, 7. Juni 2016
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#Saitenfährtein: Ab auf die Insel

#Saitenfährtein in Rapperswil-Jona oder, wie die Einheimischen sagen: Rappi-Jona. Das ist, aus Stadt-Sanktgaller Sicht, eine sehr andere Welt.

Rappi hat alles. Eine putzige Altstadt. Eine alleridyllischste Insel, die Lützelau, mini, wie der Name sagt, aber mit einem freundlichen Gastgeber namens Joe, der wirtet und den Camping betreut und den Lützel-Shuttle betreibt, Geheimtip, nicht weitersagen.

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Rappi hat den See. Hat eine Riviera mit dem mediterransten Klima nördlich der Alpen, inklusive Feigenbäume und Palmen. Den See. Initiative junge Leute, die witzige Beizen und Kulturlokale betreiben oder planen. Rappi hat ein Schloss, pardon: eine Burg, um deren Inhalt gestritten wird seit Jahren. Den See. Historische Gassen, gegen die St.Gallen einpacken kann. Den Zoo. Den See. Die Fachhochschule. Rappi hat fast alles. Rappi braucht St.Gallen nicht.

Das zeigte sich zuletzt zum Beispiel im Herbst 2015 bei den Wahlen in den Nationalrat: Der südliche Kantonsteil wählt seine Leute aus dem Süden, der Norden hat das Nachsehen. Zwei von drei neugewählten Nationalräten, Barbara Keller-Inhelder und Marcel Dobler, stammen aus Jona. Die Stadt St.Gallen delegiert noch genau eine Nationalrätin, Claudia Friedl. St.Gallen bräuchte Rappi. Rappi braucht St.Gallen nicht.

Rapperswil-Jona hat letztes Wochenende die Expo 2027 im hohen Bogen abgelehnt, mit bloss 34 Prozent Ja-Stimmen. Weniger, nämlich rund 30 Prozent, waren es nur noch im Sarganserland. Je weiter südlich im Kanton, desto höher der Anteil Nein-Stimmen. Sogar das SVP-lastige Rheintal schmetterte die Expo weniger heftig ab als Flums, Mels, Walenstadt, Rapperswil-Jona & Co. Rappi hat den See vor  der Nase und Zürich vor der Tür, St.Gallen dagegen liegt weit weg im kalten Irgendwo ennet dem Ricken.

Wer in Rapperswil an einem sonnigen Tag wie diesem am See sitzt oder einen Abstecher auf die Lützelau macht, kann zumindest ahnen: Rappi-Jona, die zweitgrösste Stadt des Kantons, ist sich selbst genug. Für den Willenskanton St.Gallen ist das keine gute Nachricht.

#Saitenfährtein: Die monatliche Expedition von Verlag und Redaktion ins nähere oder weitere Umland von St.Gallen war trotzdem erfreulich. Mehr später hier und noch später im Juli-August-Heft.

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