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Saiten im Sommer: Stadtverwaldung

Ein Heft über grüne Metropolen, Samenbomben, Permakultur. Samt Vorabdruck aus Christoph Kellers wucherndem Gartenroman. Ausserdem: Haus der Freien Szene, Gefängnistheater, struktureller Rassismus und der Kultursommer 2019.
Von  Redaktion Saiten
Bildstrecke und Cover: Aurelio Kopainig

Anfang August vor einem Jahr wurden auf dem frisch gestalteten Kornhausplatz in St.Gallen Bäume gepflanzt. Man habe nur die robustesten Sorten, die mit Hitze, Trockenheit und Abgasen zugange kommen, ausgewählt, versicherte das private Gartenbauunternehmen. Wer jetzt über den peinlich-reinlichen und fugendicht zugekitteten Platz beim Hauptbahnhof geht oder eilt, sieht zwar, dass die Silberlinden einigermassen über die Runden kommen. Aber die Gleditschien sehen nicht gut aus. Einzelne Äste sind bereits abgestorben. Ist es Wassermangel? Die Stadtkassiere können sich vorerst damit trösten, dass ein allfälliger Ersatz noch in die Anwuchsgarantie der Gärtnerei fallen dürfte.

Was die Stadtbegrünung betrifft, hinkt St.Gallen anderen Städten weit hinterher. Meist scheitern vernünftige Vorhaben schon an der Hauptsorge der Stadtreinigung, dass die Putzmaschinen nicht mehr unter den tief hängenden Ästen hindurchkommen, was bei Jungbäumen eben der Fall wäre. Herangekarrte grössere Bäume sehen zudem einfach schon nach fertigem Platz aus. Der Gesamteindruck lässt sich eher mit den üppigen Illustrationen, die im Vorfeld herumgeboten wurden, abgleichen, als wenn die Pflanzen über etliche Jahre vor Ort hochwachsen müssten. Das Bahnhofareal sollte bei der Einweihung am 31. August ordentlich daherkommen, so wollten es Politik und Wirtschaft. Da kann man auch mal darüber hinwegsehen, dass Bäume im vollen Blättergewand in aller Regel nicht verpflanzt werden. An Saisongerechtes und natürliche Kreisläufe halten sich ohnehin nur noch ein paar letzte vegane Kleinstadthipster.

Wir gehen auf Spurensuche in andere Städte, die grossangelegte Stadtbegrünungs-Projekte verfolgen. Wir besuchen einen Permakulturhof im Rheintal und holen uns dort Tipps, wie auch auf Stadtbalkonen Gemüse gedeihen kann. Ein Samenbömbeler erklärt, wie er die Stadtverwaltung bei ihren stiefmütterlichen Begrünungsbestrebungen heimlich unterstützt.

Eine nachhaltige Stadtbegrünung kostet. Man lässt sich aber lieber weiterhin ein bisschen grün umringen, im Stadtzentrum ist eine üppige Bepflanzung schlicht zu aufwändig. Dabei gäbe es andernorts durchaus Sparpotenzial, etwa bei den diversen Standortförderungsstellen. Die Wirtschaft kann sich schliesslich selber regulieren, so schallt es zumindest allenthalben vom Rosenberg. Die Natur könnte es mit Sicherheit noch besser, wenn man sie denn liesse.

Und das leitet über zum Haupttext in diesem Sommerheft: Christoph Keller, der St.Galler Autor, entwirft in seinem neusten Roman Der Boden unter den Füssen die Fantasie eines Gartens, der mehr und mehr ein Eigenleben annimmt, und die Utopie einer Gesellschaft, die die radikale Wende riskiert: Mensch und Natur nicht auf Konfrontationskurs, sondern miteinander. Das Buch erscheint im August, Saiten hat die Freude, einen Auszug als Vorabdruck publizieren zu können. Ein weiterer künstlerischer Zugriff auf das Thema sind Aurelio Kopainigs nachdenklich stimmende Fotografien aus seinem Langzeitprojekt Houses & Trees.

Ausserdem im Sommerheft: Haus der freien Szene, Gefängnistheater, struktureller Rassismus und der ausführliche Sommerführer – 22 mal üppig spriessende Kultur.

Roman Hertler

 

Der Inhalt:

Reaktionen
Positionen
Redeplatz mit Ann Katrin Cooper
Stimmrecht von Farida Ferecli
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Innensichten: DenkBar und Militärkantine

 

Titel

Gartenfantasie und Fortschrittskritik: Ein Auszug aus dem im August erscheinenden Roman Der Boden unter den Füssen des St.Galler Schriftstellers Christoph Keller.

Grün und biodivers bauen: Singapur macht es vor, Mailand kanns auch, St.Gallen hinkt noch hinterher.
von Corinne Riedener

Zauberwort Permakultur: Was die Familie Schmid auf dem Hof Morgarot im Rheintal praktiziert, kann auch städtische Balkone verwandeln.
von Roman Hertler

Der Samenbömbeler: K.R.* wünscht sich eine grünere Stadt mit grösserer Biodiversität und tut auch etwas dafür.
von Roman Hertler

Bildstrecke und Cover: Aurelio Kopainig

 

Perspektiven

Das Land der unwahrscheinlichen Möglichkeiten: Diamantenschürfen in Arkansas.
von Thomas Stüssi

«Auf der Bühne bin ich kein Verbrecher»: Wie Strafgefangene das Theaterspielen erleben.
von Mirjam Bächtold

Struktureller Rassismus: Warum Aufklärungsarbeit Teil der Unterdrückungsspirale ist.
von Serafina Ndlovu

 

Kultursommer 2019

Musik, Theater, Kunst und Filme in Altstätten, Steinach, Arbon, Rorschacherberg, St.Gallen, Winterthur, Konstanz, Rapperswil-Jona, Dornbirn, Lustenau, Trogen, Frauenfeld, Salenstein, Kreuzlingen, Gais, Feldkirch, Bütschwil, Lichtensteig, Rorschach, Schwellbrunn, Sargans, Bregenz, Weesen und Weiertal.

Mit Beiträgen von Veronika Fischer, Kristin Schmidt, Peter Müller, Sascha Erni, Michael Lünstroth, Urs-Peter Zwingli, Andreas Kneubühler, Roman Hertler, Peter Surber und Corinne Riedener

Illustrationen: Emil Bänziger

 

Abgesang

Boulevard
Kalender
Kiosk
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic von Julia Kubik

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
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Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah