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Schrille Zwischennutzung

Die Theatertruppe Cafe fuerte nimmt sich ein konfliktreiches Thema zur Brust: «Das letzte Haus» ist eine Farce mit Musik über Häuser und ihre Menschen. Bis Samstag wird openair in Urnäsch gespielt.
Von  Peter Surber

Cafe fuerte, das halb appenzellische, halb vorarlbergische Ensemble mit der Spezialität, grosse Geschichten an kleinen Orten zu spielen, hat schon im Tiefschnee auf der Ebenalp, in einer Seilbahn oder auf Dorfplätzen Theater gespielt. Jetzt ist eine neue Openair-Produktion unterwegs, als dritte Station macht sie Halt in Urnäsch.

Regisseurin Danielle Strahm und Autor Tobias Fend nennen Das letzte Haus eine «Farce mit Musik» über den Zusammenhang zwischen Paarbeziehung, Einfamilienhaus und Bodenverbrauch. Gespielt wird in und vor Häusern mit einer langen Geschichte aus Nutzung, Leerstand und Umnutzung.

Szenenbild mit Tobias Fend. (Bilder: cafefuerte)

Die Zwischennutzung namens Theater dreht sich um das alte Haus der Tante Lala, das abgerissen werden soll, aber vom untoten Onkel John bewohnt wird. Schauspieler und Stückautor Tobias Fend will damit «der heiligen Kuh Einfamilienhaus» zu Leibe rücken, samt Balkan-Sound und dem britischen Tänzer und Performer John Kendall als Onkel John’s Geist. Die Stückbeschreibung verspricht «laute Musik, Gesang und Unfug zur Überwindung von emotionalen Gartenzäunen in unseren Hirnen.» Aber auch eine Portion Gesellschaftskritik: «Viele junge Familien können sich das Wohnen nicht mehr leisten. Dabei besteht das Problem nicht darin, dass es zu wenig Flächen gibt, sondern dass sich diese im Besitz von Wenigen befinden», sagt Tobias Fend.

Es spielen Meda Banciu, Danielle Green, John Kendall und Tobias Fend, die Musik stammt von Florian Wagner.

Die Kritiken zur Vorarlberger Premiere Anfang des Monats fielen positiv aus – trotz garstigem Openair-Wetter. «Wie Danielle Fend-Strahm das Publikum durch diese bunte Vielfalt der menschlichen Wohn- und Verpartnerungsmöglichkeiten führt, ist geradezu genial. Der Kunstgriff der Inszenierung mit einer derart sinnlichen Verquickung von Sprache, Tanz und Musik besteht vor allem darin, dass sie den moralisch erhobenen Zeigefinger zugunsten einer breiten Informations-Palette zum Thema Wohnen, Bauen und Leben auslässt», schreibt Miriam Steinbock in den Vorarlberger Nachrichten.

Das letzte Haus:
19., 20. und 21. September, Werkstatt Saienbrücke Urnäsch (bei der Bahnstation Zürchersmühle),
jeweils 19.30 Uhr

cafefuerte.at

Die Spielorte wurden exquisit ausgewählt: Premiere war vor dem lange leergestandenen alten Palmenhaus in Bregenz, dann folgte das alte Bezirksgericht, eines der ältesten Häuser in Schruns, und jetzt die Werkstatt Saienbrücke in Urnäsch. Das stattliche Gebäude diente schon als Bauernhaus, Wirtschaft, Milchsammelstelle und Vereinslokal. Heute ist es als Polsterei, Atelier und Wohnhaus privat genutzt mit Café und teils öffentlichem Programm.

Nach dem Theater ums Haus folgt gleich Tobias Fends Solostück BUS. Spielort ist tatsächlich ein Bus, Chauffeur Fend verstrickt sich und das Publikum darin in allerhand Kalamitäten. Der Bus fährt zwischen dem 2. und dem 26. Oktober in Schaan, Altstätten, Herisau und Trogen vor.

Dieser Beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.

 

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