, 24. April 2013
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Schöne neue Welt

Die Stadt St.Gallen und die SBB wollen zusammen die Neugestaltung des Bahnhofsplatzes an die Hand nehmen. Stadträtin Patrizia Adam und Stadtingenieur Beat Rietmann stellten sich der Bürgerdiskussion. Sie stiessen nicht nur auf Zustimmung.

An diesem Champions-League-Dienstagabend fand sich nur ein kleines Häufchen Interessierter im Ausstellungsraum der Hauptpost ein. Dem Pissoir-Charme der beiden düsteren Unterführungen und dem Chaos auf dem Bahnhofsplatz wollte niemand das Wort reden, und dennoch gabs teilweise heftige Kritik an den Umgestaltungsplänen. Es fehle an der Nachhaltigkeit und Ausgereiftheit. Die geplante Durchmesserlinie der Appenzellerbahnen und ein wieder in Erwägung gezogenes Tram für die Stadt St.Gallen seien überhaupt nicht mitgedacht worden. Stattdessen würde mit Personenströmen auf dem Bahnhofsplatz operiert, die nicht realistisch seien. – Es gab aber auch Unterstützung. Man dürfe sich nicht vor dem Wagnis drücken. Schliesslich sei vielen guten Lösungen ein solches vorausgegangen, meinte ein Bürger.

Die Neugestaltung von Bahnhof und Bahnhofsplatz sei enorm wichtig, sagte Stadträtin Patrizia Adam. Es handle sich immerhin um die bedeutendste Drehscheibe für den öffentlichen Verkehr in der Region. In fünfzehn Jahren gäbe es vierzig Prozent mehr Zugsverkehr im Bahnhof und würden rund 2300 Busse täglich den Bahnhofsplatz befahren. Die Mobilität müsse diesem Mehraufkommen angepasst werden. – Zu Spitzenzeiten bewegten sich stündlich rund 10’000 Personen auf dem Bahnhofsplatz, sagte Stadtingenieur Beat Rietmann. Dies hätten Zählungen ergeben:
3350 Personen benutzen die Busse, 2500 gingen von der Bahn zum Bus, 1300 bewegten sich in Richtung Post- oder Bahnhofstrasse und 1100 benutzen die Unterführung Richtung Fachhochschule. Eine ebenfalls zur Diskussion stehende Verlängerung der Rathausunterführung bis zum gegenüberliegenden Kornhausplatz hält Rietmann nicht für opportun, weil sich in diese Richtung in Spitzenzeiten nur rund 650 Bahnreisende bewegten.

80’000 Menschen und mehr als 1700 Busse sind heute täglich auf dem St.Galler Bahnhofsplatz anzutreffen. Der Platz wurde 1972 für die damaligen Verhältnisse konzipiert und ist den jetzigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Stadt und die SBB haben gemeinsam Projekte für eine durchgreifende Neugestaltung des Bahnhofplatzes sowie der wichtigsten Publikumsbereiche des Bahnhofes ausgearbeitet. Der Neubau der Rathausunterführung, den die SBB planen, sieht breite Treppenaufgänge, Rolltreppen, einen Lift in die neue Ankunftshalle und weitere Ladenfläche vor. Die Unterführung West erhält ein Facelifting und soll bis 2014 hindernisfreie Zugänge zu allen Perrons haben.

Am 9. Juni wird in der Stadt St.Gallen über einen Kredit von 37,4 Mio. Franken abgestimmt. Damit soll der öffentliche Verkehr auf dem Bahnhofplatz völlig neu organisiert werden. Die Bus- und Postautohaltestellen sollen vor dem Eingang zum Bahnhof zusammengefasst werden. Die West-Ost-Linien werden vor dem Bahnhof, die Nord-Süd-Linien in der Kornhausstrasse konzentriert. Ebenfalls müssen die Stimmberechtigten in einer Grundsatzabstimmung über die Verlängerung der Rathausunterführung (12 Mio. Franken) befinden. Weil dafür aber kein Bedürfnis ausgewiesen sei, wird die Verlängerung vom Stadtrat und vom Stadtparlament nicht empfohlen.

Bei einem Ja für die Neugestaltung wird ein Investitionsvolumen von 120 Mio. Franken ausgelöst. Die Stadt trägt 35 Prozent. Das sind 42,6 Mio. Die SBB sind mit 12 respektive 35 Prozent beteiligt: 14 Mio. für die Umnutzung Bahnhof- und Dienstgebäude und 41,8 Mio. für den Bahnhof. Bund, Kanton und Transportunternehmen tragen 18 Prozent der Kosten (21,6 Mio).

Im Mai-Heft spricht Saiten mit Hansueli Stettler über die Neugestaltung. Ab Freitag in den Briefkästen. 

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