro Zulian

«das alles hier, jetzt»: Anna Sterns formal gewagter «Roman» über Familie und Freundschaft, über Urvertrauen und Geborgenheit. Von Eva Bachmann

«Aus der Zuckerfabrik»: Dorothee Elmiger holt Sklavereigeschichte in ihre und unsere Gegenwart hinein. Von Peter Surber

Wie ein Ritt auf dem Drachenrücken: Simon Deckert legt mit «Siebenmeilenstiefel» ein märchenhaftes Debüt vor. Von Eva Bachmann

Thurgauer Verlagslandschaft: Auf einen Fallrückzieher, einen Verkauf und einen Stillstand folgen zwei Vorwärtsschritte, Saatgut und Caracol. Von Dieter Langhart

Die Ziegelhütte zeigt Werke der Künstlerin, Heilpraktikerin und Pendlerin Emma Kunz und stellt sie zeitgenössischem Kunstschaffen gegenüber. Von Richard Butz

Wie Leben nach dem Überleben? Argyris Sfountouris, der Protagonist der Dokumentation «Ein Lied für Argyris» ist im Kinok zu Gast. Von Karsten Redmann

20 Jahre «Work in progress»: Die Compagnie Buffpapier feiert ihr Jubiläum und schlägt auf der Kreuzbleiche ihr Stretch-Zelt auf. Von Sarah Fuhrmann

Parcours: Berufswunsch Malerin, Lust auf bessere Zeiten, Offene Ateliers und voll in die Presse

Abgesang

Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic

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