, 30. Januar 2020
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Schön wärs

«Von hoher Schönheit, beinahe Festlichkeit»: So ist die Schalterhalle der St.Galler Hauptpost nach ihrem Bau 1915 gelobt worden. Dieser Tage war sie, zwecks Reinigung, wieder einmal in ihrer alten Pracht zu sehen. Inzwischen ist wieder möbliert.

In den letzten Tagen wurde die Halle der St.Galler Hauptpost gründlich geputzt. Dafür mussten alle Verkaufsregale und der ganze Plunder, der die Halle verstellt, ausgeräumt werden. Schön wars, den grosszügigen Raum wieder einmal so zu sehen, wie ihn die Architekten Pfleghart & Haefeli 1911 bis 1915 planten und erbauen liessen.

Das Glück der Leere, vorher…

Die Gestaltung der Schalterhalle mit ihrer vornehmen Grosszügigkeit und der Kassettendecke war – laut dem Kulturgeschichtler Peter Röllin, dem Verfasser des Textes im Inventar der neueren Schweizer Architektur (Insa) – von der gerade aufkommenden Werkbundbewegung beeinflusst. Die Bemalung stammt von Hans Walty, die Plastik von Walter Mettler.

Dem damaligen Heimatschutz gefiel das allerdings nicht. Er reklamierte einen «Mangel an enger Beziehung zum alten St.Gallen». Ganz anders die Schweizerische Bauzeitung, die 1915 diese Halle in höchsten Tönen lobte:

«Vornehmheit und Gediegenheit in Material, Farbe und Form, gepaart mit sorgfältiger Anpassung aller, auch der kleinsten Einzelheiten an ihren technischen Zweck. All das in möglichster Einfachheit und Solidität, sind das Charakteristische dieser Schalterhalle. Das ist Werkbundarbeit, in bestem Sinn moderner Architektur. Nichts ist spielerisch und kleinlich, nichts gequält oder gesucht, alles, wie es einem modernen Geschäftshaus geziemt, zu ernsthaftem Gebrauch bestimmt und dabei doch von hoher Schönheit, beinahe Festlichkeit.»

Schade, kann man den heutigen Verantwortlichen der Post dieses hohe Lob nicht mehr aussprechen.

…und das Elend der Fülle, nachher.

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