«Und wisst ihr noch, wie das ist, wenn man als Kind an so einem Sommerabend bei offenem Fenster in den Schlaf hineinträumt?» Schon mit dem ersten Satz ist er angeschlagen, der typische Peter-Kurzeck-Ton. Plaudernd, aber nicht gemütlich, sondern ganz genau und kein Wort zuviel. So wie es auch die Igel halten, von denen Kurzeck (1943-2013) in seinem Erinnerungsbuch «Das Weltbild der Igel» erzählt.
Die Igel lassen sich Zeit, mehrere Wochen lang, vom Tal unten den Hang hoch, vom Sommerquartier bis zum Winterlogis oben am Waldrand, gehen traditionalistisch und eigensinnig ihre seit jeher begangenen Wege – bis ihnen die neue Strasse an die Existenz geht. Aber das ist erst später.
Jetzt, im ersten von vier Teilen, die der Schauspieler Marcus Schäfer und der Musiker Willi Häne aufnehmen und im Wochentakt als Podcast veröffentlichen, ist die Igel-Welt und die Welt des Kindes Peter Kurzeck, damals im Oberhessischen in den 1950er-Jahren, noch in Ordnung. Am Hang findet sich alles, was das Igelherz begehrt: Morgentau im Gras, Schnecken, Mäuse mit Wacholderbeeren, faule Äpfel, Birnen und Pflaumen, Käfer, Larven, wilden Kümmel, Pilze. Und vergorene Sommerbeeren für ihre «Andachten», bei denen ihnen leicht angesäuselt in den Sinn kommt, dass sie eigentlich an die Unsterblichkeit glauben wollten.
Kurzecks Igel sind so heitere wie tiefsinnige Lebewesen, sie mögen Kinder und die Kinder mögen sie, sie schimpfen über den Zaun rund ums neue Schwimmbad und lassen sich von ihm nicht abhalten, es gibt Eigenbrötler unter ihnen, Romantiker und Abenteurer. Die oberhessischen Igel wissen seit ewigen Zeiten, dass sie nützlich sind – bis es eben, eines Tages, mit dieser Nützlichkeit vorbei sein wird. Vielleicht deshalb kann der Erzähler nicht anders: «Man muss immer von ihnen sprechen.»
Das Weltbild der Igel ist als Bühnenstück konzipiert. Marcus Schäfer liest, Willi Häne spielt, Tine und Jurek Edel erweitern den Text um Bilder. Jetzt, coronabedingt, fallen Auftritte mit dem Programm weg. Der Podcast soll einen Ersatz dafür bieten. (Su.)
Blackbox heisst die neue Rubrik auf saiten.ch. Ihre Einführung ist der Corona-Krise geschuldet. Der Kulturbetrieb steht seit Mitte März still, Konzerthäuser, Theater, Kinos, Museen, Clubs: geschlossen. Für das Publikum ist das schade, für viele Kulturschaffende weit mehr: eine existentielle Bedrohung. Die Saiten-Blackbox macht drum eine Bühne auf für Bilder, Texte, Filmbeiträge, Songs und anderes. Kein Streamen um jeden Preis, sondern Originale sollen hier zu sehen und zu hören sein, kurz kommentiert, erklärt oder einfach so. Und dies – soweit zumindest der Plan – über Corona hinaus.
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.