, 28. Oktober 2015
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Schräge Vibes aus dem Fribourger Hinterland

Daniel «Düx» Fontana gründete vor 25 Jahren in der Fribourger Pampa das Bad Bonn. Mit der «Kilbi im Fall» ist das mittlerweile legendäre Konzertlokal am Wochenende zum zweiten Mal in St.Gallen zu Gast.

Besondere Momente im Nirgendwo: Das Bad Bonn in Düdingen.

Es war im Sommer 2005, als sich das Konzertlokal Bad Bonn für immer in mein Gedächtnis gehämmert hat: Am Kilbi-Festival trat damals Cat Power auf. Bis heute für mich die Musikerin mit der besten Stimme, der grössten Tiefe. Cat Powers Auftritt damals war verstörend. Verwirrt und wahrscheinlich betrunken unterbrach sie ihre Songs immer wieder und entschuldigte sich für ihre «Fuck-ups».

«Ich mag Musiker, die schwierig sind», sagt Bad Bonn-Mastermind Daniel Fontana, der sich gleich mit seinem Spitznamen «Düx» vorstellt. Ich glaube noch durchs Telefon zu hören, wie Düx bei der Erinnerung an jenen Cat Power-Auftritt von 2005 schmunzelt.

Im Bad Bonn und an der Kilbi komme es immer wieder zu solchen Momenten, in denen Musiker anecken, schräg reinkommen, das Publikum spalten: Die einen laufen weg, die anderen machen Entdeckungen. «Ich glaube, das macht diesen besonderen Ort aus», sagt Düx.

Und der Ort transportiert seine besonderen Vibes auch quer durch die Schweiz: Mit der «Kilbi im Fall» ist das Bad Bonn dieses Wochenende zum zweiten Mal nach 2014 im Palace und der Grabenhalle zu Gast.

Es wird wild, aber anstrengend

Auf dem Programm der Export-Kilbi stehen vor allem experimentelle Sachen. Das könnte ziemlich wild, aber auch anstrengend werden, denke ich, als ich die mir fast alle unbekannten Namen zuerst durchlese und dann -höre. Da ist etwa der Noise-Musiker Stephen O’Malley, der gerne in der Drohnen-Schublade wühlt.

Oder die ebenfalls noisige Free Jazz/Rock-Combo Selvhenter:

Oder der Ostschweizer Beitrag zum Programm: Pyrit.

 

Aber eben: Darüber zu lafern ist müssig, nachhören ist angesagt.

Düx hat als alleiniger Programmverantwortlicher spürbar den Anspruch, mit dem Bad Bonn anders zu sein, Bands zu bringen, die unerwartet sind. Für die Kilbi im Fall hat er mit der Palace-Programmgruppe zusammengespannt.

Aber wo gräbt man solche Sachen aus, frische Bands, wildes Zeug?

Der 49-jährige Düx setzt auch in Zeiten der omnipräsenten Digitalisierung noch immer am liebsten auf Infos aus erster Hand: «Ich frage Musiker, die im Bad Bonn auftreten, welche anderen Bands sie in letzter Zeit am meisten beeindruckt haben.» Er sei sowieso ein «Schnorri, der gerne bei den Leuten und viel unterwegs ist». Und ansonsten verbringe er natürlich viel Zeit vor dem Computer, an Festivals und in Clubs beim Wühlen, Musikhören, Austauschen mit anderen Musik-Nerds.

Freundschaft Fribourg – St.Gallen

Durch 25 Jahre Hingabe hat Düx das geschafft, was zu den Anfangszeiten des Bad Bonn kaum jemand für möglich gehalten hätte: Das Konzertlokal ist inzwischen schweizweit als einer der progressivsten Musikorte bekannt. Und das, obwohl das Gebäude mit dem grossen Kies-Parkplatz davor irgendwo zwischen Bern und Fribourg am Waldrand steht. 15 Minuten Fussmarsch durch die Dunkelheit ist es bis zum nächsten Bahnhof im Dorf Düdingen. «Ich kenne sogar Leute, die wegen des Bad Bonns wieder nach Düdingen gezügelt sind», sagt Düx. Er selber ist im Ort aufgewachsen und wohnt heute noch in der Nähe im ländlichen Fribourg.

Eine Gruppe von 60 bis 70 Fribourgern werde am Wochenende den Trip nach St.Gallen auf sich nehmen, schätzt Düx. Zwischen dem Palace und dem Bad Bonn – zwei Orte in der Peripherie – besteht seit Jahren ein reger Austausch.

Düx und der Palace-Programmverantwortliche Damian Hohl telefonieren regelmässig, tauschen sich über Bands aus, jeder profitiert vom anderen. «Wir stacheln uns in einem positiven Sinn gegenseitig an», sagt Hohl.

Kilbi im Fall. 30. und 31.Oktober, Palace  und Grabenhalle St.Gallen.

Bislang wurden auch für rund 15 Konzerte Künstler von Palace und dem Bad Bonn gemeinsam in die Schweiz geholt. Als eindrücklichster Gig aus dieser Reihe dürfte wohl der völlig abgespacte Dub-Altmeister Lee Scratch Perry in Erinnerung bleiben.

Die Zusammenarbeit ist über die Jahre natürlich gewachsen – und gipfelte letztes Jahr in der ersten Kilbi im Fall in St.Gallen. Ob der Anlass nun zu einem Fixum im Kalender wird, kann Düx nicht sagen: «Mir ist es wichtig, bei dem was ich mache, im Moment zu sein. Zu weit vorausdenken bringt nichts.»

 

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