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Saiten im Sommer: Grüner und Schwarzer Engel

Ein Heft über den Beinahe-Absturz des Schwarzen Engels, die Präsidentschaftswahlen in der Türkei und Ausgehtipps für Juli/August. Ausserdem im heissen Sommer: zwei Repliken auf die Textilmuseumskritik vom letzten Heft und – leider, leider – zum allerletzten Mal Jan Rutishausers Warum-Kolumne.
Von  Redaktion Saiten

Es war nicht das erste Mal, dass der Schwarze Engel, die alternative Traditionsbeiz in der St.Galler Altstadt, gerettet werden musste. Aber es war wohl noch nie so knapp wie im vergangenen Herbst. Innert fünf Tagen mussten 30’000 Franken her, ansonsten hätte die Genossenschaftsbeiz ihre Bilanz deponieren müssen. In der eiligst auf die Beine gestellten öffentlichen Rettungsaktion kamen 150’000 Franken zusammen. Damit hätte wohl niemand gerechnet. Der Engel war mehr als saniert.

Trotzdem stellt sich die Frage, wie die Genossenschaft in den vergangenen Jahren gewirtschaftet hat. Klar, da war Corona. Aber das allein erklärt die Beinahekonkurs nicht. Schon 2019 gab ein Genossenschafter an einer ausserordentlichen GV zu Protokoll, dass die Finanzen «drastisch» aussehen. Nur hat scheinbar niemand ernsthaft auf diese Warnung reagiert. Aussenstehende wunderten sich denn auch über den plötzlichen Hilferuf aus der Engelgasse. Denn die Beiz schien hervorragend zu laufen. Gerade an den Wochenenden ist drinnen und draussen manchmal kaum ein Durchkommen.

Wo es genau hakte, ist immer noch Gegenstand interner Abklärungen der mittlerweile neu besetzten Genossenschaftsverwaltung. Das ist auch fürs Kollektiv ein schmerzhafter Prozess, denn dabei werden auch alte Konflikte hochgespült, die man lieber vergessen würde. Aber die Misswirtschaft der Vergangenheit lässt sich in einem gemeinschaftlich organisierten Betrieb wie dem Schwarzen Engel eben nicht losgelöst vom Zwischenmenschlichen aufarbeiten.

Saiten hat mit diversen Personen aus dem Umfeld des Engels gesprochen, mit heutigen und ehemaligen Mitarbeitenden. Da war von informellen Hierarchien die Rede, gar von Mobbing. In den letzten zehn Jahren kam es zu drei höchst umstrittenen Entlassungen, unter anderem aufgrund nie bewiesener Diebstahlanschuldigungen. Jene, die damals den Ton angaben, hatten auch das landwirtschaftliche Biohofprojekt Grüner Engel ins Leben gerufen, von dem der Schwarze Engel jahrelang einen kleinen Teil seines Gemüses bezog – eigentlich eine hübsche Idee. Wie gross der Anteil des Grünen Engels, dessen Auflösung im Mai beschlossen wurde, am Beinahekonkurs des Schwarzen Engels ist, muss im Detail abgeklärt werden. Saiten liefert ab Seite 17 eine erste Auslegeordnung.

Corinne Riedener war rund um den zweiten Wahlgang der türkischen Präsidentschaftswahlen in Ankara und Diyarbakır unterwegs im Rahmen einer Delegationsreise. Sie hat ein Beobachtungsteam auf seinem Gang durch die Wahlstuben begleitet und mit Journalist:innen, Anwält:innen und Politiker:innen über das «System Erdoğan» gesprochen, das in alle Winkel des Staates und der Gesellschaft reicht. Ergänzt ist der Türkeischwerpunkt mit zwei einordnenden Beiträgen von Rojda Oğuz und Ronî Riha.

Ausserdem im heissen Sommer: die Saiten-Sommertipps aus allen Ecken der Ostschweiz und darüber hinaus, zwei Repliken auf die Textilmuseumskritik aus dem letzten Heft und – leider, leider – zum allerletzten Mal die Warum-Kolumne von Jan Rutishauser. Danke, Jan, für 48 Mal «warum?» und «wieso?» und «überhaupt!».

Roman Hertler

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
In eigener Sache: Zur Jubiläumsumfrage
Stimmrecht von Sangmo
Warum? Von Jan Rutishauser
Ausblicke aufs Paula-Festival mit Michael Finger
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser

 

Recherche

Von Engeln und Pleitegeiern

Das landwirtschaftliche Genossenschaftsprojekt Grüner Engel ist Geschichte. Wie kams dazu? Und was hat sein Ende mit dem Beinahekonkurs der Genossenschaftsbeiz Schwarzer Engel in St.Gallen zu tun? Saiten hat sich durch den Mulch gewühlt.

von David Gadze und Roman Hertler, Illustrationen: Ladina Bösch

Reportage

Vor der Wahl ist nach der Wahl

Erdoğan hat die Türkei fest im Griff. Sein Herausforderer in der Präsidentschaftswahl, Kemal Kılıçdaroğlu, hatte einen demokratischeren Kurs versprochen, doch der erhoffte Systemwechsel ist ausgeblieben. Die Reportage aus Ankara und Dyarbakır in den Tagen rund um die Stichwahl am 28.Mai.

von Corinne Riedener, Bilder: Luca Isepponi

Erdoğan hat gewonnen, aber die Türkei hat verloren
von Ronî Riha

Journalistinnen unter Druck
von Rojda Oğuz

 

 

Kultur

Sommertipps: Musik, Kino, Theater, Literatur und Kunst in Rorschach, Arbon, Wil, Schwellbrunn, Eggersriet, Herisau, Rapperswil-Jona, St.Margrethen, Kreuzlingen, Islikon, Vaduz, Winterthur, Appenzell, Lichtensteig, Feldkirch, Bonaduz, Chur und St.Gallen.
von Larisa Baumann, David Gadze, Roman Hertler, Andres Kneubühler, Corinne Riedener, Kristin Schmidt, Franziska Spanner und Peter Surber

Plattentipps: Analog im Sommer
von Lidija Dragojevic, Magdiel Magagnini und Philipp Buob

Gutes Bauen Ostschweiz (X): Schwarz ist nicht gleich schwarz.
von Stefanie Haunschild

 

Abgesang

Kellers Geschichten
Pfahlbauer jr.
Comic von Julia Kubik

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Jakob Federer-Aepli,  

Grüner und Schwarzer Engel Vom ersten bis zum letzten Schluck verschlang ich eure Recherche. Auch mit einer gewissen voyeuristischen Faszination. Ich verbrachte in den späten 80 er Jahren selbst zwei Jahre in einem Gastro – Kollektiv. Der Engeltext weckte alte Erinnerungen auf. Geister, wäre zu viel gesagt. Diese sind schon lange ausgeflogen. Wie die schlafenden Hunde sich verzogen haben. Ich zog damals von dannen auch weil der Lohn die Schmerzgrenze der Selbstausbeutung überschritten hatte. Gelernt habe ich damals viel. In der Küche, im Service, im Umgang mit Gästen, den Heraufforderungen von regelmässigen VV (Vollversammlungen). Und eine Binsenwahrheit: Das Geld, das du in der Kasse hast um Löhne zu zahlen, einzukaufen, Gemüse, Fleisch und Getränke und sogar das WC-Papier, das kommt alleine von den Gästen die dir den Besuch vergelten. Wollten die Engelkollektive die Schwerkraft überwinden und die betriebswirtschaftlichen Grundgesetze ausser Kraft setzen? Gibt es möglicherweise eine angeborene Berührungsangst in der Szene mit Geld. (Einer der sich mit Geld und Musik auskennt, eröffnete nicht 200 Meter vom Engel entfernt einst ein Restaurant. NONOLET («Pecunia non olet»,abgeleitet vom lateinischen «Geld stinkt nicht»).

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
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Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
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Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 5

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 5: Emil Brun­ner – «Berg Kind Welt», Ra­pid Open­air und Kul­tur­ufer. 

Von  Redaktion Saiten
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FC St.Gal­len vs. FC Zü­rich 2:1 – Ers­te drei Punk­te im Tro­cke­nen

Der Spa­gat zwi­schen eu­ro­päi­schen Näch­ten und bie­de­rem Su­per­league All­tag ist oft schwer. So auch heu­te. Ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung und die rich­ti­gen Wech­sel in der zwei­ten Halb­zeit rei­chen aber für die ers­ten drei Punk­te der Sai­son. 

Von  SENF Kollektiv
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Bren­nen­de Wa­den und leuch­ten­de Kat­zen

In leich­ten Pas­tell­tö­nen und dunk­len Öl­far­ben setzt sich der deut­sche Künst­ler Mar­cel Hüpp­auff mit dem Pro­fi­rad­sport aus­ein­an­der. Da­bei tre­ten in sei­ner Schau im Chambre Di­rec­te-Schubi­ger in St.Gal­len nicht nur Men­schen, son­dern auch Kat­zen in die Pe­da­le.

Von  Vera Zatti
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Ein Wer­den­ber­ger Po­lit­star – lau­fend, stri­ckend, stets ge­er­det

Mit Hil­de­gard Fäss­ler (1951–2026) ver­starb kurz vor ih­rem 75. Ge­burts­tag ei­ne der pro­fi­lier­tes­ten Ost­schwei­zer Po­li­ti­ke­rin­nen an den Fol­gen ei­ner schwe­ren Er­kran­kung. Nach­ruf ei­ner lang­jäh­ri­gen Weg­ge­fähr­tin.

Von  Käthi Gut
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Wo Kunst ent­steht

Ver­steckt im Sit­ter­tal pro­du­ziert die Kunst­gies­se­rei Wer­ke re­nom­mier­ter Künst­ler:in­nen. Da­bei gilt es oft, Neu­es aus­zu­pro­bie­ren und Lö­sun­gen zu fin­den – mit Zu­cker, Wachs und na­tür­lich Me­tall. Sai­ten er­hält ei­nen Ein­blick in das ver­rück­te Schaf­fen am Ran­de St.Gal­lens.

Von  Daria Frick , Bilder:  Andri Vöhringer
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FC St.Gal­len vs. Ben­fi­ca 2:1 – St.Gal­len schafft die Sen­sa­ti­on!

Der FC St.Gal­len ge­winnt ge­gen den haus­ho­hen Fa­vo­ri­ten aus Lis­sa­bon mit 2:1. Die gröss­te Sen­sa­ti­on, die die­ses Sta­di­on je ge­se­hen hat. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 4

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 4: Cy­prien Gail­lard – «When you ex­pect flu­tes, it whist­les», «Komm Glüückck» und Je­re­my Reeds Buch Du stirbst nur zwei­mal – Ein Syl­via Plath-/Vic­to­ria Lu­cas-Ro­man.

Von  Redaktion Saiten
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Kolumne: Heppelers Bestiarium

Flip­per im Mi­li­tär­dienst

Von  Jeremias Heppeler

Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

Von  René Hornung
Badhuette rorschach

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener